Ich bin eine Blumenvase

Etwa einmal in der Woche gehe ich mit einer Freundin spazieren. Ja, man könnte es auch eine 1½-stündige Wanderung nennen: Vorbei an einem idyllischen Bachlauf, durch Wiesen und Felder bis auf eine Anhöhe, von der aus wir über ganz Würzburg schauen können. Herrlich!

Alles dabei tut mir gut: die Natur in ihrem stetigen Wandel zu erleben wie auch unsere tiefgehenden Gespräche. Es gibt da nur einen Wermutstropfen, der aber auch sonst mein Leben ein bisschen beschwert: freilaufende Hunde.

Karl Dichtler @ pixelio.de

Seit ich denken kann, sind mir diese Vierbeiner nicht geheuer. Das hat verschiedene Gründe, und es gab auch schon viele gute Ratschläge, wie ich diese Angst überwinden kann. Nur: Nichts davon hilft. Manches ist sogar kontraproduktiv, genauso wie die gut gemeinte Aussage des Hundebesitzers: „Der tut nichts!“, während mich das kalbsgroße Tier schwanzwedelnd anspringt. Nein, der Hund selbst tut mir nichts, denn für den Beinahe-Herzinfarkt ist ja meine eigene Panik verantwortlich …

Während unserer Wanderungen treffen wir dann und wann auch auf solche vierbeinigen Geschöpfe. Meine Freundin rastet dann beinahe vor Freude aus, krault sie und unterhält sich liebevoll mit ihnen, während ich zusehe, dass genug Abstand zwischen uns entsteht und sich vielleicht eine Fluchtmöglichkeit auftut.

Irgendwann einmal

hat mich meine Wandergenossin in das Geheimnis einer entspannten Beziehung zwischen Mensch und Hund eingeführt. Wenn ich keinen Kontakt mit Hunden haben möchte, müsse ich mit ihnen umgehen wie mit einer Blumenvase: einfach nicht weiter beachten. Dann würden die mich auch in Ruhe lassen.

Ich versuchte es eine Woche lang. Aber das half mir nicht wirklich. Bei unserem nächsten Gespräch gab ich ihr zu bedenken: Schön und gut, dass die Hunde für mich eine Blumenvase sein sollen. Aber was hilft es, wenn die Hunde sich selbst nicht als solche sehen und mich anfallen?
Ihre Antwort: „Eleonore, du bist für die doch auch nicht mehr als eine Blumenvase – völlig uninteressant, so lange du sie nicht beachtest!“

Rainer Sturm @ pixelio.de

Das war mein Durchbruch in Sachen Hundeangst! Wenn mir heute ein freilaufender Hund entgegenkommt, schaue ich weg und denke: Ich bin nur eine Blumenvase für ihn. Und was soll ich sagen? Kein Hund interessiert sich mehr für mich 🙂

Heute Morgen las ich in der Bibel eine ähnliche Geschichte. Und zwar im Römerbrief. Dort geht es nicht um Hunde, sondern um die Sünde, die uns tatsächlich anspringen und verschlingen will. Paulus gibt uns den Rat: Du bist für sie langweilig wie eine Blumenvase … Er nennt es: „Für die Sünde sind wir tot“.

Es ist eine Frage meiner Identität.

Wer bin ich? Zugegeben, bei den Hunden tue ich nur so, als sei ich eine wandelnde Blumenvase. Aber was die geistliche Realität angeht, so bin ich tatsächlich der Sünde gestorben. Paulus erklärt das mit unserer Taufe: Wie wir im Wasser untergetaucht wurden – quasi ins Grab gelegt wurden – so sind wir der Sünde gestorben. Durch das Auftauchen sind wir mit Jesus wieder lebendig geworden und leben seitdem für ihn. Tot für die Sünde, lebendig für Gott.

Praktisch kann das so aussehen: Da klopft das Lästermaul bei mir an, aber ich bin nicht da. Denn ich lebe dort, wo man Förderndes sagt. Da will das Selbstmitleid mir die Tür einrennen, aber es gibt gar keine Tür mehr, da ich neu gebaut habe und in einem Haus der Versöhnung lebe. Da will der Zorn über unfähige Verkehrsteilnehmer über mich herfallen. Aber auf dem Fahrersitz sitzt nicht mehr die cholerische Eleonore, sondern eine segnende Fahrerin.

Für die Hunde bin ich eine langweilige Blumenvase, für die Sünde bin ich mausetot und für Gott lebe ich pumperlebendig. Ich gebe zu, dass ich mich immer noch in der Übungsphase befinde. Doch sie macht schon einen echten Unterschied!

Siehe Römer 6,1-11