Mut durch Gewissheit

Von Sabine Weinert

N_Schmitz @ pixelio.de
N_Schmitz @ pixelio.de

In der vergangenen Woche, als es so heiß war, waren wir mit unseren Enkelkindern im Freibad. Die erste Stunde vergeht mit Toben, Spritzen, Tauchen und Plantschen wie im Flug. Dann registriert das Kleine Wunder (5 J.) plötzlich die Wasserrutsche und beobachtet fasziniert, wie die anderen Kinder johlend, lachend und kreischend die Rutsche hinuntersausen ! Das will sie auch! Aber Opa soll mitkommen!
Ich bleibe im Wasser und beobachte von unten, was passiert!
Das Kleine Wunder klettert wie der Blitz die Leiter hoch, der Opa (etwas gemächlicher) hinterher. Dann stehen beide oben und wenn man erst 5 Jahre alt und gerade mal einen Meter groß ist, dann ist die zweieinhalb Meter hohe Rutsche, wenn man oben steht, auf einmal sehr sehr sehr hoch. Und beängstigend.
Ich sehe, dass das Kleine Wunder den Kopf schüttelt und Anstalten macht, die Leiter wieder hinunter zu klettern.
Der Opa beugt sich zum Kleinen Wunder hinunter und spricht beruhigend auf sie ein. Ich kann nicht verstehen, was er sagt, sehe aber, wie das Kleine Wunder sich langsam auf die Plattform der Rutsche setzt, immer mit dem Kopf nach hinten gewandt, um zu sehen, ob der Opa noch da ist.

Rainer Sturm @ pixelio.de
Rainer Sturm @ pixelio.de

Dann sitzen beide, hinten drängen die anderen Kinder, die auch rutschen wollen. Das Kleine Wunder klammert sich mit beiden Händen an der Reling der Rutsche fest und will nicht loslassen. Doch dann legt plötzlich der Opa seine beiden starken Arme ganz fest um den Bauch des Kleinen Wunders und ich sehe förmlich, wie das Kleine Wunder sich entspannt und die verkrampften Hände von der Reling löst.
Das Kleine Wunder dreht den Kopf nach vorne. Noch immer ist die Rutsche beängstigend hoch, noch immer wartet unten die unbegrenzte Tiefe, Wasser, in dem man weder stehen noch sich irgendwo fest halten kann, noch immer ist der Weg nach unten für das Kleine Wunder wie ein rasender Fall ins Bodenlose …
Noch immer sehe ich Angst in ihrem Gesicht und dennoch, jetzt mit Opas starken Händen, die sie ganz fest umschließen, kann man es ja vielleicht doch wagen, in diese Tiefe zu sausen.
Von Opas Händen hat sie in ihrem Leben bisher nur Gutes und Liebe erfahren, diesen Händen vertraut sie, die werden sie ganz fest und sicher halten.

Ich sehe, wie der Opa sich oben abstößt, beide Hände fest um den Bauch des Kleinen Wunders geschlungen, das Kleine Wunder presst die Augen ganz fest zu, als die Sause los geht und dann erfolgt auch schon das Eintauchen ins Wasser. Aber bevor die Angst über dem Kleinen Wunder zusammen schlägt, reißen Opas Arme das Kleine Wunder aus dem Wasser und heben sie fest und sicher hoch in die Luft!
Und dann breitet sich ein glückliches und strahlendes Lächeln auf dem Gesicht des Kleinen Wunders aus und sie will gleich noch einmal..
Für mich ist das in dieser Situation ein ganz ganz starkes Bild geworden, das mich seitdem nicht mehr los gelassen hat!

Helene-Souza_pixelio.de
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Genau so wie das Kleine Wunder sich den starken zuverlässigen Armen des Opas anvertraut, weil diese Arme, diese Hände nur Liebe und Güte für sie haben, genau so möchte ich mich den starken zuverlässigen Armen meines, unseres Gottes, immer wieder anvertrauen. Weil die Arme meines himmlischen Vaters mich jederzeit umschließen, kann ich, vielleicht mit zusammengekniffenen Augen, aber dennoch vertrauensvoll in die Tiefen meines Lebens fallen in der festen Gewissheit, dass die Arme meines Gottes mich aus dem Strudel reißen, bevor das Wasser über mir zusammen schlägt. Dieser Gott hat gesagt:
Sei getrost und unverzagt! Ich werde dich NIE verlassen und niemals von deiner Seite weichen!
Gottes Vaterarme tragen durch alle Stürme und Untiefen des Lebens!

 

 

Eine Antwort auf „Mut durch Gewissheit“

  1. Berührend.. Nun bleibt der Wunsch, die Arme und das Hochreißen zu spüren, so real wie es für das kleine Wunder war.. Nun bleibt der Wunsch, die Erfahrung selbst zu machen, zu spüren, gerade dann, wenn das „zu hoch“ und das „Untergehen“ so stark spürbar sind.. Es bleibt der Wunsch nach den Spüren und Erleben, wenn es es eng wird.. Der Wunsch das wieder zu erleben..

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