Die Seele baumeln lassen

Rainer Sturm / pixelio.de
Rainer Sturm / pixelio.de

Sommer, Sonne, Seele baumeln lassen. Das ist meine Hoffnung für diese Jahreszeit. Sie gleicht einer geheimen Wunschliste, die ich Jahr für Jahr neu schreibe, obwohl die Vergangenheit da Vorsicht gelehrt hat.

Voll Vorfreude auf den Urlaub tippe ich in meine Wetter-App unseren Ferienort ein und sehe gespannt auf die Symbole. Sofort stellt sich die Ernüchterung ein: Graue Wolken und Regentropfen (nicht nur einer, sondern drei!) erscheinen auf dem Display.

O. k., die Sonne streiche ich von meiner Liste. Bleiben Sommer und Seele-baumeln-lassen. Denn auch warmer Regen hat ja was. Mein Blick gleitet zur Temperaturvorhersage: 18° – 20°C Höchsttemperatur …

Ist jetzt unser Urlaub schon vorbei,

bevor er begonnen hat? Nein, das lasse ich nicht zu. Das wichtigste Element bleibt uns ja noch: Die Seele baumeln lassen.

Und dazu gibt es eine Reihe Angebote: Wellness, Tee bei Kerzenschein, Käseplatte mit Rotwein, ein gutes Buch, durch den regennassen Wald streifen oder ins Kino gehen.

Tragisch ist nur, dass mir das Seele-baumeln-lassen trotz aller Hilfsangebote oft nicht gelingt. Selbst wenn die Sonne vom wolkenlosen Himmel scheint und leichter Wind mir Erfrischung bietet: Mir fehlt die innere Fähigkeit, meine Seele baumeln zu lassen. Stattdessen tummeln und streiten sich in meinem Geist Träume, Ideale und Befürchtungen. Wie um alles in der Welt soll meine Seele da befreit schaukeln wie ein Kind, das selbstvergessen auf- und abschwingt?!

Simone Hainz / pixelio.de
Simone Hainz / pixelio.de

Alles, was baumelt, hängt frei, das ist bei der Seele nicht anders. Und da fangen bereits meine Schwierigkeiten an. Ich müsste ja meine Seele loslassen und nicht an mich binden, damit sie schwingen kann! Und schlimmer noch: Ich brauche einen Fixpunkt außerhalb von mir, an den ich meine Seele aufhänge. Und dann einfach loslassen … Zugegeben, die Vorstellung ist skurril. Doch entspricht sie nicht trotzdem der Wahrheit?

Ich brauche einen absolut sicheren Halt, bei dem ich weiß, dass er trägt. Denn meine Seele vertraue ich keiner fragwürdigen Macht an. Es muss eine Macht sein, die es ganz und gar gut mit mir meint und stärker als alles andere ist. Und diese gütige wie gewaltige Macht habe ich gefunden: Gott – in Jesus Christus.

Das ist meine Lebenserfahrung nach all den Jahrzehnten,

die ich nun auf diesem Erdball lebe: Da, wo ich mich Jesus anvertraut habe und meine eigenen Vorstellungen in seinen Willen legte, da bekam ich Frieden. Da kam ich zur Ruhe. Die Seele fing an zu baumeln … Was für eine Erholung im Sommer wie im Winter. Welche Freude im Angesicht von Unsicherheiten. Zu wissen, dass er es schon richtig – und gut – machen wird, selbst wenn meine Hände gebunden sind, lässt mich zufrieden in die Zukunft schauen.

So sagt nun der Herr: »Weil er mit ganzer Liebe an mir hängt, will ich ihn befreien; ich hole ihn heraus aus der Gefahr, denn er kennt meinen Namen. Wenn er zu mir ruft, werde ich ihm antworten. In Zeiten der Not stehe ich ihm bei, ja, ich reiße ihn heraus und bringe ihn zu Ehren. Ich schenke ihm ein erfülltes und langes Leben und zeige ihm, wie ich Rettung schaffe.« (Ps. 91,14-16; NGÜ)

Tosende Wasser

Dieter-Schütz @ pixelio.de
Dieter-Schütz @ pixelio.de

Unser Lebensweg gleicht einer Wanderung. Da geht es mal durch saftige Blumenwiesen wie über steinige Bergrücken. Alles gehört dazu und wir meistern diese Abschnitte gut. Doch plötzlich stehen wir an einem Flussufer und wissen nicht, wie wir über das Wasser kommen können. Gibt es einen Steg? Fehlanzeige. Eine Fähre? Keine Spur. Eine Seilbahn? Nicht zu sehen.
Stattdessen tosen die Wassermassen an uns vorbei. Die Gischt spritzt uns ins Gesicht, sobald wir zu nahe an das Ufer treten. Die Strömung reißt alles mit sich fort, was ihr in den Weg kommt. Und Strudel ziehen in die Tiefe, was sie zu fassen kriegen.
Was sollen wir tun? Was kann ich machen, um meinen Weg fortsetzen zu können? Ohne ans andere Ufer zu gelangen, hat meine Wanderung keinen Sinn mehr. Aber das ist faktisch unerreichbar. Also trete ich auf der Stelle und suche nach Alternativen – doch ich finde keine. Ich komme nicht vorwärts, laufe an der Böschung auf und ab und strecke zur Probe den Fuß ins Wasser. Oh nein, das wäre beinahe schiefgegangen! Gegen diesen Strom bin ich machtlos!

Kennst du das Gefühl?

