Ach du Schreck!

20160526_134146Darf ich vorstellen: Das ist unsere Ringelnatter! Im letzten Sommer entdeckten wir uns gegenseitig. Wir waren beide etwas verblüfft. Sie wollte sich auf unserer Terrasse sonnen, während ich dort in ein Buch vertieft war. Aus dem Augenwinkel hatte ich eine Bewegung wahrgenommen, woraufhin meine erschrockene Reaktion sie in Alarmbereitschaft setzte. So starrten wir uns ein paar Sekunden an, bevor sie geräuschlos in die Hecke zurückglitt.

Dieses Jahr beglückte sie uns bereits drei Mal. Vorgestern genoss sie neben unserer Terrassentür die Sonne. Ich trat heraus und hörte einen zischelnden Laut. Als ich mich umdrehte, sah ich nur noch, wie sie sich unter den Putz unseres Hauses flüchtete.

IMG_20160526_134127Was soll ich tun? Sie ist völlig ungefährlich, sieht richtig schön aus und steht unter Naturschutz. Trotzdem ging ich in den vergangenen Tagen immer mit einem suchenden Blick durch unseren Garten und versuchte, eine direkte Begegnung zu vermeiden. Meine Lauscher sind inzwischen auf zischelnde Geräusche geeicht. Und tatsächlich, als ich gestern Abend um unsere Hausecke kam, hörte ich es wieder … Meine Augen fahndeten an der Hauswand entlang nach dem Reptil, als ich auch schon eine Bewegung an der Terrassentür bemerkte. Erschrocken zuckte ich zusammen – und erkannte meinen Mann, der sich lachend in der Sprache der Schlangen übte. (Er hat es überlebt 🙂 )

Ist es nicht erschreckend, wie beeinflussbar wir Menschen sind? Unsere Gedanken und Sinne sind auf eine bestimmte Sache gerichtet – und wie schnell erkennen wir die Wahrheit nicht mehr. Statt von der größeren Wahrscheinlichkeit auszugehen, dass meine bessere Hälfte in der Tür steht, erwarte ich ein relativ seltenes Tier.

In diesem Zusammenhang beschäftigt mich eine Überlegung. Kann es sein, dass wir Gott manchmal gar nicht wahrnehmen, weil wir nicht mit ihm rechnen? Oder weil wir sein Reden zu uns verkehrt deuten? Nicht, dass er sich wie mein Mann einen Scherz erlaubt und uns irreführt. Nein, sondern wir alle sind Kinder unserer Zeit und unsere Vorstellungen sind geprägt durch unsere Gesellschaft.

Ein Beispiel:

Bei uns gilt in der Kindererziehung ein Klaps auf den Windelpo schon als Menschenrechtsverletzung. (Bitte versteht mich nicht falsch: Ich bin gegen Gewaltanwendung in jeglicher Form!)

Dieter Schütz @ pixelio.de
Dieter Schütz @ pixelio.de

Aber manchmal entspricht es durchaus der Liebe, einem Kind deutlich zu machen, dass eine heiße Herdplatte oder ein zugefrorener See gefährlich werden können.

Mit dieser Voreinstellung, dass alles, was mich traurig macht oder mich behindert, nicht von Gott kommt, werde ich sein Führen in meinem Leben nicht immer erkennen. Wenn ich Gott nur als denjenigen ansehe, der für mein Glück zuständig ist, werde ich sein Handeln, das auf unser aller Heil abzielt, oft nicht registrieren.

Und kann es nicht sein, dass manch ein Christ deshalb ins Krankenhaus oder in die Psychiatrie muss, weil Gott ihn als seinen Boten dorthin schickt? Denn nur ein Kranker kann glaubhaft anderen Kranken Gottes Frohe Botschaft weitergeben.

So lässt Gott manches in unserem Leben zu, weil er das Beste für alle im Sinn hat. Dieses Denken jedoch passt nicht in unsere Zeit, wo der Einzelne im Fokus steht – oder wo nur das Gesunde, Fitte oder Heile als gut angesehen wird.

Nein, ich sehne mich wirklich nicht nach diesen Erfahrungen. Aber wenn ich sie doch mache, will ich die Brille meiner Tradition oder des Zeitgeistes ablegen. Ich will versuchen, die Augen für Gottes Wahrheit zu öffnen. Vielleicht erkenne ich ihn und kann dann erleichtert „Ja“ zu ihm sagen, obwohl ich mich erst einmal erschrocken habe.

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