Warum eigentlich?

Glaubens-Fragen

Ihr glaubt an Fortschritt und an Wahlversprechen,
ihr glaubt der Werbung jedes Wort,
ihr glaubt dem Börsenkurs
trotz aller Wirtschafts-Schwächen,
ihr glaubt, das Glück wohnt nur am fremden Ort,
ihr glaubt an das vorausgesagte schöne Wetter,
obwohl es regnet fort und fort,

Rudis Fotoseite.de / pixelio.de

glaubt, was die Morgen- und die Abendblätter
in ihren schrecklichen Geschichten
euch aus der ganzen Welt berichten,
und in der Kunst,
da glaubt ihr an den größten Schrott.

Warum nur, sagt mir,
glaubt ihr nicht an Gott?

(Elli Michler)

Jeder Mensch glaubt an etwas. Und unser Glaube ist – ob wir das wollen oder nicht – die Basis unseres Seins und unseres Handelns:

• Kaum erwähnt der Nachrichtensprecher die heranrollende Grippewelle, da ziehen wir den Kopf ein und kaufen Vitamine, deren Wirkungsweise höchst umstritten ist. Wir starren auf die Viren und verlieren uns in der Sorge um unsere Gesundheit. Wir glauben den Panikmachern – und vertrauen ihnen unsere Vorsorge an.

Thommy-Weiss_pixelio.de

• Da verkünden uns Ideologen, dass Kinder klug werden, wenn sie möglichst früh in die Krippe oder die Kita kommen. Dass frühkindliche Bindung an die Eltern aber nicht nur Bildung, sondern auch seelische Gesundheit fördert, wird abgetan als mittelalterliches Märchen. Wir glauben den Meinungsmachern – und vertrauen ihnen unsere Familie an.

• Schon die staunende Antwort entlarvt den Karriereglauben: „Was, du arbeitest nicht?“ Sind denn die Betreuung der eigenen Kinder oder unserer Eltern und das Ehrenamt keine Tätigkeiten, die zwar Mühe machen, jedoch großen Wert haben? Wir glauben den sozialen Trendsettern – und vertrauen ihnen unsere Gesellschaft an.

Wir begeben uns durch unseren Glauben in Abhängigkeiten

und verlieren wie echte Sklaven unsere Freiheit. Wie werde ich aber immun gegen alle diese Stimmen, die mein Leben regeln wollen? Nur durch einen Glauben an jemanden, der es ausnahmslos gut mit mir meint: an Jesus Christus, der selbstlos liebt. Seine Worte (s. Bibel) ermutigen, fördern und stärken. Wer sich an sie hält, wird frei und unabhängig.

Da passt die Losung (bzw. der Lehrtext) für heute:

„Wenn ihr bei dem bleibt, was ich euch gesagt habe, seid ihr wirklich meine Jünger. Dann werdet ihr die Wahrheit erkennen, und die Wahrheit wird euch frei machen.“
Johannes 8,31 + 32

Die Frage von Elli Michler bleibt: „Warum nur glaubt ihr nicht an Gott?“
Ja, warum vertrauen wir uns nicht mit Haut und Haar, mit Geist und Seele ihm an und erleben, dass die Abhängigkeit von ihm unser eigentliches Glück bedeutet?

Mit dem Kopf durch die Wand

Jeger@pixelio.de
Jeger@pixelio.de

Vor fast 40 Jahren habe ich sie bekommen …

… und genau so lange habe ich mit ihr gerungen: Einerseits umgarnte ich sie und hoffte auf ihre Gnade, andererseits verwünschte ich sie innerlich, weil sie mich in den Wahnsinn trieb. Durch ihre störrische Art stachelte sie meine cholerische Seite immer wieder an, lehrte mich aber gleichzeitig Geduld.

Beinahe hätte ich sie zum alten Eisen geworfen, als mir eine Neue angeboten wurde: Deren Leichtigkeit imponierte mir. Sie versprach, dass alles nun unkomplizierter und wie am Schnürchen klappen würde.

