März 30 2020

2. Teil: Der Ausweg

Der Ausweg

Im Laufe der Zeit gab es immer wieder Menschen, die Gott ernst genommen haben. Sie konnten an seiner Schöpfung ablesen, dass er mächtig und vertrauenswürdig ist. Henoch war einer von ihnen, ebenso Noah und Abraham. Sie vertrauten Gott, weshalb sie ein echtes Licht in dieser Welt waren. Und sie ahnten, dass Gott einen Ausweg aus der Verlorenheit der Welt plante.

Gott wollte den Menschen auf seinen Rettungsplan vorbereiten.

Deshalb wählte er sich einen von diesen glaubenden Menschen aus: Abraham. Ihn ließ er zu einem besonderen Volk heranwachsen, das ihm geweiht war. Die meisten Juden wissen das noch heute, dass sie das Volk Gottes sind. Und wegen dieses Anspruches werden sie nach wie vor gehasst und verfolgt. Aber Gott hatte eine gute Absicht mit der ganzen Welt und an Hand seines Volkes konnte er seinen Plan deutlich machen und umsetzen.

Was dem Volk Israel in seiner langen Geschichte passierte, wie es reagierte und wie Gott es immer wieder rettete: Das alles ist wie ein Spiegel für Gottes Welt-Rettungs-Programm. Es ist sozusagen die Vorschau von dem eigentlichen Geschehen. Oder die theoretische Grundlage für das zentrale Ereignis. Der Wegweiser zum Ziel.

Ich kann die Geschichte Israels hier nicht im Einzelnen aufschreiben, da sie diesen Blog sprengen würde. Doch es lohnt sich, diese Zusammenhänge einmal durchzulesen und zu bedenken. Den Juden war sonnenklar, dass es ohne ein Opfer keine Vergebung geben kann. Ebenso waren sie aus der Sklaverei in Ägypten nur durch das Blut eines Lammes frei gekommen. Und am 50. Tag danach hat Gott mit ihnen einen Bund geschlossen und ihnen sein Gesetz gegeben.
Dieses Gesetz hat deutlich gemacht, dass kein Mensch aus eigener Kraft Gott vollkommen gehorchen kann. Selbst der junge Mann, der später Jesus gegenüber stand und angab, dass er das Gesetz nie gebrochen hatte, versagte an dem Gebot der Nächstenliebe.

Jesus war als Sohn Gottes in die Welt gekommen. Gott selbst musste Mensch werden, um uns zu zeigen, wie er sich ein Leben in der Beziehung zwischen Mensch und Gott vorstellt. Auch machte er dadurch deutlich, dass er uns nicht aufgegeben hat, sondern für uns ein unvergängliches Leben vorbereitet hat.

Das einzige Problem bei dem allem war: Wir Menschen hatten uns von Gott abgewandt – und diese Untreue musste aus der Welt geschafft werden. Wenn Gott einfach sagen würde: „Ist schon gut“, dann würde alles so weitergehen wie bisher. Nein, unser Treuebruch, unsere selbstgewählte Entfernung von Gott musste endgültig überwunden werden, und das ging nur durch Sühnung. Das war der einzige Ausweg. Doch wer zeigte diesen Weg? Wer konnte und sollte dafür gerade stehen?

Diese Wiedergutmachung übernahm Gottes Sohn selbst. Er ließ sich wie ein Lamm opfern, vergoss sein Blut für uns und nahm jede (!) Sünde mit in den Tod.
So befreite Gott uns Menschen aus der Sklaverei des Bösen.
Er weckte dann Jesus, unser Opfer, vom Tod wieder auf. Das Regiment des Teufels wurde durch die Macht Gottes besiegt.

Ist das nicht zu einfach? Nein, für Jesus war das überhaupt nicht leicht! Aber er macht es uns einfach, zu Gott, dem Vater, zurückzukehren und erlöst zu leben. Es ist sein Geschenk an uns.

Am 50. Tag nach diesem Ereignis erfüllte Gott die mit seinem Geist, die dieses Geschenk im Glauben angenommen hatten. Quasi stiftete Gott damals zu Pfingsten den neuen Bund. Dieses Mal nicht nur mit einem einzigen Volk, sondern nun mit allen Menschen, die das möchten.
Ohne Gottes Geist können wir ihm nicht wirklich folgen und ihn von Herzen lieben.

Wie ein Auto ohne Antrieb nicht fahren kann, können wir Menschen ohne den Heiligen Geist nicht im Glauben leben.

Deshalb schenkt Gott seit diesem ersten Pfingstfest jedem seinen Geist, der ihm Glauben schenkt und eine persönliche Beziehung zu ihm sucht.

Bis heute, ja, für alle Ewigkeit reicht nun das Opfer, das Jesus gebracht hat. Er selbst ist der Ausweg. Er beschenkt seine Nachfolger mit unvergänglichem Leben. Unser Lebensfahrzeug wird wieder von dem gesteuert, der das Leben schuf und erhält.

Deshalb gehört uns die Ewigkeit. Die Liebe trägt und prägt uns je länger, umso mehr. Hoffnung gestaltet unser Denken und Tun. Und in der Beziehung zu Gott erleben wir schon jetzt immer wieder den Himmel auf Erden.