Nichts geht mehr. Kraft ist Mangelware und guter Rat teuer. Das Wegstück vor dir ist ein einziges Durcheinander: Wenn du da hinein gerätst, weißt du nicht mehr, was oben oder unten ist.
Nach über 40 Jahren bin ich an einen Hit erinnert worden, der genau diese Ufersituation aufgreift – und eine Lösung zeigt. „Like a bridge over troubled water“ von Simon und Garfunkel ist ursprünglich ein säkulares Lied. Aber der Song hat eine zweite Ebene: Man kann ihn als ein Versprechen verstehen, das Jesus uns gibt. Ins Deutsche übersetzt lautet er so:

Wenn du erschöpft bist und dich klein fühlst,

wenn in deinen Augen Tränen funkeln – ich trockne sie alle.

Ich stehe auf deiner Seite, wenn die Zeiten rau werden und sich keine Freunde finden.

Wie eine Brücke werde ich mich über das tosende Wasser legen.

Wie eine Brücke werde ich mich über das tosende Wasser legen.

Wenn du am Ende bist, wenn du auf der Straße gelandet bist,

wenn der Abend so kalt heraufzieht, dann spreche ich dir Trost zu.

Ich übernehme deinen Part, wenn die Dunkelheit kommt und nur Schmerz rundherum ist:

Wie eine Brücke werde ich mich über das tosende Wasser legen.

Wie eine Brücke werde ich mich über das tosende Wasser legen.

Segle weiter, Silvergirl! Segle daran vorbei!

Deine Zeit zu leuchten, kommt!

Alle deine Träume sind schon unterwegs. Sieh, wie sie scheinen!

Wenn du einen Freund brauchst: Ich segle direkt hinter dir.

Wie eine Brücke über tosendes Wasser werde ich deine Denken beruhigen.

Wie eine Brücke über tosendes Wasser werde ich deine Denken beruhigen.

Georg Brand @ pixelio.de
Georg Brand @ pixelio.de

Jesus erbarmt sich über uns, indem er uns in unseren schwierigsten Situationen eine Straße baut, auf der wir gehen können. Mit ganzem Einsatz opferte er sich sogar selbst, als es keinen Weg mehr zu Gott gab. Denn unsere eigensüchtige Haltung hatte eine Schlucht zwischen uns und Gottes Gegenwart gegraben. Während wir in innerer Dunkelheit lebten, legte er sich selbst über den Abgrund, der uns von Gottes Licht trennte. So wurde er zur rettenden Brücke.
Das war die großartigste Rettungsbrücke, die je gebaut wurde. Alle, die über Jesus zu Gott zurückgefunden haben, erleben ihn nun immer wieder auch in kleineren Rettungsmanövern: Wo Umstände uns an unsere Grenzen führen, da schenkt er neue Wege. Ja, letztendlich ist er immer der Weg, der uns ans Ziel führt, auch wenn wir einmal am letzten Ufer stehen werden: Dann erst recht wird er unsere Brücke sein, auf der wir unsere eigentliche Heimat erreichen.

Autobahn oder Sessellift?

Grey59 / pixelio.de

Mitte Juni verbrachten wir eine Woche im Allgäu. Die Fahrt dorthin fing gemütlich an. Jedoch merkten wir natürlich bald, dass wir nicht alleine unterwegs waren. Die Autobahn füllte sich nach und nach mit vollbepackten PKWs und Wohnmobilen, mit LKWs und Motorrädern. Die Baustellen bremsten uns alle aus und manch einer schien die Lektionen seiner Fahrschulzeit über Abstand und Geschwindigkeitsbegrenzung vergessen zu haben. Wir drängten uns einspurig über Brücken, die in die Jahre gekommen sind, und gaben Gas, sobald sich die Fahrbahn wieder erweiterte. Jeder eilte seinem Ziel zu und wir überholten einander Schlag auf Schlag.

Kaum waren wir angekommen, besorgten wir uns die Allgäu-Tirol-Karte, mit der man jeden Tag jede Bergbahn einmal benutzen darf. Wir lieben es nämlich, mit den Seilbahnen an den Hängen hinauf zu gondeln und oben ein bisschen zu wandern oder Kaffee zu trinken.

Unsere Favoritenbahn

beginnt im Tiroler Städtchen Bach. Wenn wir die Kartenkontrolle passiert haben, nehmen wir in der Zweier-Sesselbahn Platz und schließen den Bügel. Anschließend schweben wir 1,65 Kilometer lang über die herrliche Alpenwelt hoch zur Bergstation.
Zunächst verlieren sich alle technischen Geräusche, nur das Stahlseil surrt leise vor sich hin. Ein Bussard stößt seinen spitzen Schrei aus, ein paar Spatzen tschilpen im Gebüsch. Der Wind rauscht durch die Tannenwipfel, sonst ist es still.
Wir lassen Krüppellärchen an steinigen Felsen unter uns und bewundern die Vielfalt der Alpenblumen: Gelb, rot, blau und violett präsentieren sie sich auf dem satten Grün der Bergwiesen. Der Himmel leuchtet azurblau. Und die Luft – sie ist klar und rein. Das Gefühl unbeschreiblicher Freiheit macht unser Glück vollkommen.