So startete ich voller Hoffnung einen Versuch – der sich zur wahren Versuchung meiner hart errungenen Geduld entpuppte: Die Neue war weder hilfreicher noch weniger stur. Da blieb ich doch lieber meiner Alten treu, denn sie war all die Jahre bei mir geblieben und hatte stets bewiesen: Mit ihr klappt es zwar nicht optimal, aber immerhin beständig. Ach, meine gute, alte Nähmaschine …

Einen Tag nach dieser letzten missglückten Handarbeit unterhielt ich mich mit unserer Tochter über den Versuch, ein paar Kissen zu schneidern.

Tony Hegewald @ pixelio.de
Tony Hegewald @ pixelio.de

Bloß zwei Fragen stellte sie mir: Hattest du die passende Nadel genommen? Und hattest du die entsprechende Stichart gewählt? Bei Jersey …

Oh, da habe ich wohl verwechselt, wer stur ist: Nicht die Nähmaschine, sondern ich war starrsinnig! Obwohl es offensichtlich war, dass es nicht klappte, habe ich es fortwährend auf dieselbe Weise versucht. Sinnlos immer wieder neu probiert, quasi mit dem Kopf durch die Wand! Heraus kamen nur Frust und ein zweitklassiges Ergebnis.

Für echte Nähprofis mag mein Verhalten unverständlich sein, da sie sofort gewusst hätten, was angesagt ist. Aber meine Fähigkeiten liegen eher im Reparieren einer Nähmaschine als im Benutzen derselben.

Ich habe mich gefragt, ob ich nur beim Nähen so dickköpfig bin?

Hole ich mir nur in dieser Disziplin innere Blessuren, weil ich es partout auf meine Art machen will? Ich fürchte: Nein! Situationen, in denen etwas nicht so funktioniert, wie ich es gerne hätte, machen mich kribbelig. Am liebsten hätte ich sie schon gestern erledigt und geklärt. Und nach wie vor würde ich stets mit dem Kopf zuerst durch die Wand rennen, hätte ich nicht doch ein bisschen Lebenserfahrung gesammelt: Bete erst einmal – und dann sieh, wie Gott die Bahn ebnet.

Genau an diesem Punkt erlebe ich die meisten Wunder. Fast immer, wenn ich ohnmächtig vor einer Situation stehe, meine Machtlosigkeit Gott gegenüber eingestehe und um seine Hilfe bitte, greift er ein. Wie oft bin ich erstaunt, weil sich plötzlich und auf wunderbare Art der Knoten löst.

Auf diese Weise …

… hat der Pflegesohn einer befreundeten Familie einen Kindergartenplatz bekommen, obwohl es keinen mehr gab.

…. wurde unsere Tochter damals eingeschult, obgleich ihr die Schulärztin wegen mangelnder Zentimeter ein ‚o. k.‘ nicht geben wollte (warum bloß tat sie es doch?).

… bekamen wir bei allen Umzügen eine Wohnung, wie wir sie nicht besser hätten finden können.

… löste sich der Streitfall zwischen zwei Bekannten wie eine Seifenblase in Luft auf.

… besserte sich die Legasthenie eines Nachhilfeschülers schlagartig.

… und, und, und …

Inzwischen frage ich mich in entsprechenden Situationen: „Habe ich die Macht, selber etwas zu tun?“ Lautet die Antwort: „Nicht wirklich …“, dann lege ich den Fall zu Gottes Akten mit dem Vermerk: „Ich kann’s nicht!“ Und sogar wenn ich etwas ausrichten kann, bete ich erst einmal. Anschließend gehe ich die Sache an oder schaue gelassen zu, wie Gott die Angelegenheit löst.

naehmaschineNur bei der Nähmaschine, da reagiere ich noch recht kindisch und hole mir keine Hilfe, sondern versuche trotzig, meinen Willen durchzusetzen. Aber vielleicht lerne ich auch hier eines Tages, dass ich mir und meiner Umwelt diesen Stress ersparen kann.