Ein Video zur Veranschaulichung, wie der Ausweg ganz praktisch aussieht: Hier klicken

Fortsetzung gibt im 3. Teil demnächst in diesem Blog

März 30 2020

1. Teil: Gottes Werk und Teufels Beitrag

Das Urheberrecht

Als junge Frau habe ich gerne gemalt. Wenn mir ein Motiv gut gelungen war, habe ich es mehrmals in verschiedenen Variationen dargestellt. Und jedes Mal war ich begeistert: Die Bilder waren geglückt!

Die Gemälde gefielen mir selbst so sehr, dass ich sie gerne meiner Familie gezeigt habe. Das war kein Angeben, sondern pure Freude am Geschaffenen.
Wie verletzend wäre es für mich gewesen, wenn irgendjemand von sich behauptet hätte: „Die habe ich gemalt!“ Das hätte ich nicht einfach hingenommen, sondern wäre auf die Barrikaden gegangen.

Das versteht jeder. Komisch ist nur, wie normal wir es finden, wenn Gottes „Urheberrecht“ verletzt wird.

„Gottes Werk …“

Ursprünglich gab es keine Erde, keinen Weltraum, keine Sterne, keine Sonne, keinen Mond. Es gab kein Material. Es gab auch keine Zeit. Es gab nur Gott. Das können wir uns mit unserem Verstand nicht vorstellen, weil unser Denken an Zeit und Raum gewöhnt ist und tatsächlich nie ohne Material – sondern nur mit Hilfe bestimmter chemischer Vorgänge – möglich gewesen ist.

Und dann sprach (!) Gott. Und nach und nach erschuf er allein durch seine Worte unser Universum mit all seinen Gesetzesmäßigkeiten. Nebenher ließ er die Zeit entstehen, regelte sie durch Sonne und Mond sowie durch das Rotieren der Erde um ihre geneigte Achse und um die Sonne. Es entstanden Tag und Nacht und die vier Jahreszeiten. Durch sein Reden erschuf Gott die Lebewesen, die Einzeller wie die Amöben bis hin zum Menschen wie dich und mich. Für uns ist dieses Anfertigen ohne Materie unvorstellbar.

Auch sämtliche physikalischen Gesetzmäßigkeiten im winzigen Atom

über alle biologischen Gegebenheiten der Pflanzenwelt

und aller Lebewesen

bis zum gigantischen Weltall mit seinen Anziehungskräften und schwarzen Löchern

ist kaum zu begreifen, geschweige denn selbst auszudenken.

Dazu kommt die soziale Ordnung, ohne die das Zusammenleben der Geschöpfe zum Scheitern verurteilt ist: die Liebe.

Zum Schluss sah sich Gott an, was er da erschaffen hatte, und „es war sehr gut“.

Wenn ich schon meine selbstgemalten Bilder toll fand und sie bis heute schützend aufbewahre, wie viel mehr muss Gott an seiner Schöpfung interessiert sein und sie lieben?!
Wenn ich meine Bilder unter meinem Namen laufen lasse und keinen anderen Urheber akzeptieren will, wie viel mehr wird Gott seine Schöpfungs-Ehre niemand anderem überlassen wollen?! Auch nicht dem vom Menschen erfundenen „Zufall“ …

Gottes Werk?

Doch nun kommen wir Geschöpfe daher und sprechen Gott dieses gewaltige Unternehmen ab. All das wunderbare soll von allein entstanden sein? Der Mensch geht häufig noch weiter und behauptet, es gäbe gar keinen Gott. Sehenden Auges und hörenden Ohres ignoriert er jede Vernunft. Wie gering ist die Wahrscheinlichkeit, dass alles von allein hervorgegangen ist und sich genau so sinnvoll entwickelt hat, dass es solch einen Bestand hat?

Wie viele Jahre braucht es, bis ein Computer von alleine entsteht? Ist das überhaupt möglich? Vor allem, wenn es vorher nicht einmal das kleinste Atömchen von dem nötigen Material dazu gegeben hat?

Nachdem Gott seine geniale Schöpfung beendet hatte, bewies er Herz. Weil er die Liebe in Person ist, machte er ein großzügiges Geschenk: Er vertraute dem Menschen seine ganze Schöpfung an und ließ ihn in völliger Freiheit sein Leben führen. Damit ging er ein gewaltiges Risiko ein.

Es wäre für ihn kein Risiko gewesen, wenn er den Menschen gezwungen hätte, sich in allen Belangen immer nur an ihn, Gott, zu wenden. Wenn er den Menschen zu einer lebendigen Marionette geschaffen hätte.

Gott aber wollte keinen Zwang, sondern Freiheit. Er wünschte sich freiwillige Vertraute und nicht gezwungene Befehlsempfänger. Und damit ging er ein unglaubliches Wagnis ein, dass letztendlich seine Schöpfung zerstören konnte.

Indem Gott ein einziges Gebot gab („Iss nicht von dem Baum der Erkenntnis des Guten und des Bösen), ermöglichte er dem Menschen die Wahl zwischen sich und der anderen Macht, die ihn hasste. Und was tat der Mensch? Er wollte „klug sein wie Gott“. Nur, dass ihm natürlich die Kraft fehlt, mit dem Bösen fertig zu werden.

