Mit dem Kopf durch die Wand

Jeger@pixelio.de
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Vor fast 40 Jahren habe ich sie bekommen …

… und genau so lange habe ich mit ihr gerungen: Einerseits umgarnte ich sie und hoffte auf ihre Gnade, andererseits verwünschte ich sie innerlich, weil sie mich in den Wahnsinn trieb. Durch ihre störrische Art stachelte sie meine cholerische Seite immer wieder an, lehrte mich aber gleichzeitig Geduld.

Beinahe hätte ich sie zum alten Eisen geworfen, als mir eine Neue angeboten wurde: Deren Leichtigkeit imponierte mir. Sie versprach, dass alles nun unkomplizierter und wie am Schnürchen klappen würde.

So startete ich voller Hoffnung einen Versuch – der sich zur wahren Versuchung meiner hart errungenen Geduld entpuppte: Die Neue war weder hilfreicher noch weniger stur. Da blieb ich doch lieber meiner Alten treu, denn sie war all die Jahre bei mir geblieben und hatte stets bewiesen: Mit ihr klappt es zwar nicht optimal, aber immerhin beständig. Ach, meine gute, alte Nähmaschine …

Einen Tag nach dieser letzten missglückten Handarbeit unterhielt ich mich mit unserer Tochter über den Versuch, ein paar Kissen zu schneidern.

Tony Hegewald @ pixelio.de
Tony Hegewald @ pixelio.de

Bloß zwei Fragen stellte sie mir: Hattest du die passende Nadel genommen? Und hattest du die entsprechende Stichart gewählt? Bei Jersey …

Oh, da habe ich wohl verwechselt, wer stur ist: Nicht die Nähmaschine, sondern ich war starrsinnig! Obwohl es offensichtlich war, dass es nicht klappte, habe ich es fortwährend auf dieselbe Weise versucht. Sinnlos immer wieder neu probiert, quasi mit dem Kopf durch die Wand! Heraus kamen nur Frust und ein zweitklassiges Ergebnis.

Für echte Nähprofis mag mein Verhalten unverständlich sein, da sie sofort gewusst hätten, was angesagt ist. Aber meine Fähigkeiten liegen eher im Reparieren einer Nähmaschine als im Benutzen derselben.

Ich habe mich gefragt, ob ich nur beim Nähen so dickköpfig bin?

Hole ich mir nur in dieser Disziplin innere Blessuren, weil ich es partout auf meine Art machen will? Ich fürchte: Nein! Situationen, in denen etwas nicht so funktioniert, wie ich es gerne hätte, machen mich kribbelig. Am liebsten hätte ich sie schon gestern erledigt und geklärt. Und nach wie vor würde ich stets mit dem Kopf zuerst durch die Wand rennen, hätte ich nicht doch ein bisschen Lebenserfahrung gesammelt: Bete erst einmal – und dann sieh, wie Gott die Bahn ebnet.

Genau an diesem Punkt erlebe ich die meisten Wunder. Fast immer, wenn ich ohnmächtig vor einer Situation stehe, meine Machtlosigkeit Gott gegenüber eingestehe und um seine Hilfe bitte, greift er ein. Wie oft bin ich erstaunt, weil sich plötzlich und auf wunderbare Art der Knoten löst.

Auf diese Weise …

… hat der Pflegesohn einer befreundeten Familie einen Kindergartenplatz bekommen, obwohl es keinen mehr gab.

…. wurde unsere Tochter damals eingeschult, obgleich ihr die Schulärztin wegen mangelnder Zentimeter ein ‚o. k.‘ nicht geben wollte (warum bloß tat sie es doch?).

… bekamen wir bei allen Umzügen eine Wohnung, wie wir sie nicht besser hätten finden können.

… löste sich der Streitfall zwischen zwei Bekannten wie eine Seifenblase in Luft auf.

… besserte sich die Legasthenie eines Nachhilfeschülers schlagartig.

… und, und, und …

Inzwischen frage ich mich in entsprechenden Situationen: „Habe ich die Macht, selber etwas zu tun?“ Lautet die Antwort: „Nicht wirklich …“, dann lege ich den Fall zu Gottes Akten mit dem Vermerk: „Ich kann’s nicht!“ Und sogar wenn ich etwas ausrichten kann, bete ich erst einmal. Anschließend gehe ich die Sache an oder schaue gelassen zu, wie Gott die Angelegenheit löst.

naehmaschineNur bei der Nähmaschine, da reagiere ich noch recht kindisch und hole mir keine Hilfe, sondern versuche trotzig, meinen Willen durchzusetzen. Aber vielleicht lerne ich auch hier eines Tages, dass ich mir und meiner Umwelt diesen Stress ersparen kann.