Wimmelbilder

Vor ein paar Tagen haben uns unsere Enkel besucht. Hei, was spielte sich hier für ein Leben ab! Zusammen mit einigen Nachbarskindern sausten sie mit ihren Rollern über den Platz zwischen den Häusern. Die zwei Kleinsten benutzten Bobbycars und demonstrierten ihr unterschiedliches Wesen: Während der eine geradewegs auf das Ziel zuhielt, musste die andere alles im Blick behalten und fuhr dabei gefährliche Schlangenlinien. Die Großen legten es auf Beinahe-Unfälle an und übten Slalomfahren. Natürlich alles mit Tempo und viel Gejohle … Jeder, wie es ihm entsprach.

photo_2016-08-12_09-31-46Ich glaube, Gott liebt Wimmelbilder. Schon während der Schöpfung dieser Welt sagte er über die Fische und Vögel: „Es wimmle eine Vielfalt von Arten!“ Einerlei, Gleichmacherei und Gleichschritt sind eine Erfindung der Menschen. Wir legen gerne fest, welche „Kragenweite“ gerade in ist und ob heute Mini oder Maxi getragen wird. Meinungsfreiheit wird seltsamerweise durch die Parole „Toleranz“ schnell zum Diktat:

twinlili@pixelio.de
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Wehe, ich denke anders als das Gros der Gesellschaft! Und vom Diktat ist es nur ein kleiner Schritt zur Diktatur: Plötzlich bestimmen Minderheiten unsere Moral und lassen keine weitere Meinung zu.

Vielfalt? Wir Erdenbewohner haben zwar die Evolution als Erklärungsmodell für Gottes Schöpfung erfunden: Aus wenigem soll sich viel entwickelt haben. Tatsächlich hat aber der Mensch durch sein Verhalten von Anfang an dafür gesorgt, dass es eine rückwärts gerichtete Evolution gibt: Aus einer ehemals unendlich facettenreichen Natur sterben immer mehr Arten aus.

Gott ist anders als wir Menschen. Sogar seine ethische Ordnung lässt großen Spielraum für unsere Lebensgestaltung. Gerade mal in zwei Geboten fasst er seinen Willen zusammen:
1) Liebe Gott von ganzem Herzen, ganzer Seele, ganzem Verstand und ganzer Kraft.
2) Liebe deinen Mitmenschen so, wie du dich selbst liebst.

Wir sollen den Gott lieben, der selber uns Menschen unermesslich liebt! Weshalb sonst ist er einer von uns geworden, hat mit uns Menschen gelebt und uns gezeigt, wie barmherzig er ist? Er litt für uns, um unsere Schuld zu sühnen! Er starb, nicht weil wir Gerechte waren, sondern weil wir seine Feinde waren. Und manch einer ist das auch heute noch. Doch Gott lässt sich von seiner Liebe zu uns nicht abbringen.

Gott möchte liebevolle Beziehungen – zu uns und zwischen den Menschen.

1468756523131[1]Machen wir einfach einmal die Probe: Würde das Leben auf der Welt gelingen, wenn alle Erdenbürger diese beiden Gebote der Liebe befolgten? Wir hätten das Paradies! Wir lebten in beständiger Sicherheit. Jeder könnte seine Gedanken äußern und nach seinem Geschmack leben, weil wir den Mitmenschen nicht mehr verletzen wollten. Wir erlebten eine außerordentliche Vielfalt und würden sie in unseren Gemeinschaften genießen. Unser Zusammenleben würde uns unendlich bereichern. Und selbst die Natur um uns herum würde davon profitieren.

Was hindert uns, hier schon ein Stück Himmel auf Erden zu verwirklichen – um dann einmal ganz da zu anzukommen, wo Gott – die Liebe schlechthin – ausnahmslos regiert?! Nur zwei Gebote führen dahin. Es sind zwei Fragen, die uns leiten: Ist mein Verhalten ein Ausdruck meiner Liebe zu diesem Gott? Und: Demonstriert mein Handeln und mein Reden meine Liebe zu meinen Mitmenschen?

