Juni 30 2015

Gottes Weite

Angina pectoris – die Enge des Herzens

Neulich bei Rewe: Eine Frau zieht nach dem Bezahlen mit ihrem gut gefüllten Einkaufswagen gen Parkplatz. Bei ihrem PKW angekommen, packt sie die Einkäufe in den Kofferraum. Beim letzten Teil stutzt sie. Der Weichspüler lag so versteckt hinter ihrer Tasche, dass bei ihr der Verdacht aufkeimt, ob sie ihn vorher überhaupt auf das Band gelegt hatte? Sie kramt den Kassenbon hervor und geht die einzelnen Artikel durch – er ist nicht zu finden.

uschi dreiucker / pixelio.de
uschi dreiucker / pixelio.de

Was nun? Die Faulheit flüstert ihr ein: »Extra dafür zurückzugehen lohnt sich doch kaum!« Auch die Zeitnot zischt: »Die 10 Minuten kannst du dir sparen!« Nicht zuletzt grinst die Gelegenheit sie an: »Hat ja keiner gemerkt. Ist ein echtes Geschenk!«
Schließlich warnt eine weitere Stimme: »Der Weichspüler gehört dir nicht!« Da schnappt die Frau sich die Flasche Lenor und ihr Portemonnaie und marschiert zur Kasse zurück. Dort staunt die Kassiererin nicht schlecht …
Nun frag ich mich: Empfindet die Frau vielleicht ein wenig zu eng? Sollte sie solch eine Angelegenheit nicht weitherziger angehen?
Heute Morgen habe ich etwas Interessantes gelesen: »Ich laufe den Weg, den deine Gebote, Gott, weisen. Denn dazu schenkst du mir ein weites Herz.« (Psalm 119,32)
Der hat ein weites Herz, dessen Gewissen ihn in die Schranken weist? So eine Aussage käme uns in unserer heutigen Zeit kaum in den Sinn. Ich las weiter und dann verstand ich: »Lege mir deine Vorschriften ans Herz und nicht den Wunsch nach Gewinn!« (Vers 36)
Wer sich an Gott bindet, der wird mehr und mehr frei von Gewinnsucht, von Ehrsucht oder Machtgehabe. Der wird Gottes Gebote umsetzen, da er sie nicht zu unserer Einschränkung erlassen hat. Nein, im Gegenteil: Sie befreien uns von uns selbst und von dem Druck, den andere Menschen auf uns ausüben möchten. Sie erlösen uns von menschlicher Gesetzlichkeit genauso wie von dem Diktat der gerade vorherrschenden Meinung.

hamma / pixelio.de
hamma / pixelio.de

So wie bei Angina Pectoris das Nitroglycerin die Enge nimmt, so entkrampft mich die Abhängigkeit von Gott. Denn seine Gesetze gehören zu unserer Welt wie alle übrigen von ihm erdachten Gesetzmäßigkeiten. So hat der Schöpfer mit viel Voraussicht die physikalischen Regeln ausgeklügelt: Die Erdanziehung z. B. besteht seit Anfang der Welt und wird erst mit ihr selbst untergehen.
Warum sollte Gott die Gebote, die er entsprechend in seine Schöpfung gelegt hat, weniger durchdacht und auf Dauer angelegt haben? Sie gründen die menschliche Gemeinschaft und lassen sich nicht aushebeln, ohne dass wir Schaden nehmen. Ob sie uns nun gefallen oder nicht. Ob wir sie nachvollziehen können oder nicht. Auch beim Blinddarm dachte man lange, er sei eine nutzlose Angelegenheit, bis man seine Funktion im Immunsystem erkannte. Ähnlich kann es mit manchen Geboten sein, bei denen uns das Verständnis fehlt. Vielleicht mangelt es uns einfach an Durchblick?
Deshalb will ich Vers 15 ernst nehmen: »Über deine Anweisungen will ich nachdenken und auf die Pfade schauen, die du empfiehlst.«



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Veröffentlicht30. Juni 2015 von Eleonore Schmitt in Kategorie "Allgemein

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