„… und Teufels Beitrag“

Als der Mensch sich gegen Gott entschied, bekam er einen neuen Herrn, dem er ab sofort ausgeliefert war. Es war, als hätte er seinen Chauffeur gewechselt: Der Fürsorgliche wurde eingetauscht durch den Boshaften. Gott hatte den Menschen gewarnt: Wenn du nicht mit mir unterwegs bist, wirst du sterben. Das war keine Strafe, sondern ist die natürliche Folge, falls man den Vernichter ans Steuer lässt und den Lebensschöpfer nicht beachtet.

Seitdem geht es mit der Schöpfung bergab. Seitdem ist auch das soziale Leben gestört. Seitdem gibt es kein Paradies mehr, sondern viele Menschen machen bereits „die Hölle auf Erden” durch. Die einen mehr, die anderen weniger. Aber alle haben die Sehnsucht nach Leben, nach Unversehrtheit, nach Unvergänglichkeit.

Doch Gott wäre nicht Gott, wenn er das nicht schon vorher bedacht hätte und einen Ausweg geplant hätte.

Siehe Teil 2 – Der Ausweg

Januar 14 2020

Einen Toten kann man nicht wiederbeleben

Meine Tante Marta verlor im Krieg so ziemlich alles, was für sie von Bedeutung war: Ihre Tochter starb mit zwei Jahren durch einen fürchterlichen Unfall. Und als der Krieg beendet wurde, war ihr Ehemann irgendwo in Russland verschwunden. Verschollen, als hätte er sich in Luft aufgelöst. Seine Spur verlor sich in einer der unseligen Schlachten; die Hoffnung auf seine Rückkehr schwand von Jahr zu Jahr. Schließlich musste sie es akzeptieren: Von der jungen Familie war sie alleine übrig geblieben.

Bei einer anderen Frau, von der ich gelesen habe, war es umgekehrt. Sie hatte zuerst ihren Ehemann verloren. Ihr Sohn war inzwischen ein junger Mann, als er – ob durch einen Unfall oder eine Krankheit, das weiß ich nicht – ebenfalls starb. Auch sie blieb alleine zurück wie so viele weitere Menschen, die ihre engsten Familienmitglieder zu Grabe tragen müssen. Der Tod ist endgültig und macht keine halben Sachen.

Bei dieser letztgenannter Frau geschah allerdings etwas Umwälzendes. Auf dem Weg zur Beisetzung, als sie gemeinsam mit der Dorfgemeinschaft den Leichnam ihres Sohnes zum Friedhof brachte, stieß sie auf eine fröhliche Menschenmenge. Irgendwie passten diese beiden Gruppen, die da aufeinandertrafen, überhaupt nicht zusammen. Tod, Verzweiflung und Hoffnungslosigkeit versus Leben, Zuversicht und Freude. Wie geht man da miteinander um?

Die gut aufgelegte Gruppe kam ins Stocken und hielt an. Ein Mann löste sich von ihr, trat auf die Trauernden zu und fragte nach, was passiert sei. Als er von dem Leid dieser einsamen Witwe erfuhr, traf ihn deren Trauer tief ins Herz. Er wandte sich dem Leichnam zu und sagte: „Junger Mann, ich befehle dir, steh auf!“ Und plötzlich richtete sich der Gestorbene auf, zerrte an dem Leichentuch, das ihn umhüllte und fing an zu reden.

Im falschen Film?

Was hier stattfand, widerspricht völlig unserer Erfahrung. Tot ist tot. Ein Mensch, der länger als drei Minuten nicht atmet, nimmt Schaden am Gehirn. Und nach kurzer Zeit sind auch seine übrigen Organe nicht länger zu gebrauchen.

Was hier stattfand, war keine Wiederbelebung, da es das Leben gar nicht mehr gab. Hier wurde neues Leben geschenkt. Die verwesenden Körperzellen verwandelten sich in lebendige Zellen; gesundes Blut floss erneut mit frischem Sauerstoff durch das Gehirn, welches wiederhergestellt war: Der junge Mann konnte reden!

Was hier stattfand, konnte nur göttliches Handeln sein. Keine Macht der Welt ist in der Lage, aus dem Nichts etwas zu schaffen oder etwas aus toter Materie zu kreieren. Das kann nur Gott. Das war auch schon damals so, bei der Witwe zu Nain. Lediglich Gott kann einem Toten das Leben geben. (Lukas 7,11-17)

Und heute?

Zurecht reden wir nur von Nahtod-Erfahrungen. Denn kein totes Gewebe kann wiederbelebt werden. Was abgestorben ist, ist verendet, ja, hat ein Ende gefunden. Menschen, die wiederbelebt wurden, waren dem Tod nahe, aber ihr Körper war nicht abgestorben. Und genauso sind Organe, die gespendet werden, nicht tot. Sonst wären sie unbrauchbar.

In der Medizin ist es wichtig, dass diese Tatsachen nicht verwechselt werden. Und in gleicher Weise ist es in unserem geistlichen Leben unerlässlich, dass wir lebenswichtige Realitäten nicht durcheinander werfen. Denn diese Dinge ähneln sich zwar, aber sie sind grundverschieden: nämlich die Wiederbelebung von Altem oder die Schaffung von neuem Leben. Ich habe den Eindruck, dass das bei uns leicht vertauscht wird – mit fatalen Folgen.