Mut durch Gewissheit

Von Sabine Weinert

N_Schmitz @ pixelio.de
N_Schmitz @ pixelio.de

In der vergangenen Woche, als es so heiß war, waren wir mit unseren Enkelkindern im Freibad. Die erste Stunde vergeht mit Toben, Spritzen, Tauchen und Plantschen wie im Flug. Dann registriert das Kleine Wunder (5 J.) plötzlich die Wasserrutsche und beobachtet fasziniert, wie die anderen Kinder johlend, lachend und kreischend die Rutsche hinuntersausen ! Das will sie auch! Aber Opa soll mitkommen!
Ich bleibe im Wasser und beobachte von unten, was passiert!
Das Kleine Wunder klettert wie der Blitz die Leiter hoch, der Opa (etwas gemächlicher) hinterher. Dann stehen beide oben und wenn man erst 5 Jahre alt und gerade mal einen Meter groß ist, dann ist die zweieinhalb Meter hohe Rutsche, wenn man oben steht, auf einmal sehr sehr sehr hoch. Und beängstigend.
Ich sehe, dass das Kleine Wunder den Kopf schüttelt und Anstalten macht, die Leiter wieder hinunter zu klettern.
Der Opa beugt sich zum Kleinen Wunder hinunter und spricht beruhigend auf sie ein. Ich kann nicht verstehen, was er sagt, sehe aber, wie das Kleine Wunder sich langsam auf die Plattform der Rutsche setzt, immer mit dem Kopf nach hinten gewandt, um zu sehen, ob der Opa noch da ist.

Rainer Sturm @ pixelio.de
Rainer Sturm @ pixelio.de

Dann sitzen beide, hinten drängen die anderen Kinder, die auch rutschen wollen. Das Kleine Wunder klammert sich mit beiden Händen an der Reling der Rutsche fest und will nicht loslassen. Doch dann legt plötzlich der Opa seine beiden starken Arme ganz fest um den Bauch des Kleinen Wunders und ich sehe förmlich, wie das Kleine Wunder sich entspannt und die verkrampften Hände von der Reling löst.
Das Kleine Wunder dreht den Kopf nach vorne. Noch immer ist die Rutsche beängstigend hoch, noch immer wartet unten die unbegrenzte Tiefe, Wasser, in dem man weder stehen noch sich irgendwo fest halten kann, noch immer ist der Weg nach unten für das Kleine Wunder wie ein rasender Fall ins Bodenlose …
Noch immer sehe ich Angst in ihrem Gesicht und dennoch, jetzt mit Opas starken Händen, die sie ganz fest umschließen, kann man es ja vielleicht doch wagen, in diese Tiefe zu sausen.
Von Opas Händen hat sie in ihrem Leben bisher nur Gutes und Liebe erfahren, diesen Händen vertraut sie, die werden sie ganz fest und sicher halten.

Ich sehe, wie der Opa sich oben abstößt, beide Hände fest um den Bauch des Kleinen Wunders geschlungen, das Kleine Wunder presst die Augen ganz fest zu, als die Sause los geht und dann erfolgt auch schon das Eintauchen ins Wasser. Aber bevor die Angst über dem Kleinen Wunder zusammen schlägt, reißen Opas Arme das Kleine Wunder aus dem Wasser und heben sie fest und sicher hoch in die Luft!
Und dann breitet sich ein glückliches und strahlendes Lächeln auf dem Gesicht des Kleinen Wunders aus und sie will gleich noch einmal..
Für mich ist das in dieser Situation ein ganz ganz starkes Bild geworden, das mich seitdem nicht mehr los gelassen hat!