Weichenstellung

Erich Westendarp@pixelio.de
Erich Westendarp@pixelio.de

Es traf uns fast der Schlag. Wir saßen an jenem Herbstabend gemütlich im Wohnzimmer und schauten uns die Nachrichten an. Doch plötzlich ging ein Ruck durch uns. Wir beugten uns ungläubig nach vorn, als würden wir sonst die Meldung verpassen. Was wir da sahen und hörten, berührte unser Herz zutiefst, weil es unsere eigene Vergangenheit betraf: Die zurückliegenden zehn Jahre, quasi unser erstes Ehejahrzehnt, in dem wir zur Familie herangewachsen waren.

Diese Zeit besaß für uns seit kurzem Vergangenheitscharakter, denn wir hatten sie durch einen Umzug hinter uns gelassen: Von West-Berlin aus hatten wir uns in eine freie Welt katapultiert. Die Erinnerungen an die damals eingemauerte Stadt waren jedoch nach wie vor frisch:

Lisa Spreckelmeyer_pixelio.de
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Wenn wir sonntags auf die Idee kamen, in die Natur zu fahren, so trafen wir dort stets die übrigen Berliner, die den gleichen Einfall gehabt hatten …
Wenn wir unsere Eltern in ‚Westdeutschland‘ besuchen wollten, so mussten wir jeweils zwei Grenzen überwinden – mit beachtlichen Wartezeiten. Wie oft hatten wir unser Auto Meter für Meter der Grenzkontrolle näher geschoben, um nicht den Motor stundenlang laufen zu lassen? Ebenso verfuhren die anderen Transitfahrer hinter und vor uns und in den zehn weiteren Warteschlangen neben uns, ganz nach der Devise: ‚Wer seine Atemluft liebt, der schiebt.‘ Derweil saßen unsere Kinder in ihren Sitzen und fragten ungeduldig, ob wir denn bald am Ziel wären? Doch das lag noch etliche 100 Kilometer entfernt …

Und nun sahen wir auf der Mattscheibe die geöffneten Grenzen! Westberliner empfingen die Trabbis mit einem riesigen Jubel und schlugen vor Freude auf die Dächer der Wartburgs. Die Ostberliner konnten ihre Freiheit kaum fassen. Alle lagen sich in den Armen – und uns übermannte die Rührung. Das hätten wir nicht gedacht! Das hätten wir uns noch vor Kurzem nicht träumen oder uns ausmalen können! Wenn es nicht die Tagesschau gezeigt hätte, wir hätten es nicht geglaubt.

Das Ganze liegt nun 27 Jahre zurück und ist für uns doch unvergesslich. Wir Westberliner durften ja immer überallhin reisen. Die Bürger der damaligen DDR allerdings saßen wirklich fest. Eine Mauer markierte das Ende ihrer Bewegungsfreiheit. Sie zeigte unmissverständlich, dass sie gefangen waren und einer Ordnung gehorchen mussten, der sie nicht entkommen konnten.
Dass das für sie nicht einfach war, bewiesen die lebensgefährlichen Fluchtversuche, die leider oft mit dem Tod endeten.

Ruth Rudolph@pixelio.de
Ruth Rudolph@pixelio.de

Die weißen Kreuze an der Spree in der Nähe des Reichstags erinnerten permanent an diese Verzweiflung: Bespitzelung fror jede Meinungsfreiheit ein. Gleichmacherei unterdrückte freie Religionsausübung wie politische Vielfalt. Enteignung brach den Willen zur Investition. Gedanken wurden in feste Bahnen gezwängt. Die Reiselust lenkte man in ‚Bruderländer‘. Der 5-Jahresplan gab das Ergebnis vor, hinter der die Realität doch oft zurückblieb. Schlange stehen für Orangen und Bananen war die Folge.

Allerdings keimte an diesem 9. November 1989 Hoffnung auf: Die Freiheit winkte, und die Menschen strömten in Scharen über die Grenze.

