Das Jahr spiegelt das Leben

Ziemlich unbemerkt von den meisten Menschen ist das alte Jahr zu Ende gegangen. Ohne Feiern und ohne Feuerwerk hat es sich verabschiedet und ist leise dem neuen gewichen.

Auch ich hätte den Wechsel kaum wahrgenommen, hätte ich nicht heute Morgen meine Losungs-App geöffnet und gelesen: „Beginn des neuen Kirchenjahres“.

RainerSturm@pixelio.de

Das hat mich zum Nachdenken gebracht. Was ist mir eigentlich wichtig im Jahresreigen? Die einzelnen Monate, die Anzahl der Tage? Ist das Jahr – wie auch das Leben selbst – nur eine Addition von Wochen? Oder steht nicht eher die christliche Botschaft sinngebend hinter dem einen wie dem anderen?

Unsere Feiertage bringen diese Botschaft jeweils auf den Punkt: die Wartezeit auf unseren Erlöser, Jesu Geburt, meine Rettung durch sein Sterben und seine Auferstehung, das Geschenk seines Geistes? Auch der Dank für eine gute Ernte, für unsere Versorgung mit allem Nötigen durch Gott? Die Besinnung auf die Ewigkeit am Ende des jährlichen Kreises?

Bei alledem gefällt mir das Motto, das stets am ersten Sonntag des Kirchenjahres (dem ersten Advent) mit Sacharja 9,9 verkündet wird: „Siehe, dein König kommt zu dir, ein Gerechter und ein Helfer.“

Georg Weissel führt diesen Vers erklärend aus:

Er ist gerecht, ein Helfer wert;
Sanftmütigkeit ist sein Gefährt,
sein Königskron ist Heiligkeit,
sein Zepter ist Barmherzigkeit;
all unsre Not zu End er bringt,
derhalben jauchzt, mit Freuden singt:
„Gelobet sei mein Gott, mein Heiland groß von Tat.“

Interessant ist, dass selbst die meteorologischen Jahreszeiten exakt zum christlichen Jahresrund passen:

Den Auftakt bildet der Advent, der in den Winter fällt, in dem alles abgestorben zu sein scheint. Da warten wir Menschen auf neues Leben, sehnen uns nach Licht. Wir wünschen uns Wärme im Angesicht der Kälte, die uns mal mehr, mal weniger auch im eigenen Leben umgibt.
Da tröstet die Losung: „Siehe, dein König kommt zu dir, ein Gerechter und ein Helfer.“

Der Frühling besiegt die letzten Hinweise auf Sterben und Tod: Gelbe Krokusse schieben sich durch vertrocknetes Laub. Über die Erde legt sich eine grüne Decke und das Morgenkonzert der Amseln und Meisen löst die bisherige Stille des Winters ab. Karfreitag – Ostern – Himmelfahrt und Pfingsten: Wir feiern die Erlösung, die vom Tod zum überfließenden Leben führt.
Das Motto stimmt: „Siehe, dein König kommt zu dir, ein Gerechter und ein Helfer.“

Der Sommer gibt Raum zum Genießen. Alles reift, die Tage sind lang und hell, die Begegnungen zwischen uns Menschen ergeben sich wie von selbst: Wir verbringen unsere Zeit gerne draußen, sehen und hören einander. Aber in allen Vorteilen stecken auch leicht die zu hohen Erwartungen mit ihren zwangsläufigen Enttäuschungen: Regen, Hitze, Gewitter – genauso wie im schon reifer werdenden Leben.
Doch auch jetzt gilt: „Siehe, dein König kommt zu dir, ein Gerechter und ein Helfer.“

VolkerMühlenbruch@pixelio.de

Und endlich meldet sich der Herbst an. Mit der Ernte krönt Gott das Jahr mit seiner Güte (so formulierte es einst ein biblischer Liedermacher) – und wir danken es unserem Schöpfer! Und wie nun die Bäume das Chlorophyll der Blätter in die Wurzeln verlagern, um diese für den Winter zu stärken, so tun auch wir Menschen gut daran, unsere Energie in unsere Wurzeln zu stecken und nicht zu sehr für unser jugendliches Erscheinen zu verwenden.
In dieser Jahres- wie Lebenszeit wird die Umgebung langsam trister, doch im Angesicht der Ewigkeit greift die Losung ganz neu:
„Siehe, dein König kommt zu dir, ein Gerechter und ein Helfer.“

 

Macht hoch die Tür, die Tür macht weit, 

es kommt der Herr der Herrlichkeit,
ein König aller Königreich,
ein Heiland aller Welt zugleich,
der Heil und Leben mit sich bringt;
derhalben jauchzt, mit Freuden singt:
Gelobet sei mein Gott,
mein Schöpfer reich von Rat.

Er ist gerecht, ein Helfer wert;
Sanftmütigkeit ist sein Gefährt,
sein Königskron ist Heiligkeit,
sein Zepter ist Barmherzigkeit;
all unsre Not zum End er bringt,
derhalben jauchzt, mit Freuden singt:
Gelobet sei mein Gott,
mein Heiland groß von Tat.

O wohl dem Land, o wohl der Stadt,
so diesen König bei sich hat.
Wohl allen Herzen insgemein,
da dieser König ziehet ein.
Er ist die rechte Freudensonn,
bringt mit sich lauter Freud und Wonn.
Gelobet sei mein Gott,
mein Tröster früh und spat.

Macht hoch die Tür, die Tor macht weit,
eu’r Herz zum Tempel zubereit’.
Die Zweiglein der Gottseligkeit
steckt auf mit Andacht, Lust und Freud;
so kommt der König auch zu euch,
ja, Heil und Leben mit zugleich.
Gelobet sei mein Gott,
voll Rat, voll Tat, voll Gnad.

Komm, o mein Heiland Jesu Christ,
meins Herzens Tür dir offen ist.
Ach zieh mit deiner Gnade ein;
dein Freundlichkeit auch uns erschein.
Dein Heilger Geist uns führ und leit
den Weg zur ewgen Seligkeit.
Dem Namen dein, o Herr,
sei ewig Preis und Ehr.

(Georg Weissel)

 

 

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