Die Bibel sagt uns, dass wir alle Kinder Gottes werden können. Manche Stellen im Neuen Testament beschreiben das so, als ob Gott uns adoptieren wollte. Doch wie erklärt das Jesus selbst? Tatsächlich bietet er uns keine Adoption an, sondern eine Geburt: Er will uns ein neues Leben schenken. Das ist keine Wiedergeburt, wo ich erneuert werden würde. Nein! Jesus spricht von einer Geburt, die neuartiges Leben hervorbringt: „Nur wenn jemand von oben her neu geboren wird, kann er das Reich Gottes sehen. … Was vom Geist geboren wird, ist ein Kind des Geistes.“ (Johannes 3,3 + 6)

Wir werden nicht bloß angenommen …

Wir werden nicht bloß angenommen und führen unser Leben dann als Adoptierte weiter. Das Wunder der Gotteskindschaft ist größer: Wir werden neu. Wir sind völlig neue Wesen, Kinder des himmlischen Vaters. Auch Paulus sagt: „Wenn jemand zu Christus gehört, ist er eine neue Schöpfung. Das Alte ist vergangen; etwas ganz Neues hat begonnen!“ (2. Kor. 5,17)

Keiner schenkt sich dieses Leben selbst, genauso wenig wie man sich das irdische Leben selbst erschaffen könnte. So oder so ist es immer eine Gabe von Gott. Mit einem Unterschied: Bei der natürlichen Geburt werden wir nicht gefragt, ob wir leben wollen. Die geistliche Geburt dagegen geschieht nicht ohne unsere Einwilligung. Gott bietet sie uns an. Er fragt uns, ob wir sein neues Leben haben möchten. Und wenn wir das wollen, schenkt er es uns in seiner ganzen Fülle.

(Eigentlich ist Gott viel zu erhaben und gut für uns. Wir Menschen werden ihm nie gerecht werden können. Aber dadurch, dass Jesus als Strafe für unsere Verfehlungen sein Leben geopfert hat, sind wir fehlerfrei. So können wir zu Gott kommen und das neue Leben in Empfang nehmen.)

Ich bin ein neu geborenes Kind von Gott. Die Kindschaft kann mir nicht mehr entzogen werden. Ich muss keine Angst haben, dass ich nicht gut genug bin und meine Beziehung zu Gott wieder verliere. Vielleicht ist mein Kontakt manchmal gestört, doch ich bleibe das Kind meines Vaters. Ein Kind, das leben lernt, das Beziehung übt, das hinfällt und sich und anderen immer mal wieder weh tut. Aber in der Gegenwart des Vaters schaut es ihm immer mehr ab und wird ihm dabei ähnlicher.

Es ist eine Frage der Identität: Wer bin ich?

  • Gottes geliebtes Kind? Oder immer noch der Mensch, der versucht, Gott zu genügen?
  • Lebe ich mit der Kraft und Hilfe meines Vaters? Oder strenge ich mich nach wie vor selbst an, seine Gebote zu erfüllen?
  • Lebe ich in der Gewissheit, dass mir alle Sünden vergeben sind (vergangene genauso wie zukünftige)? Oder laufe ich weiterhin mit einem schlechten Gewissen herum?
  • Weiß ich, dass Gott sich über mich freut? Oder erwarte ich immer noch von ihm Schelte und Bestrafung?

Wer Gottes Kind geworden ist, hat allen Grund zur Erleichterung, Zuversicht und Mut. Und da ich meine Tante am Anfang erwähnt habe, will ich mit ihr auch schließen: Sie hatte alle ihre Lieben verloren. Aber sie hatte Gottes neues Leben in sich und versank deshalb nicht in der Verzweiflung. Sie lebte ein reiches Leben, das sich in der Hingabe an die ärmsten Menschen in unserer Stadt verschenkte, wurde fast hundert Jahre alt und lebt nun dort, wo alle Kinder Gottes zu Hause sind: bei Gott.

Juli 6 2018

Es geht nicht nur mir ans Herz

Es geht mir ans Herz: Zwölf Teenager mit ihrem Betreuer sitzen seit dem 23. Juni in einer Höhle fest. Viele Tage völlig ohne Tageslicht, Nahrung, Kontakt zu ihren Familien – lebendig begraben mit nur einer vagen Hoffnung auf Rettung. Dann wurden sie gefunden, aber der Rettungsweg ist weiterhin ungewiss und gefährlich. Und nun hat einer ihrer Retter sein Leben für sie eingebüßt.
Das geht mir ans Herz. Die Verzweiflung und die Trauer – und auch der Hoffnungsschimmer, der schon wieder anfängt, zu verblassen. Wie halten die Kinder, ihre Eltern und Geschwister, ihre Großeltern das aus? Furchtbar!

Auch das geht mir ans Herz:

Säuglinge, Kinder und Teenager, die im Mittelmeer um ihr Leben kämpfen. Sie erblicken Schiffe, die sie retten könnten – und diese lassen sie links liegen. Ihre Mütter und Väter müssen tatenlos zusehen, während sie selbst in den Fluten ertrinken. Verzweiflung pur!
Andere Boote oder Flugzeuge, deren Besatzungen helfen wollen, werden von europäischen Regierenden festgesetzt. Und so versinken diese Menschen vor unseren Augen – nach einem kurzen Leben, das bereits mehr Leid gesehen hat als ich mit meinen 62 Jahren!

