Juli 6 2018

Es geht nicht nur mir ans Herz

Es geht mir ans Herz: Zwölf Teenager mit ihrem Betreuer sitzen seit dem 23. Juni in einer Höhle fest. Viele Tage völlig ohne Tageslicht, Nahrung, Kontakt zu ihren Familien – lebendig begraben mit nur einer vagen Hoffnung auf Rettung. Dann wurden sie gefunden, aber der Rettungsweg ist weiterhin ungewiss und gefährlich. Und nun hat einer ihrer Retter sein Leben für sie eingebüßt.
Das geht mir ans Herz. Die Verzweiflung und die Trauer – und auch der Hoffnungsschimmer, der schon wieder anfängt, zu verblassen. Wie halten die Kinder, ihre Eltern und Geschwister, ihre Großeltern das aus? Furchtbar!

Auch das geht mir ans Herz:

Säuglinge, Kinder und Teenager, die im Mittelmeer um ihr Leben kämpfen. Sie erblicken Schiffe, die sie retten könnten – und diese lassen sie links liegen. Ihre Mütter und Väter müssen tatenlos zusehen, während sie selbst in den Fluten ertrinken. Verzweiflung pur!
Andere Boote oder Flugzeuge, deren Besatzungen helfen wollen, werden von europäischen Regierenden festgesetzt. Und so versinken diese Menschen vor unseren Augen – nach einem kurzen Leben, das bereits mehr Leid gesehen hat als ich mit meinen 62 Jahren!

Auch Folgendes geht mir ans Herz,

und ich kann es nicht verstehen: Es gibt Menschen, die auf die Straße gehen, um das Leben Ungeborener im Mutterleib zu schützen (und das ist gut so!), aber sie verweigern Geborenen das Leben in unserer Mitte.

Nun höre ich alle Argumente, warum wir nicht die ganze Welt retten können, unser Volk schützen müssen und Hilfe in den Herkunftsländern der Flüchtlinge schaffen sollten. Alles klingt logisch und ist richtig. Doch es kann keine Antwort sein, dem Leid der Menschen mit Bösem zu begegnen. Denn das ist unsere Hilfeverweigerung: herzlos und böse! Wie kann ich als Christ so reagieren?

Nein, ich weiß keine Lösung.

Aber ich weiß, dass wir nicht gegen Gottes Wort und Willen handeln dürfen: Das ist ebenso keine Option. Wir müssen weiter Antworten suchen. Und beten, dass die Menschen in ganz Europa dem Gott der Liebe ihre Herzen öffnen. Denn dann sähe das Problem völlig anders aus.

Machen wir uns nichts vor: Heute legen wir die Basis für morgen. Wer Herzlosigkeit sät, der wird Unbarmherzigkeit und Gnadenlosigkeit ernten. Armes Europa …

Ich möchte, dass unsere Enkel in einem Europa leben können, in dem Gottes Wesen spürbar ist: Erbarmen mit den Schwachen, Hilfe für die Armen, Freiheit der Gedanken und Meinungen.

Zum Schluss möchte ich noch die Losung von heute in ihrem Zusammenhang anfügen:

„Die Witwe und den Fremden bringen sie um, die Verwaisten morden sie hin. ‚Gott sieht das nicht‘, sagen sie, ‚der Gott Jakobs merkt es nicht.‘
Ihr Dummen im Volk, denkt endlich nach! Wann werdet ihr Schwachköpfe (Entschuldigung, aber das steht hier in der Bibel) nur klug? Der das Ohr gemacht hat, sollte der nicht hören? Der das Auge schuf, sollte der nicht sehen? Der die Völker erzieht, sollte der nicht tadeln, er, der den Menschen Erkenntnis beibringt?“ (Psalm 94, 6-10)

Es geht Gott ans Herz, wenn Jugendliche in Thailand in Not geraten. Es geht Gott ans Herz, wenn Menschen im Mittelmeer elendig ertrinken. Es geht Gott ans Herz, wenn wir unsere Augen und unsere Ohren vor den Ertrinkenden und ihren Schreien verschließen.

Zur Verdeutlichung:

Hinschauen … 

(Eventuell weiterklicken auf “Videos” > Italienische Häfen)

Wer wird gerettet?

https://www.facebook.com/aerzteohnegrenzenMSF/videos/10156912508663072/

März 22 2017

Brückenbauer

www.clearlens-images.de @ pixelio.de
www.clearlens-images.de @ pixelio.de

Wenn ich mein Leben aus der Vogelperspektive betrachte, so sehe ich es als Brücke zwischen der letzten Kriegsgeneration und den heutigen jungen Familien. Ich habe Informationen aus erster Hand, die ich an eine Generation weitergeben kann, die 80 Jahre später lebt.

Meine Eltern gehörten noch zu denen, die eine schreckliche Diktatur erlitten. Ihre Schulzeit war geprägt von politischer Lüge, Rassenhetze und Angst vor Bespitzelung. Sie lernten, dass die Wahrheit nur hinter vorgehaltener Hand gesagt werden durfte. Und statt ihre ausgehende Jugendzeit zu genießen, erlebten sie Luftschutzbunker, Zerstörung und pure Gewalt. Mein Vater kehrte als Schwerstbehinderter aus Russland zurück, meine Mutter hatte zu Hause den sogenannten »Barmer Angriff« hautnah miterlebt: Brennender Teer nach der Bombardierung Wuppertals mit scheußlichsten menschlichen Opfern. Die Stadt ein Ruinenfeld.