Jedes mal erleben wir das Gleiche:
Petra Dirscherl / pixelio.de

Kaum haben wir den Bodenkontakt verloren, legt sich ein tiefer Frieden auf uns. Hier verliert sich jegliche Hetze. Mit dem Einstieg in die Bahn geben wir quasi unseren eigenen Willen ab: Wir vertrauen uns dem Seil an und sagen ‚ja‘ zu der Richtung, in die wir geführt werden. Niemand treibt uns. Auf das Tempo haben wir keinen Einfluss. Also lehnen wir uns gemütlich zurück. Wir fürchten weder Höhen noch Tiefen, denn wir hängen sicher am Stahlseil. Und jede Diskussion, welcher Weg der Bessere sein könnte, kommt spätestens jetzt zur Ruhe. Wir verfolgen denselben Kurs. Und zum Schluss erreichen wir das Ziel zur festgesetzten Zeit: nicht eher und nicht später als vorgegeben. Tiefer Frieden umhüllt uns.

Viele Gedanken beruhigen sich, während wir so in der Luft schaukeln. Es geht nicht mehr um mich oder meinen Nebenmann. Wichtig ist allein die Verbindung zum Seil und das Vertrauen, dass es uns trägt. Früher hatte ich Angst, so über dem Abgrund zu schweben und nur von einem Drahtseil abhängig zu sein. Inzwischen habe ich die jahrelange Erfahrung gemacht, dass ich sicher oben ankomme und ich genieße die Aussicht und die Stille der Bergwelt.

Diesen tiefen Frieden

habe ich genauso schon in anderen Situationen erlebt, weitab von Urlaub, Sommer und Sonne. Ich erfahre ihn im Alltag, in Anstrengungen und bei meiner Arbeit. Es gibt nur eine Voraussetzung für ihn: Ich muss das Steuer meines Lebens an Gott abgeben. Dann darf ich mich im Vertrauen auf sein Führen innerlich zurücklehnen. So finde ich diese innere Ruhe. Wenn ich – statt mich und meine Wünsche wichtig zu nehmen – den Fokus auf Gott und sein Reich richte, erfüllt mich dieser unbeschreibliche und beruhigende Frieden. Doch sobald ich meinen eigenen Willen zum Maßstab erhebe und mir mein Glück selbst sichern will, befinde ich mich – um im Bild zu bleiben – nicht im Sessellift, sondern auf der Autobahn des Lebens, wo das Recht des Schnelleren und Stärkeren zu herrschen scheint.

Da wähle ich doch lieber die ‚Sesselbahn‘ und überlasse mich Gott. Denn wie dichtete Paul Gerhard? „Der Wolken, Luft und Winden gibt Weg, Lauf und Bahn, der wird auch Wege finden, da dein Fuß gehen kann!“

Philipper 4,7: „Der Friede Gottes, der weit über alles Verstehen hinausreicht, wird über euren Gedanken wachen und euch in eurem Innersten bewahren – euch, die ihr mit Jesus Christus verbunden seid.“

Brückenbauer

www.clearlens-images.de @ pixelio.de
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Wenn ich mein Leben aus der Vogelperspektive betrachte, so sehe ich es als Brücke zwischen der letzten Kriegsgeneration und den heutigen jungen Familien. Ich habe Informationen aus erster Hand, die ich an eine Generation weitergeben kann, die 80 Jahre später lebt.

Meine Eltern gehörten noch zu denen, die eine schreckliche Diktatur erlitten. Ihre Schulzeit war geprägt von politischer Lüge, Rassenhetze und Angst vor Bespitzelung. Sie lernten, dass die Wahrheit nur hinter vorgehaltener Hand gesagt werden durfte. Und statt ihre ausgehende Jugendzeit zu genießen, erlebten sie Luftschutzbunker, Zerstörung und pure Gewalt. Mein Vater kehrte als Schwerstbehinderter aus Russland zurück, meine Mutter hatte zu Hause den sogenannten »Barmer Angriff« hautnah miterlebt: Brennender Teer nach der Bombardierung Wuppertals mit scheußlichsten menschlichen Opfern. Die Stadt ein Ruinenfeld.

Bernd Sterzl @ pixelio.de
Bernd Sterzl @ pixelio.de

Obwohl ich erst 11 Jahre später geboren wurde, spielten wir noch in den »Trümmern«. Das war zwar verboten und gefährlich, aber es war unser Spielplatz. Damals habe ich mich nie gefragt, warum wohl hier diese zerfallene Fabrik stand? In ihr wuchsen Birken und Löwenzahn, eine abgebrochene Steintreppe spornte uns zu akrobatischen Höchstleistungen an. Irgendwann hatten wir einen Mauerspalt so lange bearbeitet, bis wir einen Blick in den Kellerraum wie in ein dunkles Verließ werfen konnten.

Meine Eltern gehörten nicht zu denen, die alles verschwiegen.

Ihnen lag daran, uns zu warnen: vor Volksverführern und verlogenen Ideologien, vor Extremismus und Fanatismus. Sie genossen die Demokratie und hatten Angst davor, dass sie sich eines Tages selbst abwählen könnte.

Dass das möglich ist, sehen wir zurzeit in der Türkei. Und auch die aktuelle Lage in den USA oder die anstehenden Wahlen in Frankreich geben Anlass zur Sorge, dass die Demokratie sich selbst abschafft. Lug und Trug oder auf Neudeutsch »fakenews« bestimmen das Werben um den Wähler. Wenn meine Eltern das noch miterleben würden, sähen sie sich Jahrzehnte zurückversetzt!