Auch Folgendes geht mir ans Herz,

und ich kann es nicht verstehen: Es gibt Menschen, die auf die Straße gehen, um das Leben Ungeborener im Mutterleib zu schützen (und das ist gut so!), aber sie verweigern Geborenen das Leben in unserer Mitte.

Nun höre ich alle Argumente, warum wir nicht die ganze Welt retten können, unser Volk schützen müssen und Hilfe in den Herkunftsländern der Flüchtlinge schaffen sollten. Alles klingt logisch und ist richtig. Doch es kann keine Antwort sein, dem Leid der Menschen mit Bösem zu begegnen. Denn das ist unsere Hilfeverweigerung: herzlos und böse! Wie kann ich als Christ so reagieren?

Nein, ich weiß keine Lösung.

Aber ich weiß, dass wir nicht gegen Gottes Wort und Willen handeln dürfen: Das ist ebenso keine Option. Wir müssen weiter Antworten suchen. Und beten, dass die Menschen in ganz Europa dem Gott der Liebe ihre Herzen öffnen. Denn dann sähe das Problem völlig anders aus.

Machen wir uns nichts vor: Heute legen wir die Basis für morgen. Wer Herzlosigkeit sät, der wird Unbarmherzigkeit und Gnadenlosigkeit ernten. Armes Europa …

Ich möchte, dass unsere Enkel in einem Europa leben können, in dem Gottes Wesen spürbar ist: Erbarmen mit den Schwachen, Hilfe für die Armen, Freiheit der Gedanken und Meinungen.

Zum Schluss möchte ich noch die Losung von heute in ihrem Zusammenhang anfügen:

„Die Witwe und den Fremden bringen sie um, die Verwaisten morden sie hin. ‚Gott sieht das nicht‘, sagen sie, ‚der Gott Jakobs merkt es nicht.‘
Ihr Dummen im Volk, denkt endlich nach! Wann werdet ihr Schwachköpfe (Entschuldigung, aber das steht hier in der Bibel) nur klug? Der das Ohr gemacht hat, sollte der nicht hören? Der das Auge schuf, sollte der nicht sehen? Der die Völker erzieht, sollte der nicht tadeln, er, der den Menschen Erkenntnis beibringt?“ (Psalm 94, 6-10)

Es geht Gott ans Herz, wenn Jugendliche in Thailand in Not geraten. Es geht Gott ans Herz, wenn Menschen im Mittelmeer elendig ertrinken. Es geht Gott ans Herz, wenn wir unsere Augen und unsere Ohren vor den Ertrinkenden und ihren Schreien verschließen.

Zur Verdeutlichung:

Hinschauen … 

(Eventuell weiterklicken auf “Videos” > Italienische Häfen)

Wer wird gerettet?

https://www.facebook.com/aerzteohnegrenzenMSF/videos/10156912508663072/

März 1 2018

Endgültig: Was am Ende gültig ist

Kurt Michel @ pixelio.de

Das ist wohl der Albtraum jedes Blogbetreibers: den eigenen Webblog endgültig zu crashen, den Zugang zu verlieren und nur noch vor einem weißen Bildschirm zu sitzen. Und dieser Albtraum wurde bei mir vor drei Tagen beinahe zur Realität.

Das ging ganz einfach. Gerade noch bastelte ich an einigen Verbesserungen herum – und im nächsten Augenblick ging nichts mehr. Njet, nada, niente … Aus und vorbei …

Ich kann euch gerne das Rezept zu solch einer Software-Katastrophe nennen: Installiert einfach (jegliche Warnung ignorierend) ein Plug-in, das mit dem System nicht übereinstimmt. Und schon habt ihr das gefürchtete Ergebnis. Die Software stürzt ab und der Server erkennt euer Passwort nicht mehr an. Er macht quasi die Tür zu und lässt euch ohne Schlüssel draußen stehen.

Wie ihr seht, bin ich aber wieder „drinnen“, und zwar so, als ob nichts passiert wäre. Das habe ich unserem jüngsten Sohn zu verdanken. Bei dem wohne ich homepagemäßig sozusagen zur Untermiete. Das heißt, mein Blog erscheint in seiner Domain, auf einer eigenen Seite. Und er konnte mir wieder den Zugang verschaffen und den Schaden beheben.

Nun wäre das alles ja eigentlich kaum eine Notiz wert, wenn es nicht beispielhaft auf eine endgültige Katastrophe hinweisen würde:

Gott hatte uns Menschen in der damals gerade neu erschaffenen Welt Lebensraum zur Verfügung gestellt, in dem wir wirken und kreativ sein durften.

Gabi Eder @ pixelio.de

Doch trotz der eindringlichen Warnung, haben wir uns für ein Plug-in entschieden, das das ganze Leben endgültig in den Sand setzte – und die Umwelt gleich mit. Statt auf Gott zu schauen und in seiner Liebe zu leben, wollten wir „Gut und Böse“ kennenlernen. Wir aßen von der Frucht, die uns das versprach – und das war der Anfang vom Ende. Das Plug-in „Böse“ ruinierte das ganze System. Und wir stehen seitdem draußen vor dem Paradies und haben weder einen Schlüssel noch sonst eine Möglichkeit, wieder hinein zu kommen.

