Wie entsteht Frieden?

Dieter Schütz @ pixelio.de

„Geschichte“ ist für viele Schüler ein Synonym für Langeweile. Ich weiß noch, dass dieses Fach lange Zeit keinerlei Relevanz für mein Leben hatte. Ob nun „7-5-3: Rom schlüpft aus dem Ei“ oder „3-3-3: bei Issos Keilerei“ – das alles waren für mich tote Fakten und deshalb uninteressant.

Geschichte wurde für mich bedeutsam, als sie mir näher rückte. Plötzlich lernten wir eine Zeit kennen, die meine Großeltern und meine Eltern erlebt hatten. Und ich hörte deren eigenen Schilderungen. „Geschichte“ stellte quasi das Skelett dar, während die Erzählungen es zum lebendigen Wesen machte. Und dieses Wesen ist es, das uns und unser Volk nachhaltig prägt. Deshalb ist es entscheidend, die persönlichen Erlebnisse immer wieder zu Wort kommen zu lassen, damit unsere Nachkommen ebenfalls die Chance haben, ihre Gesellschaft weise und gut zu gestalten.

Eine solche Erfahrung möchte ich hier weitergeben. Sie begann während des Zweiten Weltkrieges. Es war unser Volk, das Holland besetzte und dort grauenvolles Leid anrichtete. Da, wo wir heute Urlaub genießen, haben unsere Vorfahren ihre teuflische Ideologie ausgelebt: Juden wurden zusammengetrieben und vernichtet.

Und wehe den Niederländern, die ihnen halfen. Sie wurden rücksichtslos hingerichtet wie der Vater der kleinen A.: Einfach durch einen Genickschuss getötet. Urplötzlich war eine junge Frau Witwe und das Mädchen, das noch ein Baby war, lernte ihren Vater nie kennen.

Ich bin A. erst später begegnet. Sie hatte einen langen Lebensweg hinter sich, voller Hass gegen uns Deutsche. Auch als sie Christin wurde, hat sich das nicht so schnell geändert. Langsam, im Laufe der Zeit, erkannte sie, dass Jesus sie innerlich nur dann von diesem Leid heilen konnte, wenn sie den Deutschen vergab. Heute reist sie durch Deutschland und hilft, dass unserem Volk Gottes Güte bekannt gemacht wird.

Ähnlich wie sie haben andere holländische Christen bereits direkt nach dem Krieg ihren Groll auf uns beiseitegelegt. Sie richteten für deutsche Kinder ein Freizeitheim her, damit diese in den Ferien von Gott hörten.

Sabine Meyer @ pixelio.de

Dadurch erlebte ich in den 60-ger Jahren jeden Sommer drei herrliche Wochen – und fand dort Jesus Christus als meinen Erlöser. Vielen anderen Kindern erging es ähnlich. Und eine ganze Anzahl von ihnen wurde Pastor oder MissionarIn – oder wie ich eine „nichtamtliche“ Christin, die genauso an Gottes Reich baute.

Warum erzähle ich das? Damit wir aus der Geschichte lernen. Denn immer, wenn ein Volk gütig zu seinen Feinden ist, wächst daraus etwas Gutes. Auch die Amerikaner haben uns nach dem Krieg mit Care-Paketen geholfen. Während viele von ihren jungen Männern ermordet in der europäischen Erde lagen oder körperlich und seelisch behindert zurück in ihre Heimat kehrten, schickten sie uns Seife, Waschmittel, Mehl oder anderes, was wir zum Leben brauchten.

Im Jahr 2015 hat unsere Bundeskanzlerin ähnlich gehandelt: Sie entschied, dass zehntausende Flüchtlinge in unserem Land Asyl finden durften. Dafür ist Frau Merkel oft gescholten worden. Ein Argument lautet nach wie vor: Wir haben nicht genug für uns alle. Sonderbar ist allerdings, dass ausgerechnet Deutschland heute wirtschaftlich besser dasteht, als es uns prognostiziert wurde – und besser als unsere europäischen Nachbarn. Und wie viele arabische Mitbürger haben bereits Jesus als ihren Erlöser gefunden!

Wir sollten nicht ohne Gott rechnen, weder in unserem persönlichen Leben, in der Familie noch in unserer Gesellschaft. Lernen wir von den mutigen Christen überall auf der Welt, indem wir ohne Wenn und Aber Gottes Liebe verschenken – an Freund und Feind. Das ist der sicherste Weg, dass auch die nächsten Generationen Frieden erleben werden.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

* Die Checkbox für die Zustimmung zur Speicherung ist nach DSGVO zwingend.

Ich stimme zu.