Heute, am 22. März 2017 hat unser neuer Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier in seiner Antrittsrede genau darauf hingewiesen. Auch er gehört zu den damaligen Kindern, die in Ruinen spielten. Auch er ist eine Brücke zu der heutigen jungen Generation. Und er nutzt sein Wissen, das auch er noch aus erster Hand hat, um die Menschen zu warnen:

„Populisten erhitzen die öffentliche Debatte durch ein Feuerwerk von Feindbildern, laden ein zum Kampf gegen das sogenannte Establishment und verheißen eine blühende Zukunft nach dessen Niedergang. Es gibt in Deutschland keinen Grund für Alarmismus. Das nicht. Aber ich sage mit Blick auf das, was sich da tut, mit großer Ernsthaftigkeit: Wir müssen über die Demokratie nicht nur reden – wir müssen wieder lernen, für sie zu streiten!“

Warum schreibe ich das in meinem Blog?

Weil es um unsere Kinder und Enkel geht. Herr Steinmeier fordert auf, sich für die Demokratie der Zukunft einzusetzen. Und für mich heißt das praktisch: Beten, beten und mich nicht nur einseitig informieren. Beten, beten und den Mund aufmachen. Beten, beten und wählen.

Warum haben damals vor und im Nationalsozialismus viele Christen nicht für eine Bewahrung vor dem sogenannten „Führer“ gebetet? Weil sie sich blenden ließen von einem Mann, der so fromm wirkte und die konservativen Werte hochhielt. Sie schauten sich nicht seine Früchte, sondern seine Versprechen an.

Michael Ries @ pixelio.de
Michael Ries @ pixelio.de

Was wäre passiert, wenn die Christen sich vor Gott geneigt hätten und einmütig gebetet hätten? Leider aber sind viele freikirchliche wie kirchliche Leiter Hitler auf den Leim gegangen – und mit ihnen die, die sie in den Gemeinden zu lotsen hatten.

Vor 28 Jahren haben sich in der Diktatur der DDR, in Leipzig jede Woche tausende Menschen zum Gebet getroffen. Was hat das gebracht? Die Öffnung der Grenzen und das Ende der Tyrannei. Paulus forderte uns auf, für die Regierenden zu beten, damit wir (und unsere Kinder!) ein friedliches Leben im Glauben führen können. (1. Tim. 2,2)

Wie kann ich für unsere Politiker beten? Indem ich zum Beispiel die Internetseite der Bundesregierung aufrufe: https://www.bundesregierung.de/Webs/Breg/DE/Bundesregierung/Bundeskabinett/bundeskabinett.html . Dort werden mir die Verantwortlichen super präsentiert. Begleiten wir sie doch in ihren Entscheidungen und Überlegungen!

Gott, der die Mauern von Jericho ohne Kampf hat fallen lassen

oder den Sieg gegen die Amalekiter nur durch das treue Gebet von Mose geschenkt hat: Dieser Gott ist noch heute derselbe!

Zum Schluss möchte ich noch einmal Herrn Steinmeier zitieren: »Zeiten, in denen Eltern sich fragen, ob es ihren Kindern noch genau so gut gehen wird wie ihnen. Wir leben in Zeiten des Übergangs. Wie die Zukunft wird, darauf gibt es nicht nur eine Antwort. Da ist die Zukunft eben nicht „alternativlos“. Im Gegenteil: Die Zukunft ist offen, und sie ist überwältigend ungewiss!«

Und wir können diese Zukunft segnen, indem wir treu beten. Nicht mit Angst im Nacken sondern mit Hoffnung vor Augen. Unsere Kinder werden es uns später danken!

Christina Bieber @ pixelio.de
Christina Bieber @ pixelio.de

Gütesiegel

20170214_065804Ich weiß nicht, ob du auch zu denen gehörst, die am Ende des Winters regelrecht nach Licht dürsten? Ich jedenfalls gehöre eindeutig zu diesen Menschen. Jeder Tag, der die Sonne länger scheinen lässt, ist mir willkommen und macht mir Hoffnung.
Manches Mal schon habe ich überlegt, ob es nicht einfacher wäre, die Wintermonate in Südspanien zu verbringen? Aber: Was soll ich dort ohne meine Familie? Ohne meine Freunde? Da wäre das Leben doch arg trist, trotz Sonnenschein und Wärme.
Vitamin D soll ja helfen, allerdings habe ich festgestellt: Die Sonne geht davon nicht
eher auf und bleibt auch nicht länger zu sehen …

In diesem Winter habe ich eine echte Entdeckung gemacht:

Es gibt ein Mittel, dass extrem aufhellend wirkt – und dabei nur positive Nebenwirkungen hat. Nicht, dass es mir noch nie begegnet wäre! Im Gegenteil, es ist mir schon mein Leben lang bekannt. Aber seine antidepressive Wirkung ist mir zum ersten Mal so richtig bewusst geworden. Und dann habe ich es getestet, ein ums andere Mal. Und tatsächlich, es versagt nie. Es wirkt. Und es hilft, die Stimmung zu heben. Das Herz wird wieder leicht, Freude macht sich breit.
Auch ist mir aufgefallen, dass Menschen, die dieses Mittel häufig und regelmäßig
benutzen, oft Lachfalten haben. Komischerweise ändern selbst schwierige Lebensverhältnisse daran nichts.
Es hat im wahrsten Sinne des Wortes ein echtes „Güte“-siegel verdient! Und es wird
in der Bibel in direktem Zusammenhang mit Freude erwähnt, und zwar im Philipperbrief:
„Freuet euch, und abermals sage ich: Freuet euch! Eure Güte lasst allen Menschen
kundsein! Der Herr ist nahe.“ (Phil. 4,4-5). Jedes Mal, wenn ich einem Mitmenschen
gütig begegne, ihm Gutes sage oder tue, dann freut sich mein Herz und jubelt innerlich.