Wäre da nicht der Sohn …

In diesem Fall der Sohn des Herstellers, des Schöpfers. Durch eigenen Einsatz hat Jesus uns den Schlüssel beschafft. Dazu musste er das Böse erst einmal besiegen, was ihm selbst Schmerzen und eigenes Sterben einbrachte. Aber er hat es geschafft, indem er wieder ins Leben zurückkam. Nun hält er uns den Schlüssel hin, damit wir ihn nehmen. Dieser Schlüssel ist das Vertrauen darauf, dass er für uns das Plug-in, die Sünde, besiegt hat und dass er allein die Lösung ist.

Jesus sagt: „Ĭch bin die Auferstehung und das Leben. Wer an mich glaubt, wird leben, auch wenn er stirbt. Und wer lebt und an mich glaubt, wird niemals sterben. Glaubst du das?“ (Johannes 11,25+26)

Als unser Sohn mir gestern Abend den Zugang zu meinem Blog wieder öffnete, habe ich innerlich gejubelt und habe sein Angebot dankend angenommen. Ich hätte auch aufgeben können und mich nicht mehr um meinen Blog kümmern können. Das wäre zwar dumm, aber für mich nicht weiter gefährlich gewesen. Doch Jesu Angebot nicht anzunehmen, sondern zu ignorieren: Damit schließen wir uns selbst vom eigentlichen Leben aus. Zeitlich – und für alle Ewigkeit. End – gültig. Und das wäre unendlich tragisch …

Februar 19 2018

Abhängigkeit

In den letzten Wochen habe ich mir oft Gedanken gemacht, was unseren Glauben von dem der Frauen  in afrikanischen Slums unterscheidet (über sie hatte ich einen Bericht gelesen).  Als Kinder unserer Zeit und Welt haben wir es schwer, in der Abhängigkeit von Gott zu leben – jene praktizieren es allein schon aus der Not heraus. Diese Afrikanerinnen sind mir zu einem Vorbild geworden – und gaben mir dadurch den Anstoß zu dem folgenden Gedicht:

Abhängigkeit

Huskyherz@pixelio.de

Freiheitsliebend, wie ich nun mal bin,
fällt mir oft das Folgen schwer.
Welch ein Adler hat so etwas im Sinn,
fliegt hoch am Himmel er daher?
Unterordnung, blindes Vertraun,
gar die Kontrolle verlier‘n?
Das liegt mir nicht, muss selber schau‘n
und alles inspizier‘n.

Rainer Sturm @ pixelio.de

Ich kauf mir, was ich brauch, im Internet
oder mach mich dort gescheit.
Amazon mit PayPal. Und Pinterest –
Wikipedia ist nie weit.
Zwickt es mich am linken dicken Zeh,
such ich Hilfe für mein Leid:
NetDoktor erklärt mir Ach und Weh,
und die Umschau weiß Bescheid.

Beziehung leb und pflege ich
angepasst an meine Zeit:
In Facebook like und poste ich;
so red ich auch per Skype.
Im Keller ist mein Fitnessraum.
Dort treibe ich den Sport.
Drum brauche ich Bewegung kaum,
fahr mit dem Opel fort.

Das Leben hier in unserer Zeit
sowie in unser‘m Weltenteil
macht frei uns von Abhängigkeit,
von Menschen, Gott und Heil.
In Armutsvierteln, Ghettos, Slums:
Da sieht das anders aus.
So mancher hat hier Gott erkannt,
und fand aus inn‘rer Not heraus.

Wo finde ich das Lebensglück – und wie?
Gekoppelt ist’s mit Gottes Hand!
‘Abhängigkeit’ heißt doch der Menschheits-Key,
und Passwort ist der ‘tiefe Dank’.
So fehlt das Lachen in der Reichenwelt,
den weisen Armen gehört es wohl.
Sie sind vermögend hier auch ohne Geld,
doch wir sind arm und seltsam hohl.

sokaeiko@pixelio.de

Drum wend‘ ich meinen Sinn zu dir,
mein Gott, und geb‘ dir ab:
Kontroll‘ gehört nicht länger mir,
die werf‘ ich gern ins Grab.
Führe du mich deinen Weg zum Ziel,
und gib mir, was ich brauch.
Ich bin zufrieden, ob karg ob viel –
um and’re kümmer ich mich auch.

Als Adler schwebt‘ ich einst daher,
so stolz und unabhängig.
Ich suchte Glück und auch viel Ehr –
doch: Leben ist vergänglich.

Heut’ werde ich gern getragen
von Gottes starken Schwingen.
Ewig möcht‘ ich davon sagen
und Jubel-Lieder singen.

Eleonore Schmitt

Februar 14 2018

Warum eigentlich?

Glaubens-Fragen

Ihr glaubt an Fortschritt und an Wahlversprechen,
ihr glaubt der Werbung jedes Wort,
ihr glaubt dem Börsenkurs
trotz aller Wirtschafts-Schwächen,
ihr glaubt, das Glück wohnt nur am fremden Ort,
ihr glaubt an das vorausgesagte schöne Wetter,
obwohl es regnet fort und fort,

Rudis Fotoseite.de / pixelio.de

glaubt, was die Morgen- und die Abendblätter
in ihren schrecklichen Geschichten
euch aus der ganzen Welt berichten,
und in der Kunst,
da glaubt ihr an den größten Schrott.