Wie war es dazu gekommen? Seltsam, dass die Hintergründe so schnell in Vergessenheit geraten. Oder kann nicht sein, was nicht sein darf? Dann sind wir nicht besser als die ehemaligen Kursbestimmer der DDR: Gott gibt es nicht!? Die Wende ist politisch herbeigeführt worden!?
Warum aber haben dann damals Tausende montags zusammen um Befreiung gebetet? Und bekamen den Mut zur friedlichen, gewaltlosen Demonstration? Und plötzlich steht ein russischer Politiker ihnen zur Seite? Wann gab es das denn jemals zuvor? Und jemals wieder danach? Und wieso waren wir alle so positiv geschockt von den Nachrichten, mit denen wir doch im Tiefsten niemals gerechnet hätten?!

Bei jeder Gebetserhörung zweifeln wir im Nachhinein an Gott: „Das wäre sicher auch von alleine gekommen.“ Aber solche zahllosen guten Wendungen, die in meinem Leben und dem Leben anderer nach ernsthaftem Gebet geschehen sind, wären für mich zu viele Zufälle. Manches Problem war für uns Menschen nicht zu lösen, aber Gott hat gnädig eingewirkt.

FranziH_pixelio.de
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Ich finde es ideal, dass der Tag der Deutschen Einheit direkt anschließend an das Erntedankfest gefeiert wird: Da will ich mich freuen über Gottes Eingreifen in unsere Geschichte. Und will wie die Montagsdemonstranten mutig für unsere Politiker und ihre momentanen Herausforderungen beten. Gott macht den Unterschied, wenn wir ihn nur bitten. Er stellt Weichen neu und ändert die Richtung.

Wimmelbilder

Vor ein paar Tagen haben uns unsere Enkel besucht. Hei, was spielte sich hier für ein Leben ab! Zusammen mit einigen Nachbarskindern sausten sie mit ihren Rollern über den Platz zwischen den Häusern. Die zwei Kleinsten benutzten Bobbycars und demonstrierten ihr unterschiedliches Wesen: Während der eine geradewegs auf das Ziel zuhielt, musste die andere alles im Blick behalten und fuhr dabei gefährliche Schlangenlinien. Die Großen legten es auf Beinahe-Unfälle an und übten Slalomfahren. Natürlich alles mit Tempo und viel Gejohle … Jeder, wie es ihm entsprach.

photo_2016-08-12_09-31-46Ich glaube, Gott liebt Wimmelbilder. Schon während der Schöpfung dieser Welt sagte er über die Fische und Vögel: „Es wimmle eine Vielfalt von Arten!“ Einerlei, Gleichmacherei und Gleichschritt sind eine Erfindung der Menschen. Wir legen gerne fest, welche „Kragenweite“ gerade in ist und ob heute Mini oder Maxi getragen wird. Meinungsfreiheit wird seltsamerweise durch die Parole „Toleranz“ schnell zum Diktat:

twinlili@pixelio.de
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Wehe, ich denke anders als das Gros der Gesellschaft! Und vom Diktat ist es nur ein kleiner Schritt zur Diktatur: Plötzlich bestimmen Minderheiten unsere Moral und lassen keine weitere Meinung zu.

Vielfalt? Wir Erdenbewohner haben zwar die Evolution als Erklärungsmodell für Gottes Schöpfung erfunden: Aus wenigem soll sich viel entwickelt haben. Tatsächlich hat aber der Mensch durch sein Verhalten von Anfang an dafür gesorgt, dass es eine rückwärts gerichtete Evolution gibt: Aus einer ehemals unendlich facettenreichen Natur sterben immer mehr Arten aus.

Gott ist anders als wir Menschen. Sogar seine ethische Ordnung lässt großen Spielraum für unsere Lebensgestaltung. Gerade mal in zwei Geboten fasst er seinen Willen zusammen:
1) Liebe Gott von ganzem Herzen, ganzer Seele, ganzem Verstand und ganzer Kraft.
2) Liebe deinen Mitmenschen so, wie du dich selbst liebst.

Wir sollen den Gott lieben, der selber uns Menschen unermesslich liebt! Weshalb sonst ist er einer von uns geworden, hat mit uns Menschen gelebt und uns gezeigt, wie barmherzig er ist? Er litt für uns, um unsere Schuld zu sühnen! Er starb, nicht weil wir Gerechte waren, sondern weil wir seine Feinde waren. Und manch einer ist das auch heute noch. Doch Gott lässt sich von seiner Liebe zu uns nicht abbringen.