Warum ist das so?

Weil Gott uns so geschaffen hat, dass wir gemeinschaftlich durchs
Leben gehen. Er, der die Liebe ist, hat uns Menschen nach seinem Bild geschaffen.
Ohne freundliche Zuwendung verkümmern wir. Dabei ist es nicht entscheidend, dass
andere mein Bedürfnis nach Liebe stillen, sondern dass ich den anderen sehe und mit
Verständnis begegne.
„Güte ist die Bereitschaft, dem anderen Gutes zu tun.“ So ist Gott. Und mit dieser Veranlagung hat er uns geschaffen. Leben wir anders, hat das negative Konsequenzen für
uns und unsere Umwelt.
Nun ist es ja keine Güte, wenn ich dem anderen nur Gutes tue, damit es mir besser
geht. Nein, echte Güte kommt von Herzen. Wahre Güte öffnet das Herz weit für den
anderen und wünscht ihm nur das Beste. Sie hofft für ihn, sie freut sich mit ihm und
schenkt ihm gerne, was ihm guttut. Das gilt für alle, die in Südspanien leben und
ebenso für die Nordeuropäer. Es ist nicht in erster Linie die Sonne, die unsere Seele
erhellt, sondern die Liebe Gottes, die in unser Herz ausgeschüttet ist. Wenn sie zu
anderen fließt, geht in uns das Licht an und erleuchtet uns innerlich wie ein Scheinwerfer,
wenn der Strom fließt.

Erlebt:
Joujou_pixelio.de
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An der Tankstellenkasse bildet sich eine längere Schlange, weil eine Kundin sich
nicht entscheiden kann, ob sie noch ein Croissant oder ein Brötchen kaufen will. Auch klappt das Bezahlen nicht richtig. Aus dem „schnell mal eben tanken“, wie ich es mir vorgestellt hatte, wird eine Geduldsprobe. Das wird nicht besser durch eine Gruppe von jungen Männern, die hinter mir steht. Einer von ihnen stöhnt mehrmals laut auf und gibt ungeduldige Sätze von sich. Da erwacht in mir mein Erziehungstalent und ich schaue ihn  bewusst an, damit er etwas freundlicher ist. Aber nun wendet er sich gegen mich und zieht über mich her.

 
Mmh, was soll ich tun? Mir steht schon die nächste „Erziehungsmaßnahme“ vor
Augen, da kommt mir der Gedanke, dass dieser junge Mann vielleicht wirklich wenig
Zeit hat und deshalb so sehr gefrustet ist. Also drehe ich mich um und frage ihn, ob er
vielleicht vor mir dran kommen möchte? Ich mache der ganzen Gruppe Platz. Erst
kapiert er mein Angebot nicht, aber dann kennt sein Erstaunen keine Grenzen. Er ist
wie umgewandelt. Er lächelt mich an und redet fortan höflich.
In mir wird es licht. Und das bleibt auch erst einmal so, selbst als ich schon im Auto
sitze und meine Fahrt fortsetze …

Frohes Fest!

gänseblümchen @ pixelio.de
gänseblümchen @ pixelio.de

Frohe Weihnachten – nach solch einem Jahr der Gewalt in Brüssel, Nizza, Würzburg, Ansbach und nun in Berlin? Frohe Weihnachten für die Menschen in Aleppo und für die Flüchtlinge auf dem Mittelmeer? Frohe Weihnachten für alle, die postfaktische Nachrichten verbreiten und die Helfenden verächtlich machen? Frohe Weihnachten für uns, die wir so fix auf andere zeigen und immer wissen, wer recht hat? Frohe Weihnachten für mich, die ich rechthaberisch schnell aus der Haut fahre?

Warum nur lässt Gott das Leid zu? „Wenn Gott ein Gott der Liebe ist, müsste er dann das Elend nicht verhindern?!“ So wird jedes Mal gefragt, sobald Schreckliches passiert. Aber meistens sind es doch menschengemachte Katastrophen.

Warum fällt Gott nicht den Terroristen in die Arme und stoppt sie? Warum lässt er uns gewähren, wann immer wir auf Facebook unsere Mitmenschen durch unsere Postings demütigen?

Tatsächlich ist Gott uns Menschen einmal richtig in die Arme gefallen

und hat das Böse aufgehalten. Damals, als er die große Flut schickte und fast die ganze Menschheit vernichtete. Die Sintflut machte deutlich, dass es keiner überleben würde, wenn Gott uns erneut in die Arme fiele. Denn alle werden schuldig an anderen. Ich genauso wie jeder einzelne meiner Zeitgenossen.

Nach der Sintflut ging alles wieder von vorne los, denn wir Menschen sind unverbesserlich. Und so sieht unsere Welt heute aus: Terror, Verleumdung, Machtmissbrauch … Im Kleinen wie im Großen.

Was soll Gott tun, um uns zu stoppen?

Er hält uns nicht gewaltsam auf, sondern achtet unsere Freiheit. Aber er hat einen neuen Zugang zu uns Menschen gefunden: Er wurde selbst Mensch.

Mariliese @ pixelio.de
Mariliese @ pixelio.de

Er lebte als Mensch unter unseren Bedingungen. Er durchlitt Terror, Verleumdung, Machtmissbrauch und manches andere. Dabei hielt er sich in allem an Gott und schlug nicht entnervt zurück. Auch machte er die anderen nicht auf den damaligen sozialen „Netzwerken“ fertig, indem er seine Popularität ausnutzte und gegen sie hetzte. Er manipulierte nicht wie seine Gegner, stattdessen setzte er auf Wahrheit und Liebe.