Warum nur, sagt mir,
glaubt ihr nicht an Gott?

(Elli Michler)

Jeder Mensch glaubt an etwas. Und unser Glaube ist – ob wir das wollen oder nicht – die Basis unseres Seins und unseres Handelns:

• Kaum erwähnt der Nachrichtensprecher die heranrollende Grippewelle, da ziehen wir den Kopf ein und kaufen Vitamine, deren Wirkungsweise höchst umstritten ist. Wir starren auf die Viren und verlieren uns in der Sorge um unsere Gesundheit. Wir glauben den Panikmachern – und vertrauen ihnen unsere Vorsorge an.

Thommy-Weiss_pixelio.de

• Da verkünden uns Ideologen, dass Kinder klug werden, wenn sie möglichst früh in die Krippe oder die Kita kommen. Dass frühkindliche Bindung an die Eltern aber nicht nur Bildung, sondern auch seelische Gesundheit fördert, wird abgetan als mittelalterliches Märchen. Wir glauben den Meinungsmachern – und vertrauen ihnen unsere Familie an.

• Schon die staunende Antwort entlarvt den Karriereglauben: „Was, du arbeitest nicht?“ Sind denn die Betreuung der eigenen Kinder oder unserer Eltern und das Ehrenamt keine Tätigkeiten, die zwar Mühe machen, jedoch großen Wert haben? Wir glauben den sozialen Trendsettern – und vertrauen ihnen unsere Gesellschaft an.

Wir begeben uns durch unseren Glauben in Abhängigkeiten

und verlieren wie echte Sklaven unsere Freiheit. Wie werde ich aber immun gegen alle diese Stimmen, die mein Leben regeln wollen? Nur durch einen Glauben an jemanden, der es ausnahmslos gut mit mir meint: an Jesus Christus, der selbstlos liebt. Seine Worte (s. Bibel) ermutigen, fördern und stärken. Wer sich an sie hält, wird frei und unabhängig.

Da passt die Losung (bzw. der Lehrtext) für heute:

„Wenn ihr bei dem bleibt, was ich euch gesagt habe, seid ihr wirklich meine Jünger. Dann werdet ihr die Wahrheit erkennen, und die Wahrheit wird euch frei machen.“
Johannes 8,31 + 32

Die Frage von Elli Michler bleibt: „Warum nur glaubt ihr nicht an Gott?“
Ja, warum vertrauen wir uns nicht mit Haut und Haar, mit Geist und Seele ihm an und erleben, dass die Abhängigkeit von ihm unser eigentliches Glück bedeutet?

Februar 12 2018

Elli Michler wäre heute 95 Jahre geworden

Wie kommt es, dass wir vor etwa 2 Jahrzehnten genau in die Stadt zogen, wo zwei meiner Lieblingsschriftstellerinnen geboren wurden?

• Agnes Sapper: Schon als Kind liebte ich ihr Buch „Die Familie Pfäffling“. Der Folgeband „Werden und Wachsen“ faszinierte mich nicht weniger. Als ich erwachsen war und ihre Biographie über ihre Mutter „Frau Pauline Brater“ las, entdeckte ich, dass so manch eine Idee ihrer Romane aus ihrem eigenen Leben stammte. Interessant war auch, dass ihr Vater die „Süddeutsche Zeitung“ gründete.

• Elli Michler: Sie wurde im selben Jahr wie mein Vater und Schwiegervater geboren: 1923. Meine Mutter kam ein Jahr später auf die Welt. Wundert es da, dass sich ihre Jugendjahre glichen? Denn die damalige Zeit hatte nicht viel übrig für individuelle Wünsche und Lebensführungen. Viele junge Frauen mussten ihre Ausbildung oder die Schule ohne Abschluss beenden und fanden sich für Jahre in „kriegswichtigen“ Fabriken wieder. Oft wechselten sich die Langeweile der äußerst eintönigen Arbeit mit furchtbarer Angst vor Bombenangriffen ab. Ob in Wuppertal oder Würzburg: Die Jugendlichen erlebten hautnah die Bombardierung ihrer Geburtsstadt, die völlige Zerstörung ihrer Heimat. Feuerwalzen rollten durch die Innenstädte, der dadurch kochende Teer verhinderte vielfach die Flucht und bot Tage danach den Menschen, die ihre Angehörigen in den Ruinen suchten, ein grausiges Bild. Es war deutsche Schuld, die da auf unsere Eltern zurückfiel.

Aber die jungen Frauen gaben nicht auf. Zusammen mit anderen baute Elli Michler die Würzburger Universität wieder auf. Dabei lernte sie ihren späteren Ehemann kennen und lieben. Sie schlossen ihr Studium ab, heirateten und bekamen eine Tochter. Aus beruflichen Gründen verließen sie Unterfranken in Richtung Hessen. Dort pflegte Elli Michler später ihre Eltern bis zu deren Tod.

Erst mit 55 Jahren veröffentlichte sie ihre Gedanken in Gedichtform. Lebenserfahrung spiegelt sich in ihnen wider: Werte, die sie getragen und ihr geholfen haben. So handeln ihre Gedichte oft von Vertrauen, Hoffnung und Mut und weisen hin auf die Liebe, die reiches Leben erst möglich macht.

