Gütesiegel

20170214_065804Ich weiß nicht, ob du auch zu denen gehörst, die am Ende des Winters regelrecht nach Licht dürsten? Ich jedenfalls gehöre eindeutig zu diesen Menschen. Jeder Tag, der die Sonne länger scheinen lässt, ist mir willkommen und macht mir Hoffnung.
Manches Mal schon habe ich überlegt, ob es nicht einfacher wäre, die Wintermonate in Südspanien zu verbringen? Aber: Was soll ich dort ohne meine Familie? Ohne meine Freunde? Da wäre das Leben doch arg trist, trotz Sonnenschein und Wärme.
Vitamin D soll ja helfen, allerdings habe ich festgestellt: Die Sonne geht davon nicht
eher auf und bleibt auch nicht länger zu sehen …

In diesem Winter habe ich eine echte Entdeckung gemacht:

Es gibt ein Mittel, dass extrem aufhellend wirkt – und dabei nur positive Nebenwirkungen hat. Nicht, dass es mir noch nie begegnet wäre! Im Gegenteil, es ist mir schon mein Leben lang bekannt. Aber seine antidepressive Wirkung ist mir zum ersten Mal so richtig bewusst geworden. Und dann habe ich es getestet, ein ums andere Mal. Und tatsächlich, es versagt nie. Es wirkt. Und es hilft, die Stimmung zu heben. Das Herz wird wieder leicht, Freude macht sich breit.
Auch ist mir aufgefallen, dass Menschen, die dieses Mittel häufig und regelmäßig
benutzen, oft Lachfalten haben. Komischerweise ändern selbst schwierige Lebensverhältnisse daran nichts.
Es hat im wahrsten Sinne des Wortes ein echtes „Güte“-siegel verdient! Und es wird
in der Bibel in direktem Zusammenhang mit Freude erwähnt, und zwar im Philipperbrief:
„Freuet euch, und abermals sage ich: Freuet euch! Eure Güte lasst allen Menschen
kundsein! Der Herr ist nahe.“ (Phil. 4,4-5). Jedes Mal, wenn ich einem Mitmenschen
gütig begegne, ihm Gutes sage oder tue, dann freut sich mein Herz und jubelt innerlich.

Warum ist das so?

Weil Gott uns so geschaffen hat, dass wir gemeinschaftlich durchs
Leben gehen. Er, der die Liebe ist, hat uns Menschen nach seinem Bild geschaffen.
Ohne freundliche Zuwendung verkümmern wir. Dabei ist es nicht entscheidend, dass
andere mein Bedürfnis nach Liebe stillen, sondern dass ich den anderen sehe und mit
Verständnis begegne.
„Güte ist die Bereitschaft, dem anderen Gutes zu tun.“ So ist Gott. Und mit dieser Veranlagung hat er uns geschaffen. Leben wir anders, hat das negative Konsequenzen für
uns und unsere Umwelt.
Nun ist es ja keine Güte, wenn ich dem anderen nur Gutes tue, damit es mir besser
geht. Nein, echte Güte kommt von Herzen. Wahre Güte öffnet das Herz weit für den
anderen und wünscht ihm nur das Beste. Sie hofft für ihn, sie freut sich mit ihm und
schenkt ihm gerne, was ihm guttut. Das gilt für alle, die in Südspanien leben und
ebenso für die Nordeuropäer. Es ist nicht in erster Linie die Sonne, die unsere Seele
erhellt, sondern die Liebe Gottes, die in unser Herz ausgeschüttet ist. Wenn sie zu
anderen fließt, geht in uns das Licht an und erleuchtet uns innerlich wie ein Scheinwerfer,
wenn der Strom fließt.

Erlebt:
Joujou_pixelio.de
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An der Tankstellenkasse bildet sich eine längere Schlange, weil eine Kundin sich
nicht entscheiden kann, ob sie noch ein Croissant oder ein Brötchen kaufen will. Auch klappt das Bezahlen nicht richtig. Aus dem „schnell mal eben tanken“, wie ich es mir vorgestellt hatte, wird eine Geduldsprobe. Das wird nicht besser durch eine Gruppe von jungen Männern, die hinter mir steht. Einer von ihnen stöhnt mehrmals laut auf und gibt ungeduldige Sätze von sich. Da erwacht in mir mein Erziehungstalent und ich schaue ihn  bewusst an, damit er etwas freundlicher ist. Aber nun wendet er sich gegen mich und zieht über mich her.

 
Mmh, was soll ich tun? Mir steht schon die nächste „Erziehungsmaßnahme“ vor
Augen, da kommt mir der Gedanke, dass dieser junge Mann vielleicht wirklich wenig
Zeit hat und deshalb so sehr gefrustet ist. Also drehe ich mich um und frage ihn, ob er
vielleicht vor mir dran kommen möchte? Ich mache der ganzen Gruppe Platz. Erst
kapiert er mein Angebot nicht, aber dann kennt sein Erstaunen keine Grenzen. Er ist
wie umgewandelt. Er lächelt mich an und redet fortan höflich.
In mir wird es licht. Und das bleibt auch erst einmal so, selbst als ich schon im Auto
sitze und meine Fahrt fortsetze …

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