Das Wichtigste: Er entmachtete die Gewalt und die Lüge, er entthronte die Sünde, indem er selbst jede unserer Sünden mit sich in den Tod nahm. Durch seine Auferstehung hat er dann alles Böse endgültig besiegt.

Nun ist es an uns, seinen Weg mitzugehen. Unser „Ich“ aufzugeben und stattdessen an der Hand Jesu den Weg der Liebe und der Wahrheit zu gehen. Denn das Gegenteil der Liebe ist Egoismus. Aller Hass, Rechthaberei und Terror sind nur Symptome der Ichbezogenheit. Dagegen schaut Liebe stets auf den anderen und auf sein Wohl, jedoch nicht auf sich selbst.

Dieser Weg beginnt zu Weihnachten. Er ist die einzige Chance für meine kleine Welt und für die Welt der großen politischen Ebene. Wer macht mit und feiert wirklich das Weihnachtsfest?

„Nicht Eigennutz oder Eitelkeit soll euer Handeln bestimmen. Sondern nehmt euch zurück und achtet den anderen höher als euch selbst. Seid nicht auf euren eigenen Vorteil aus, sondern auf den der anderen – und zwar jeder und jede von euch! Denkt im Umgang miteinander immer daran, welchen Maßstab Christus Jesus gesetzt hat:

Burkard Vogt @ pixelio.de
Burkard Vogt @ pixelio.de

Von göttlicher Gestalt war er.  Aber er hielt nicht daran fest, Gott gleich zu sein – so wie ein Dieb an seiner Beute. Sondern er legte die göttliche Gestalt ab und nahm die eines Knechtes an. Er wurde in allem den Menschen gleich. In jeder Hinsicht war er wie ein Mensch. Er erniedrigte sich selbst und war gehorsam bis in den Tod – ja, bis in den Tod am Kreuz.

Deshalb hat Gott ihn hoch erhöht: Er hat ihm den Namen verliehen, der allen Namen überlegen ist. Denn vor dem Namen von Jesus soll sich jedes Knie beugen – im Himmel, auf der Erde und unter der Erde. Und jede Zunge soll bekennen: »Jesus Christus ist der Herr!«“

(Philipper 2,3-11)

Frohes Fest!

Weichenstellung

Erich Westendarp@pixelio.de
Erich Westendarp@pixelio.de

Es traf uns fast der Schlag. Wir saßen an jenem Herbstabend gemütlich im Wohnzimmer und schauten uns die Nachrichten an. Doch plötzlich ging ein Ruck durch uns. Wir beugten uns ungläubig nach vorn, als würden wir sonst die Meldung verpassen. Was wir da sahen und hörten, berührte unser Herz zutiefst, weil es unsere eigene Vergangenheit betraf: Die zurückliegenden zehn Jahre, quasi unser erstes Ehejahrzehnt, in dem wir zur Familie herangewachsen waren.

Diese Zeit besaß für uns seit kurzem Vergangenheitscharakter, denn wir hatten sie durch einen Umzug hinter uns gelassen: Von West-Berlin aus hatten wir uns in eine freie Welt katapultiert. Die Erinnerungen an die damals eingemauerte Stadt waren jedoch nach wie vor frisch:

Lisa Spreckelmeyer_pixelio.de
Lisa Spreckelmeyer_pixelio.de

Wenn wir sonntags auf die Idee kamen, in die Natur zu fahren, so trafen wir dort stets die übrigen Berliner, die den gleichen Einfall gehabt hatten …
Wenn wir unsere Eltern in ‚Westdeutschland‘ besuchen wollten, so mussten wir jeweils zwei Grenzen überwinden – mit beachtlichen Wartezeiten. Wie oft hatten wir unser Auto Meter für Meter der Grenzkontrolle näher geschoben, um nicht den Motor stundenlang laufen zu lassen? Ebenso verfuhren die anderen Transitfahrer hinter und vor uns und in den zehn weiteren Warteschlangen neben uns, ganz nach der Devise: ‚Wer seine Atemluft liebt, der schiebt.‘ Derweil saßen unsere Kinder in ihren Sitzen und fragten ungeduldig, ob wir denn bald am Ziel wären? Doch das lag noch etliche 100 Kilometer entfernt …

Und nun sahen wir auf der Mattscheibe die geöffneten Grenzen! Westberliner empfingen die Trabbis mit einem riesigen Jubel und schlugen vor Freude auf die Dächer der Wartburgs. Die Ostberliner konnten ihre Freiheit kaum fassen. Alle lagen sich in den Armen – und uns übermannte die Rührung. Das hätten wir nicht gedacht! Das hätten wir uns noch vor Kurzem nicht träumen oder uns ausmalen können! Wenn es nicht die Tagesschau gezeigt hätte, wir hätten es nicht geglaubt.

Das Ganze liegt nun 27 Jahre zurück und ist für uns doch unvergesslich. Wir Westberliner durften ja immer überallhin reisen. Die Bürger der damaligen DDR allerdings saßen wirklich fest. Eine Mauer markierte das Ende ihrer Bewegungsfreiheit. Sie zeigte unmissverständlich, dass sie gefangen waren und einer Ordnung gehorchen mussten, der sie nicht entkommen konnten.
Dass das für sie nicht einfach war, bewiesen die lebensgefährlichen Fluchtversuche, die leider oft mit dem Tod endeten.