Gott möchte liebevolle Beziehungen – zu uns und zwischen den Menschen.

1468756523131[1]Machen wir einfach einmal die Probe: Würde das Leben auf der Welt gelingen, wenn alle Erdenbürger diese beiden Gebote der Liebe befolgten? Wir hätten das Paradies! Wir lebten in beständiger Sicherheit. Jeder könnte seine Gedanken äußern und nach seinem Geschmack leben, weil wir den Mitmenschen nicht mehr verletzen wollten. Wir erlebten eine außerordentliche Vielfalt und würden sie in unseren Gemeinschaften genießen. Unser Zusammenleben würde uns unendlich bereichern. Und selbst die Natur um uns herum würde davon profitieren.

Was hindert uns, hier schon ein Stück Himmel auf Erden zu verwirklichen – um dann einmal ganz da zu anzukommen, wo Gott – die Liebe schlechthin – ausnahmslos regiert?! Nur zwei Gebote führen dahin. Es sind zwei Fragen, die uns leiten: Ist mein Verhalten ein Ausdruck meiner Liebe zu diesem Gott? Und: Demonstriert mein Handeln und mein Reden meine Liebe zu meinen Mitmenschen?

Mut durch Gewissheit

Von Sabine Weinert

N_Schmitz @ pixelio.de
N_Schmitz @ pixelio.de

In der vergangenen Woche, als es so heiß war, waren wir mit unseren Enkelkindern im Freibad. Die erste Stunde vergeht mit Toben, Spritzen, Tauchen und Plantschen wie im Flug. Dann registriert das Kleine Wunder (5 J.) plötzlich die Wasserrutsche und beobachtet fasziniert, wie die anderen Kinder johlend, lachend und kreischend die Rutsche hinuntersausen ! Das will sie auch! Aber Opa soll mitkommen!
Ich bleibe im Wasser und beobachte von unten, was passiert!
Das Kleine Wunder klettert wie der Blitz die Leiter hoch, der Opa (etwas gemächlicher) hinterher. Dann stehen beide oben und wenn man erst 5 Jahre alt und gerade mal einen Meter groß ist, dann ist die zweieinhalb Meter hohe Rutsche, wenn man oben steht, auf einmal sehr sehr sehr hoch. Und beängstigend.
Ich sehe, dass das Kleine Wunder den Kopf schüttelt und Anstalten macht, die Leiter wieder hinunter zu klettern.
Der Opa beugt sich zum Kleinen Wunder hinunter und spricht beruhigend auf sie ein. Ich kann nicht verstehen, was er sagt, sehe aber, wie das Kleine Wunder sich langsam auf die Plattform der Rutsche setzt, immer mit dem Kopf nach hinten gewandt, um zu sehen, ob der Opa noch da ist.

Rainer Sturm @ pixelio.de
Rainer Sturm @ pixelio.de

Dann sitzen beide, hinten drängen die anderen Kinder, die auch rutschen wollen. Das Kleine Wunder klammert sich mit beiden Händen an der Reling der Rutsche fest und will nicht loslassen. Doch dann legt plötzlich der Opa seine beiden starken Arme ganz fest um den Bauch des Kleinen Wunders und ich sehe förmlich, wie das Kleine Wunder sich entspannt und die verkrampften Hände von der Reling löst.
Das Kleine Wunder dreht den Kopf nach vorne. Noch immer ist die Rutsche beängstigend hoch, noch immer wartet unten die unbegrenzte Tiefe, Wasser, in dem man weder stehen noch sich irgendwo fest halten kann, noch immer ist der Weg nach unten für das Kleine Wunder wie ein rasender Fall ins Bodenlose …
Noch immer sehe ich Angst in ihrem Gesicht und dennoch, jetzt mit Opas starken Händen, die sie ganz fest umschließen, kann man es ja vielleicht doch wagen, in diese Tiefe zu sausen.
Von Opas Händen hat sie in ihrem Leben bisher nur Gutes und Liebe erfahren, diesen Händen vertraut sie, die werden sie ganz fest und sicher halten.