Helene-Souza_pixelio.de
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Genau so wie das Kleine Wunder sich den starken zuverlässigen Armen des Opas anvertraut, weil diese Arme, diese Hände nur Liebe und Güte für sie haben, genau so möchte ich mich den starken zuverlässigen Armen meines, unseres Gottes, immer wieder anvertrauen. Weil die Arme meines himmlischen Vaters mich jederzeit umschließen, kann ich, vielleicht mit zusammengekniffenen Augen, aber dennoch vertrauensvoll in die Tiefen meines Lebens fallen in der festen Gewissheit, dass die Arme meines Gottes mich aus dem Strudel reißen, bevor das Wasser über mir zusammen schlägt. Dieser Gott hat gesagt:
Sei getrost und unverzagt! Ich werde dich NIE verlassen und niemals von deiner Seite weichen!
Gottes Vaterarme tragen durch alle Stürme und Untiefen des Lebens!

 

 

Ansteckungsgefahr!

angieconscious @ pixelio.de

In meiner Brust schlagen zwei Herzen, die sich manchmal gar nicht leiden können: Das eine ist das vor etwa 40 Jahren herangezüchtete Krankenschwesterherz, das andere wurde kurz danach geboren: Das Mutterherz. Und seit diese beiden in mir leben, bekomme ich besonders im Winter innere Diskussionen. Mit der Geburt unseres ersten Enkelkindes fing die ganze Debatte neu an. Aber es gibt immer einen klaren Gewinner.

Zur Verdeutlichung: Ich besuche sehr gerne meine Enkel. Und offensichtlich freuen sie sich auch und zeigen das, indem sie – je nach Alter – auf meinen Schoß klettern oder mit mir spielen oder Quatsch machen.

Simone Hainz @ pixelio.de
Simone Hainz @ pixelio.de

Doch im Herbst suche ich damit gleichzeitig ihre Viren und Bakterien auf. Dann schmiegen sich diese kleinen, süßen Menschen Trost suchend an mich und beglücken mich mit Rotznasen, Niesen und Anhusten. Die Krankenschwester in mir ruft entsetzt: »Rette sich wer kann!« Aber die (Groß)mutter trotzt und sagt: »Jetzt erst recht! Jetzt brauchen sie deine Wärme und Nähe mehr als je zuvor!«

Natürlich weiß ich als Oma, dass das kaum folgenlos sein wird. Am besten kaufe ich schon mal Tempos und Isländisch Moos. Und ja, irgendwann werde ich mir mal eine Auszeit nehmen, um meinen Husten auszukurieren.

Doch das ist nicht nur unsere Mutterart. Gott handelt ja nicht klüger. Obwohl er wusste, dass ihm sein Aufenthalt als Mensch auf dieser Erde schlecht bekommen würde, besuchte er uns. Er suchte Kontakt, er identifizierte sich nicht nur mit unserem Wesen, sondern bewusst auch mit unserer Sünde. Ja, er steckte sich absichtlich an und nahm unsere Schuld auf sich. Das kostete ihm das Leben – und wir werden frei von dem ansteckenden Bazillus »Sünde«. Wir werden heil, wenn wir wie die Kleinen uns vertrauensvoll an ihn wenden und uns von ihm lieben lassen. Denn welches kranke Kind verschmäht schon die Zuwendung seiner Mama?

angieconscious @ pixelio.de
angieconscious @ pixelio.de

»Gott spricht: Ich will euch trösten, wie einen seine Mutter tröstet.« (Jahreslosung 2016 – Jesaja 66,13)

Was die Zukunft uns bringt

Weihnachten ist vorbei und die Gesellschaft legt den Schalter um auf Silvester. Das Leben geht weiter und die Jahresuhr tickt unaufhörlich. Zum Abschluss genießen wir noch das Feuerwerk – und dann?

Rainer Sturm @ pixelio.de
Rainer Sturm @ pixelio.de

Oft habe ich den Wechsel vom stimmungsvollen Jahresende zum normalen Alltag als kalte Dusche empfunden. Vor allem verunsicherte mich die offensichtliche Vergängligkeit des Lebens: Ein Jahr geht zu Ende, die Natur scheint tot zu sein, während die Zukunft völlig ungewiss vor mir liegt .

