Mai 10 2015

Zwei Gründe, die mich dankbar machen

Heute ist Muttertag. An diesem Tag bin ich aus zwei Gründen außerordentlich dankbar:

1. Ich hatte eine Mutter und einen Vater, die mir eine wunderschöne Kindheit ermöglicht haben. Dazu gehörte kein Wohlstand, sondern Zeit, die sie mir schenkten:

Zeit, die ich beim Spielen draußen wie drinnen verbringen durfte zusammen mit meinen Geschwistern und Freunden;

Zeit, die sie selbst mit uns verbrachten: bei Monopoly, bei Ausflügen an den Rhein, bei der Kontrolle unserer Hausaufgaben in den ersten Schuljahren: das letztere war nicht gerade immer mein Favorit, aber sehr sinnvoll, wie ich später eingesehen habe 🙂

Auf vielen Spaziergängen, bei denen meine Mutter und ich alleine waren, haben wir uns über das Leben im Kleinen und Großen unterhalten. Dazu gehörte auch ihre eigene Entzauberung. Ab und zu hat sie mich darauf hingewiesen, dass sie als Eltern nicht perfekt sind und Fehler haben – wir würden sie schon noch bemerken. Wenn die Zeit für mich reif war, hat sie mich an ihrem früheren Leben teilhaben lassen, welches nicht immer rund gelaufen war. Auch viel Schönes oder Lustiges erzählte sie mir. Meinen Eltern war nichts Menschliches fremd.

Diese Zeit, die ich mit meiner Mutter verbracht habe, hat uns damals zusammen geschweißt und ist heute noch meine vorherrschende Erinnerung an sie. Ich glaube, meinen Geschwistern geht es ähnlich.

Woher nahm sie nur diese Zeit, die sie uns schenkte? Sie war ihr selbst wichtig. Einmal sprach sie zu mir über Erziehung: “Redet man nicht mit seinen Kindern in der Kindheit, werden sie es in der Pubertät umgekehrt auch nicht tun.” Mit anderen Worten: Der Gesprächsfaden muss früh gesponnen werden und darf nicht abreißen.

Ihr war es gelungen, dass wir gerne miteinander redeten.

2. Der zweite Grund, warum ich heute dankbar bin, ist, dass ich meinen Eltern im Alter noch “Danke” gesagt habe.

Als mein Vater mit 79 Jahren einen schweren Unfall hatte und auf der Intensivstation lag, habe ich ihm zum ersten Mal bewusst gesagt, dass ich ihn lieb habe. Denn im Gegensatz zu meiner Mutter hatte ich zu ihm nicht so eine Nähe. Diese “Liebeserklärung” war für mich zwar Wahrheit, aber keine Kleinigkeit. Von da an habe ich ihm das möglichst bei jedem Besuch mitgeteilt. Er wusste es zwar, aber es verband uns.

Wenn ich meine Mutter in den letzten Jahren besuchte, war ein normales Gespräch nicht mehr möglich. Sie konnte ihren Gedanken keinen Ausdruck mehr verleihen. 2014-02-27 16.12.13-1So saßen wir manchmal einfach nur stumm beisammen und ich hielt ihre Hand. Alles war so unwichtig geworden: Nichts war mehr relevant als allein die Liebe, die uns verband.
Auch ihr durfte ich jedesmal zum Abschied sagen: “Du warst die beste Mutter, die ich haben konnte! Ich habe dich sehr lieb!” Dann antwortete sie (und das konnte sie dann fast immer!): “Ich dich auch, Kind!”

 



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Veröffentlicht10. Mai 2015 von Eleonore Schmitt in Kategorie "Allgemein

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