Ruth Rudolph@pixelio.de
Ruth Rudolph@pixelio.de

Die weißen Kreuze an der Spree in der Nähe des Reichstags erinnerten permanent an diese Verzweiflung: Bespitzelung fror jede Meinungsfreiheit ein. Gleichmacherei unterdrückte freie Religionsausübung wie politische Vielfalt. Enteignung brach den Willen zur Investition. Gedanken wurden in feste Bahnen gezwängt. Die Reiselust lenkte man in ‚Bruderländer‘. Der 5-Jahresplan gab das Ergebnis vor, hinter der die Realität doch oft zurückblieb. Schlange stehen für Orangen und Bananen war die Folge.

Allerdings keimte an diesem 9. November 1989 Hoffnung auf: Die Freiheit winkte, und die Menschen strömten in Scharen über die Grenze.

Wie war es dazu gekommen? Seltsam, dass die Hintergründe so schnell in Vergessenheit geraten. Oder kann nicht sein, was nicht sein darf? Dann sind wir nicht besser als die ehemaligen Kursbestimmer der DDR: Gott gibt es nicht!? Die Wende ist politisch herbeigeführt worden!?
Warum aber haben dann damals Tausende montags zusammen um Befreiung gebetet? Und bekamen den Mut zur friedlichen, gewaltlosen Demonstration? Und plötzlich steht ein russischer Politiker ihnen zur Seite? Wann gab es das denn jemals zuvor? Und jemals wieder danach? Und wieso waren wir alle so positiv geschockt von den Nachrichten, mit denen wir doch im Tiefsten niemals gerechnet hätten?!

Bei jeder Gebetserhörung zweifeln wir im Nachhinein an Gott: „Das wäre sicher auch von alleine gekommen.“ Aber solche zahllosen guten Wendungen, die in meinem Leben und dem Leben anderer nach ernsthaftem Gebet geschehen sind, wären für mich zu viele Zufälle. Manches Problem war für uns Menschen nicht zu lösen, aber Gott hat gnädig eingewirkt.

FranziH_pixelio.de
FranziH_pixelio.de

Ich finde es ideal, dass der Tag der Deutschen Einheit direkt anschließend an das Erntedankfest gefeiert wird: Da will ich mich freuen über Gottes Eingreifen in unsere Geschichte. Und will wie die Montagsdemonstranten mutig für unsere Politiker und ihre momentanen Herausforderungen beten. Gott macht den Unterschied, wenn wir ihn nur bitten. Er stellt Weichen neu und ändert die Richtung.

Wimmelbilder

Vor ein paar Tagen haben uns unsere Enkel besucht. Hei, was spielte sich hier für ein Leben ab! Zusammen mit einigen Nachbarskindern sausten sie mit ihren Rollern über den Platz zwischen den Häusern. Die zwei Kleinsten benutzten Bobbycars und demonstrierten ihr unterschiedliches Wesen: Während der eine geradewegs auf das Ziel zuhielt, musste die andere alles im Blick behalten und fuhr dabei gefährliche Schlangenlinien. Die Großen legten es auf Beinahe-Unfälle an und übten Slalomfahren. Natürlich alles mit Tempo und viel Gejohle … Jeder, wie es ihm entsprach.

photo_2016-08-12_09-31-46Ich glaube, Gott liebt Wimmelbilder. Schon während der Schöpfung dieser Welt sagte er über die Fische und Vögel: „Es wimmle eine Vielfalt von Arten!“ Einerlei, Gleichmacherei und Gleichschritt sind eine Erfindung der Menschen. Wir legen gerne fest, welche „Kragenweite“ gerade in ist und ob heute Mini oder Maxi getragen wird. Meinungsfreiheit wird seltsamerweise durch die Parole „Toleranz“ schnell zum Diktat:

twinlili@pixelio.de
twinlili@pixelio.de

Wehe, ich denke anders als das Gros der Gesellschaft! Und vom Diktat ist es nur ein kleiner Schritt zur Diktatur: Plötzlich bestimmen Minderheiten unsere Moral und lassen keine weitere Meinung zu.

Vielfalt? Wir Erdenbewohner haben zwar die Evolution als Erklärungsmodell für Gottes Schöpfung erfunden: Aus wenigem soll sich viel entwickelt haben. Tatsächlich hat aber der Mensch durch sein Verhalten von Anfang an dafür gesorgt, dass es eine rückwärts gerichtete Evolution gibt: Aus einer ehemals unendlich facettenreichen Natur sterben immer mehr Arten aus.

Gott ist anders als wir Menschen. Sogar seine ethische Ordnung lässt großen Spielraum für unsere Lebensgestaltung. Gerade mal in zwei Geboten fasst er seinen Willen zusammen:
1) Liebe Gott von ganzem Herzen, ganzer Seele, ganzem Verstand und ganzer Kraft.
2) Liebe deinen Mitmenschen so, wie du dich selbst liebst.

Wir sollen den Gott lieben, der selber uns Menschen unermesslich liebt! Weshalb sonst ist er einer von uns geworden, hat mit uns Menschen gelebt und uns gezeigt, wie barmherzig er ist? Er litt für uns, um unsere Schuld zu sühnen! Er starb, nicht weil wir Gerechte waren, sondern weil wir seine Feinde waren. Und manch einer ist das auch heute noch. Doch Gott lässt sich von seiner Liebe zu uns nicht abbringen.

Gott möchte liebevolle Beziehungen – zu uns und zwischen den Menschen.

