Es geht nicht nur mir ans Herz

Es geht mir ans Herz: Zwölf Teenager mit ihrem Betreuer sitzen seit dem 23. Juni in einer Höhle fest. Viele Tage völlig ohne Tageslicht, Nahrung, Kontakt zu ihren Familien – lebendig begraben mit nur einer vagen Hoffnung auf Rettung. Dann wurden sie gefunden, aber der Rettungsweg ist weiterhin ungewiss und gefährlich. Und nun hat einer ihrer Retter sein Leben für sie eingebüßt.
Das geht mir ans Herz. Die Verzweiflung und die Trauer – und auch der Hoffnungsschimmer, der schon wieder anfängt, zu verblassen. Wie halten die Kinder, ihre Eltern und Geschwister, ihre Großeltern das aus? Furchtbar!

Auch das geht mir ans Herz:

Säuglinge, Kinder und Teenager, die im Mittelmeer um ihr Leben kämpfen. Sie erblicken Schiffe, die sie retten könnten – und diese lassen sie links liegen. Ihre Mütter und Väter müssen tatenlos zusehen, während sie selbst in den Fluten ertrinken. Verzweiflung pur!
Andere Boote oder Flugzeuge, deren Besatzungen helfen wollen, werden von europäischen Regierenden festgesetzt. Und so versinken diese Menschen vor unseren Augen – nach einem kurzen Leben, das bereits mehr Leid gesehen hat als ich mit meinen 62 Jahren!

Auch Folgendes geht mir ans Herz,

und ich kann es nicht verstehen: Es gibt Menschen, die auf die Straße gehen, um das Leben Ungeborener im Mutterleib zu schützen (und das ist gut so!), aber sie verweigern Geborenen das Leben in unserer Mitte.

Nun höre ich alle Argumente, warum wir nicht die ganze Welt retten können, unser Volk schützen müssen und Hilfe in den Herkunftsländern der Flüchtlinge schaffen sollten. Alles klingt logisch und ist richtig. Doch es kann keine Antwort sein, dem Leid der Menschen mit Bösem zu begegnen. Denn das ist unsere Hilfeverweigerung: herzlos und böse! Wie kann ich als Christ so reagieren?

Nein, ich weiß keine Lösung.

Aber ich weiß, dass wir nicht gegen Gottes Wort und Willen handeln dürfen: Das ist ebenso keine Option. Wir müssen weiter Antworten suchen. Und beten, dass die Menschen in ganz Europa dem Gott der Liebe ihre Herzen öffnen. Denn dann sähe das Problem völlig anders aus.

Machen wir uns nichts vor: Heute legen wir die Basis für morgen. Wer Herzlosigkeit sät, der wird Unbarmherzigkeit und Gnadenlosigkeit ernten. Armes Europa …

Ich möchte, dass unsere Enkel in einem Europa leben können, in dem Gottes Wesen spürbar ist: Erbarmen mit den Schwachen, Hilfe für die Armen, Freiheit der Gedanken und Meinungen.

Zum Schluss möchte ich noch die Losung von heute in ihrem Zusammenhang anfügen:

„Die Witwe und den Fremden bringen sie um, die Verwaisten morden sie hin. ‚Gott sieht das nicht‘, sagen sie, ‚der Gott Jakobs merkt es nicht.‘
Ihr Dummen im Volk, denkt endlich nach! Wann werdet ihr Schwachköpfe (Entschuldigung, aber das steht hier in der Bibel) nur klug? Der das Ohr gemacht hat, sollte der nicht hören? Der das Auge schuf, sollte der nicht sehen? Der die Völker erzieht, sollte der nicht tadeln, er, der den Menschen Erkenntnis beibringt?“ (Psalm 94, 6-10)

Es geht Gott ans Herz, wenn Jugendliche in Thailand in Not geraten. Es geht Gott ans Herz, wenn Menschen im Mittelmeer elendig ertrinken. Es geht Gott ans Herz, wenn wir unsere Augen und unsere Ohren vor den Ertrinkenden und ihren Schreien verschließen.

Zur Verdeutlichung:

Hinschauen … 

(Eventuell weiterklicken auf „Videos“ > Italienische Häfen)

Wer wird gerettet?

Die vergangene Woche war die tödlichste im Mittelmeer in diesem Jahr. Mindestens 220 Menschen sind ertrunken. Seenotrettung ist kein Verbrechen, sondern humanitäre Verpflichtung – auch für die EU.

Gepostet von Ärzte ohne Grenzen / Médecins Sans Frontières (MSF) am Montag, 2. Juli 2018

Eine Antwort auf „Es geht nicht nur mir ans Herz“

  1. Mein Herz hat schwer mit dieser Poltik des Wegschauens zu kämpfen.
    „Ich habe es nicht gewusst“ werde ich meinen Enkeln nicht sagen, doch wie kann ich die richtigen Herzen anstoßen, sich für die Not zu öffnen?

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