Im Jahr 2010 erhielt Elli Michler das Bundesverdienstkreuz für ihre lyrische Arbeit. Am 18. November 2014 starb sie im gesegneten Alter von 91 Jahren. Doch wenn ich ihre Gedichte richtig verstehe, dann ist das Sterben für sie ein Heimgehen zu der Liebe gewesen, von der sie im Leben getragen wurde und die ihr Sinn und Hoffnung gegeben hat.

Alles wandelt die Zeit.
Was am Gewesenen wesentlich war, entfernt sich nicht weit,
weil der Wind nur das Leichte und Flüchtige treibt.
Das Gewichtige widersteht ihm und bleibt.
Elli Michler

Januar 17 2018

Wie entsteht Frieden?

Dieter Schütz @ pixelio.de

„Geschichte“ ist für viele Schüler ein Synonym für Langeweile. Ich weiß noch, dass dieses Fach lange Zeit keinerlei Relevanz für mein Leben hatte. Ob nun „7-5-3: Rom schlüpft aus dem Ei“ oder „3-3-3: bei Issos Keilerei“ – das alles waren für mich tote Fakten und deshalb uninteressant.

Geschichte wurde für mich bedeutsam, als sie mir näher rückte. Plötzlich lernten wir eine Zeit kennen, die meine Großeltern und meine Eltern erlebt hatten. Und ich hörte deren eigenen Schilderungen. „Geschichte“ stellte quasi das Skelett dar, während die Erzählungen es zum lebendigen Wesen machte. Und dieses Wesen ist es, das uns und unser Volk nachhaltig prägt. Deshalb ist es entscheidend, die persönlichen Erlebnisse immer wieder zu Wort kommen zu lassen, damit unsere Nachkommen ebenfalls die Chance haben, ihre Gesellschaft weise und gut zu gestalten.

Eine solche Erfahrung möchte ich hier weitergeben. Sie begann während des Zweiten Weltkrieges. Es war unser Volk, das Holland besetzte und dort grauenvolles Leid anrichtete. Da, wo wir heute Urlaub genießen, haben unsere Vorfahren ihre teuflische Ideologie ausgelebt: Juden wurden zusammengetrieben und vernichtet.

Und wehe den Niederländern, die ihnen halfen. Sie wurden rücksichtslos hingerichtet wie der Vater der kleinen A.: Einfach durch einen Genickschuss getötet. Urplötzlich war eine junge Frau Witwe und das Mädchen, das noch ein Baby war, lernte ihren Vater nie kennen.

Ich bin A. erst später begegnet. Sie hatte einen langen Lebensweg hinter sich, voller Hass gegen uns Deutsche. Auch als sie Christin wurde, hat sich das nicht so schnell geändert. Langsam, im Laufe der Zeit, erkannte sie, dass Jesus sie innerlich nur dann von diesem Leid heilen konnte, wenn sie den Deutschen vergab. Heute reist sie durch Deutschland und hilft, dass unserem Volk Gottes Güte bekannt gemacht wird.

Ähnlich wie sie haben andere holländische Christen bereits direkt nach dem Krieg ihren Groll auf uns beiseitegelegt. Sie richteten für deutsche Kinder ein Freizeitheim her, damit diese in den Ferien von Gott hörten.

Sabine Meyer @ pixelio.de

Dadurch erlebte ich in den 60-ger Jahren jeden Sommer drei herrliche Wochen – und fand dort Jesus Christus als meinen Erlöser. Vielen anderen Kindern erging es ähnlich. Und eine ganze Anzahl von ihnen wurde Pastor oder MissionarIn – oder wie ich eine „nichtamtliche“ Christin, die genauso an Gottes Reich baute.

Warum erzähle ich das? Damit wir aus der Geschichte lernen. Denn immer, wenn ein Volk gütig zu seinen Feinden ist, wächst daraus etwas Gutes. Auch die Amerikaner haben uns nach dem Krieg mit Care-Paketen geholfen. Während viele von ihren jungen Männern ermordet in der europäischen Erde lagen oder körperlich und seelisch behindert zurück in ihre Heimat kehrten, schickten sie uns Seife, Waschmittel, Mehl oder anderes, was wir zum Leben brauchten.

Im Jahr 2015 hat unsere Bundeskanzlerin ähnlich gehandelt: Sie entschied, dass zehntausende Flüchtlinge in unserem Land Asyl finden durften. Dafür ist Frau Merkel oft gescholten worden. Ein Argument lautet nach wie vor: Wir haben nicht genug für uns alle. Sonderbar ist allerdings, dass ausgerechnet Deutschland heute wirtschaftlich besser dasteht, als es uns prognostiziert wurde – und besser als unsere europäischen Nachbarn. Und wie viele arabische Mitbürger haben bereits Jesus als ihren Erlöser gefunden!

Wir sollten nicht ohne Gott rechnen, weder in unserem persönlichen Leben, in der Familie noch in unserer Gesellschaft. Lernen wir von den mutigen Christen überall auf der Welt, indem wir ohne Wenn und Aber Gottes Liebe verschenken – an Freund und Feind. Das ist der sicherste Weg, dass auch die nächsten Generationen Frieden erleben werden.