Bernd Sterzl @ pixelio.de
Bernd Sterzl @ pixelio.de

Obwohl ich erst 11 Jahre später geboren wurde, spielten wir noch in den »Trümmern«. Das war zwar verboten und gefährlich, aber es war unser Spielplatz. Damals habe ich mich nie gefragt, warum wohl hier diese zerfallene Fabrik stand? In ihr wuchsen Birken und Löwenzahn, eine abgebrochene Steintreppe spornte uns zu akrobatischen Höchstleistungen an. Irgendwann hatten wir einen Mauerspalt so lange bearbeitet, bis wir einen Blick in den Kellerraum wie in ein dunkles Verließ werfen konnten.

Meine Eltern gehörten nicht zu denen, die alles verschwiegen.

Ihnen lag daran, uns zu warnen: vor Volksverführern und verlogenen Ideologien, vor Extremismus und Fanatismus. Sie genossen die Demokratie und hatten Angst davor, dass sie sich eines Tages selbst abwählen könnte.

Dass das möglich ist, sehen wir zurzeit in der Türkei. Und auch die aktuelle Lage in den USA oder die anstehenden Wahlen in Frankreich geben Anlass zur Sorge, dass die Demokratie sich selbst abschafft. Lug und Trug oder auf Neudeutsch »fakenews« bestimmen das Werben um den Wähler. Wenn meine Eltern das noch miterleben würden, sähen sie sich Jahrzehnte zurückversetzt!

Heute, am 22. März 2017 hat unser neuer Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier in seiner Antrittsrede genau darauf hingewiesen. Auch er gehört zu den damaligen Kindern, die in Ruinen spielten. Auch er ist eine Brücke zu der heutigen jungen Generation. Und er nutzt sein Wissen, das auch er noch aus erster Hand hat, um die Menschen zu warnen:

“Populisten erhitzen die öffentliche Debatte durch ein Feuerwerk von Feindbildern, laden ein zum Kampf gegen das sogenannte Establishment und verheißen eine blühende Zukunft nach dessen Niedergang. Es gibt in Deutschland keinen Grund für Alarmismus. Das nicht. Aber ich sage mit Blick auf das, was sich da tut, mit großer Ernsthaftigkeit: Wir müssen über die Demokratie nicht nur reden – wir müssen wieder lernen, für sie zu streiten!”

Warum schreibe ich das in meinem Blog?

Weil es um unsere Kinder und Enkel geht. Herr Steinmeier fordert auf, sich für die Demokratie der Zukunft einzusetzen. Und für mich heißt das praktisch: Beten, beten und mich nicht nur einseitig informieren. Beten, beten und den Mund aufmachen. Beten, beten und wählen.

Warum haben damals vor und im Nationalsozialismus viele Christen nicht für eine Bewahrung vor dem sogenannten “Führer” gebetet? Weil sie sich blenden ließen von einem Mann, der so fromm wirkte und die konservativen Werte hochhielt. Sie schauten sich nicht seine Früchte, sondern seine Versprechen an.

Michael Ries @ pixelio.de
Michael Ries @ pixelio.de

Was wäre passiert, wenn die Christen sich vor Gott geneigt hätten und einmütig gebetet hätten? Leider aber sind viele freikirchliche wie kirchliche Leiter Hitler auf den Leim gegangen – und mit ihnen die, die sie in den Gemeinden zu lotsen hatten.

Vor 28 Jahren haben sich in der Diktatur der DDR, in Leipzig jede Woche tausende Menschen zum Gebet getroffen. Was hat das gebracht? Die Öffnung der Grenzen und das Ende der Tyrannei. Paulus forderte uns auf, für die Regierenden zu beten, damit wir (und unsere Kinder!) ein friedliches Leben im Glauben führen können. (1. Tim. 2,2)

Wie kann ich für unsere Politiker beten? Indem ich zum Beispiel die Internetseite der Bundesregierung aufrufe: https://www.bundesregierung.de/Webs/Breg/DE/Bundesregierung/Bundeskabinett/bundeskabinett.html . Dort werden mir die Verantwortlichen super präsentiert. Begleiten wir sie doch in ihren Entscheidungen und Überlegungen!

Gott, der die Mauern von Jericho ohne Kampf hat fallen lassen

oder den Sieg gegen die Amalekiter nur durch das treue Gebet von Mose geschenkt hat: Dieser Gott ist noch heute derselbe!

Zum Schluss möchte ich noch einmal Herrn Steinmeier zitieren: »Zeiten, in denen Eltern sich fragen, ob es ihren Kindern noch genau so gut gehen wird wie ihnen. Wir leben in Zeiten des Übergangs. Wie die Zukunft wird, darauf gibt es nicht nur eine Antwort. Da ist die Zukunft eben nicht “alternativlos”. Im Gegenteil: Die Zukunft ist offen, und sie ist überwältigend ungewiss!«

Und wir können diese Zukunft segnen, indem wir treu beten. Nicht mit Angst im Nacken sondern mit Hoffnung vor Augen. Unsere Kinder werden es uns später danken!

Christina Bieber @ pixelio.de
Christina Bieber @ pixelio.de