1468756523131[1]Machen wir einfach einmal die Probe: Würde das Leben auf der Welt gelingen, wenn alle Erdenbürger diese beiden Gebote der Liebe befolgten? Wir hätten das Paradies! Wir lebten in beständiger Sicherheit. Jeder könnte seine Gedanken äußern und nach seinem Geschmack leben, weil wir den Mitmenschen nicht mehr verletzen wollten. Wir erlebten eine außerordentliche Vielfalt und würden sie in unseren Gemeinschaften genießen. Unser Zusammenleben würde uns unendlich bereichern. Und selbst die Natur um uns herum würde davon profitieren.

Was hindert uns, hier schon ein Stück Himmel auf Erden zu verwirklichen – um dann einmal ganz da zu anzukommen, wo Gott – die Liebe schlechthin – ausnahmslos regiert?! Nur zwei Gebote führen dahin. Es sind zwei Fragen, die uns leiten: Ist mein Verhalten ein Ausdruck meiner Liebe zu diesem Gott? Und: Demonstriert mein Handeln und mein Reden meine Liebe zu meinen Mitmenschen?

Mut durch Gewissheit

Von Sabine Weinert

N_Schmitz @ pixelio.de
N_Schmitz @ pixelio.de

In der vergangenen Woche, als es so heiß war, waren wir mit unseren Enkelkindern im Freibad. Die erste Stunde vergeht mit Toben, Spritzen, Tauchen und Plantschen wie im Flug. Dann registriert das Kleine Wunder (5 J.) plötzlich die Wasserrutsche und beobachtet fasziniert, wie die anderen Kinder johlend, lachend und kreischend die Rutsche hinuntersausen ! Das will sie auch! Aber Opa soll mitkommen!
Ich bleibe im Wasser und beobachte von unten, was passiert!
Das Kleine Wunder klettert wie der Blitz die Leiter hoch, der Opa (etwas gemächlicher) hinterher. Dann stehen beide oben und wenn man erst 5 Jahre alt und gerade mal einen Meter groß ist, dann ist die zweieinhalb Meter hohe Rutsche, wenn man oben steht, auf einmal sehr sehr sehr hoch. Und beängstigend.
Ich sehe, dass das Kleine Wunder den Kopf schüttelt und Anstalten macht, die Leiter wieder hinunter zu klettern.
Der Opa beugt sich zum Kleinen Wunder hinunter und spricht beruhigend auf sie ein. Ich kann nicht verstehen, was er sagt, sehe aber, wie das Kleine Wunder sich langsam auf die Plattform der Rutsche setzt, immer mit dem Kopf nach hinten gewandt, um zu sehen, ob der Opa noch da ist.

Rainer Sturm @ pixelio.de
Rainer Sturm @ pixelio.de

Dann sitzen beide, hinten drängen die anderen Kinder, die auch rutschen wollen. Das Kleine Wunder klammert sich mit beiden Händen an der Reling der Rutsche fest und will nicht loslassen. Doch dann legt plötzlich der Opa seine beiden starken Arme ganz fest um den Bauch des Kleinen Wunders und ich sehe förmlich, wie das Kleine Wunder sich entspannt und die verkrampften Hände von der Reling löst.
Das Kleine Wunder dreht den Kopf nach vorne. Noch immer ist die Rutsche beängstigend hoch, noch immer wartet unten die unbegrenzte Tiefe, Wasser, in dem man weder stehen noch sich irgendwo fest halten kann, noch immer ist der Weg nach unten für das Kleine Wunder wie ein rasender Fall ins Bodenlose …
Noch immer sehe ich Angst in ihrem Gesicht und dennoch, jetzt mit Opas starken Händen, die sie ganz fest umschließen, kann man es ja vielleicht doch wagen, in diese Tiefe zu sausen.
Von Opas Händen hat sie in ihrem Leben bisher nur Gutes und Liebe erfahren, diesen Händen vertraut sie, die werden sie ganz fest und sicher halten.

Ich sehe, wie der Opa sich oben abstößt, beide Hände fest um den Bauch des Kleinen Wunders geschlungen, das Kleine Wunder presst die Augen ganz fest zu, als die Sause los geht und dann erfolgt auch schon das Eintauchen ins Wasser. Aber bevor die Angst über dem Kleinen Wunder zusammen schlägt, reißen Opas Arme das Kleine Wunder aus dem Wasser und heben sie fest und sicher hoch in die Luft!
Und dann breitet sich ein glückliches und strahlendes Lächeln auf dem Gesicht des Kleinen Wunders aus und sie will gleich noch einmal..
Für mich ist das in dieser Situation ein ganz ganz starkes Bild geworden, das mich seitdem nicht mehr los gelassen hat!

Helene-Souza_pixelio.de
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Genau so wie das Kleine Wunder sich den starken zuverlässigen Armen des Opas anvertraut, weil diese Arme, diese Hände nur Liebe und Güte für sie haben, genau so möchte ich mich den starken zuverlässigen Armen meines, unseres Gottes, immer wieder anvertrauen. Weil die Arme meines himmlischen Vaters mich jederzeit umschließen, kann ich, vielleicht mit zusammengekniffenen Augen, aber dennoch vertrauensvoll in die Tiefen meines Lebens fallen in der festen Gewissheit, dass die Arme meines Gottes mich aus dem Strudel reißen, bevor das Wasser über mir zusammen schlägt. Dieser Gott hat gesagt:
Sei getrost und unverzagt! Ich werde dich NIE verlassen und niemals von deiner Seite weichen!
Gottes Vaterarme tragen durch alle Stürme und Untiefen des Lebens!