Die Seele baumeln lassen

Rainer Sturm / pixelio.de
Rainer Sturm / pixelio.de

Sommer, Sonne, Seele baumeln lassen. Das ist meine Hoffnung für diese Jahreszeit. Sie gleicht einer geheimen Wunschliste, die ich Jahr für Jahr neu schreibe, obwohl die Vergangenheit da Vorsicht gelehrt hat.

Voll Vorfreude auf den Urlaub tippe ich in meine Wetter-App unseren Ferienort ein und sehe gespannt auf die Symbole. Sofort stellt sich die Ernüchterung ein: Graue Wolken und Regentropfen (nicht nur einer, sondern drei!) erscheinen auf dem Display.

O. k., die Sonne streiche ich von meiner Liste. Bleiben Sommer und Seele-baumeln-lassen. Denn auch warmer Regen hat ja was. Mein Blick gleitet zur Temperaturvorhersage: 18° – 20°C Höchsttemperatur …

Ist jetzt unser Urlaub schon vorbei,

bevor er begonnen hat? Nein, das lasse ich nicht zu. Das wichtigste Element bleibt uns ja noch: Die Seele baumeln lassen.

Und dazu gibt es eine Reihe Angebote: Wellness, Tee bei Kerzenschein, Käseplatte mit Rotwein, ein gutes Buch, durch den regennassen Wald streifen oder ins Kino gehen.

Tragisch ist nur, dass mir das Seele-baumeln-lassen trotz aller Hilfsangebote oft nicht gelingt. Selbst wenn die Sonne vom wolkenlosen Himmel scheint und leichter Wind mir Erfrischung bietet: Mir fehlt die innere Fähigkeit, meine Seele baumeln zu lassen. Stattdessen tummeln und streiten sich in meinem Geist Träume, Ideale und Befürchtungen. Wie um alles in der Welt soll meine Seele da befreit schaukeln wie ein Kind, das selbstvergessen auf- und abschwingt?!

Simone Hainz / pixelio.de
Simone Hainz / pixelio.de

Alles, was baumelt, hängt frei, das ist bei der Seele nicht anders. Und da fangen bereits meine Schwierigkeiten an. Ich müsste ja meine Seele loslassen und nicht an mich binden, damit sie schwingen kann! Und schlimmer noch: Ich brauche einen Fixpunkt außerhalb von mir, an den ich meine Seele aufhänge. Und dann einfach loslassen … Zugegeben, die Vorstellung ist skurril. Doch entspricht sie nicht trotzdem der Wahrheit?

Ich brauche einen absolut sicheren Halt, bei dem ich weiß, dass er trägt. Denn meine Seele vertraue ich keiner fragwürdigen Macht an. Es muss eine Macht sein, die es ganz und gar gut mit mir meint und stärker als alles andere ist. Und diese gütige wie gewaltige Macht habe ich gefunden: Gott – in Jesus Christus.

Das ist meine Lebenserfahrung nach all den Jahrzehnten,

die ich nun auf diesem Erdball lebe: Da, wo ich mich Jesus anvertraut habe und meine eigenen Vorstellungen in seinen Willen legte, da bekam ich Frieden. Da kam ich zur Ruhe. Die Seele fing an zu baumeln … Was für eine Erholung im Sommer wie im Winter. Welche Freude im Angesicht von Unsicherheiten. Zu wissen, dass er es schon richtig – und gut – machen wird, selbst wenn meine Hände gebunden sind, lässt mich zufrieden in die Zukunft schauen.

So sagt nun der Herr: »Weil er mit ganzer Liebe an mir hängt, will ich ihn befreien; ich hole ihn heraus aus der Gefahr, denn er kennt meinen Namen. Wenn er zu mir ruft, werde ich ihm antworten. In Zeiten der Not stehe ich ihm bei, ja, ich reiße ihn heraus und bringe ihn zu Ehren. Ich schenke ihm ein erfülltes und langes Leben und zeige ihm, wie ich Rettung schaffe.« (Ps. 91,14-16; NGÜ)