Was wird auf uns zukommen? Werde ich mit dem fertigwerden, was wir erleben? Solche Fragen waren für mich am Jahresanfang normal. Doch es gab vor Jahren ein Erlebnis, das in mir die Zukunftsangst weitgehend geheilt hat:

Es war in den ersten Monaten eines Jahres: Wir hatten einen Bekannten aufgenommen. Er war in Not geraten und wohnte einige Zeit bei uns. Im Frühjahr fand er eine andere Bleibe und wir kehrten zu unserem gewohnten Leben zurück.

Kurz vor Weihnachten kam ein Gruß von ihm, zusammen mit einem Geschenk. Wie toll! Ich las den Brief und es traf mich wie ein Schlag ins Gesicht: Ich war Luft für ihn. Der Brief richtete sich ausschließlich an meinen Mann: Gesegnete Weihnachten für ihn, ein gutes Neues Jahr für ihn, ein Geschenk für ihn. Nicht einmal ein Gruß an mich oder unsere Kinder …

Drei Monate lang hatte ich mich auf ihn eingelassen, mit ihm geredet, für ihn gehofft und mit ihm gebangt. Mein Mann hatte dafür gar nicht so viel Zeit, denn er musste sich um seinen Beruf kümmern. Die ganze Zeit über hatte ich auf mein Zimmer verzichtet, keine Rückzugsmöglichkeit gehabt. Und nun nicht ein einziges Wörtchen an mich. Das haute mich um!

Wilhelmine Wulff @ pixelio.de
Wilhelmine Wulff @ pixelio.de

Das tat weh. Und mir fielen aus meiner Vergangenheit andere Menschen ein, denen ich nichts bedeutet hatte.
Ich saß in unserem Wohnzimmer vor dem Brief und weinte. Komischerweise hatte ich dort auf dem Sofa ein Buch von Max Lucado liegen mit dem Untertitel: »Es geht nicht um dich!« Na, das passte ja! Zwischen meinen Heulattacken las ich Seite um Seite über Gottes Herrlichkeit. Auch meine Bibel lag da und auch in ihr las ich Kapitel um Kapitel. Gleichzeitig öffnete Gott mir die Augen, wo ich mit ihm genauso umgegangen bin, wie unser Bekannter mit mir. Und später sah ich Menschen, mit denen ich ebenso lieblos verfahren war.

Stück für Stück erkannte ich Gottes Größe und Liebe, gepaart mit innerer Buße. Ich musste unserem Bekannten gar nicht mehr vergeben, das war in mir bereits geschehen.

Drei Stunden nach dem Lesen des Briefes stand ich vom Sofa auf: Innerlich voll von einem Frieden, der über alle Vernunft ging. Eine tiefe Wunde, von der ich nichts gewusst hatte, war geheilt worden. Und: Ich war geheilt von mir selbst! Was für eine Befreiung!

Dass die Zukunftsängste, die mich besonders zum Jahreswechsel befallen konnten, heute kaum noch eine Rolle in meinem Leben spielen, hat viel mit dieser Erfahrung zu tun. Ich muss mich nicht mehr um unser Glück, unser Wohlergehen und unsere Unversehrtheit sorgen. Es geht in allem um Gott, um Jesus Christus. »Dein Name werde geheiligt, dein Reich komme, dein Wille geschehe …« Und dies soll in meinem Leben so geschehen, durch Freude und auch durch Leid.

Mit allem, was mir Angst machen will, kann ich vertrauensvoll zu Gott gehen. Ich weiß, er kümmert sich darum – und ich kümmere mich weiter um seine Angelegenheiten: Dass Liebe in diese Welt kommt. Ein Wechsel, der sich vor allem für mich lohnt!DSC03602

»Was die Zukunft uns bringt, wir wissen es nicht. Doch es gibt ein Zuhause beim Vater des Lichts. Dort sind wir willkommen, was auch geschieht – willkommen beim Vater des Lichts!« (Edeltraut Reeb/Jochen Rieger)