Ich sehe, wie der Opa sich oben abstößt, beide Hände fest um den Bauch des Kleinen Wunders geschlungen, das Kleine Wunder presst die Augen ganz fest zu, als die Sause los geht und dann erfolgt auch schon das Eintauchen ins Wasser. Aber bevor die Angst über dem Kleinen Wunder zusammen schlägt, reißen Opas Arme das Kleine Wunder aus dem Wasser und heben sie fest und sicher hoch in die Luft!
Und dann breitet sich ein glückliches und strahlendes Lächeln auf dem Gesicht des Kleinen Wunders aus und sie will gleich noch einmal..
Für mich ist das in dieser Situation ein ganz ganz starkes Bild geworden, das mich seitdem nicht mehr los gelassen hat!

Helene-Souza_pixelio.de
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Genau so wie das Kleine Wunder sich den starken zuverlässigen Armen des Opas anvertraut, weil diese Arme, diese Hände nur Liebe und Güte für sie haben, genau so möchte ich mich den starken zuverlässigen Armen meines, unseres Gottes, immer wieder anvertrauen. Weil die Arme meines himmlischen Vaters mich jederzeit umschließen, kann ich, vielleicht mit zusammengekniffenen Augen, aber dennoch vertrauensvoll in die Tiefen meines Lebens fallen in der festen Gewissheit, dass die Arme meines Gottes mich aus dem Strudel reißen, bevor das Wasser über mir zusammen schlägt. Dieser Gott hat gesagt:
Sei getrost und unverzagt! Ich werde dich NIE verlassen und niemals von deiner Seite weichen!
Gottes Vaterarme tragen durch alle Stürme und Untiefen des Lebens!

 

 

Ach du Schreck!

20160526_134146Darf ich vorstellen: Das ist unsere Ringelnatter! Im letzten Sommer entdeckten wir uns gegenseitig. Wir waren beide etwas verblüfft. Sie wollte sich auf unserer Terrasse sonnen, während ich dort in ein Buch vertieft war. Aus dem Augenwinkel hatte ich eine Bewegung wahrgenommen, woraufhin meine erschrockene Reaktion sie in Alarmbereitschaft setzte. So starrten wir uns ein paar Sekunden an, bevor sie geräuschlos in die Hecke zurückglitt.

Dieses Jahr beglückte sie uns bereits drei Mal. Vorgestern genoss sie neben unserer Terrassentür die Sonne. Ich trat heraus und hörte einen zischelnden Laut. Als ich mich umdrehte, sah ich nur noch, wie sie sich unter den Putz unseres Hauses flüchtete.

IMG_20160526_134127Was soll ich tun? Sie ist völlig ungefährlich, sieht richtig schön aus und steht unter Naturschutz. Trotzdem ging ich in den vergangenen Tagen immer mit einem suchenden Blick durch unseren Garten und versuchte, eine direkte Begegnung zu vermeiden. Meine Lauscher sind inzwischen auf zischelnde Geräusche geeicht. Und tatsächlich, als ich gestern Abend um unsere Hausecke kam, hörte ich es wieder … Meine Augen fahndeten an der Hauswand entlang nach dem Reptil, als ich auch schon eine Bewegung an der Terrassentür bemerkte. Erschrocken zuckte ich zusammen – und erkannte meinen Mann, der sich lachend in der Sprache der Schlangen übte. (Er hat es überlebt 🙂 )

Ist es nicht erschreckend, wie beeinflussbar wir Menschen sind? Unsere Gedanken und Sinne sind auf eine bestimmte Sache gerichtet – und wie schnell erkennen wir die Wahrheit nicht mehr. Statt von der größeren Wahrscheinlichkeit auszugehen, dass meine bessere Hälfte in der Tür steht, erwarte ich ein relativ seltenes Tier.

In diesem Zusammenhang beschäftigt mich eine Überlegung. Kann es sein, dass wir Gott manchmal gar nicht wahrnehmen, weil wir nicht mit ihm rechnen? Oder weil wir sein Reden zu uns verkehrt deuten? Nicht, dass er sich wie mein Mann einen Scherz erlaubt und uns irreführt. Nein, sondern wir alle sind Kinder unserer Zeit und unsere Vorstellungen sind geprägt durch unsere Gesellschaft.

Ein Beispiel:

Bei uns gilt in der Kindererziehung ein Klaps auf den Windelpo schon als Menschenrechtsverletzung. (Bitte versteht mich nicht falsch: Ich bin gegen Gewaltanwendung in jeglicher Form!)

Dieter Schütz @ pixelio.de
Dieter Schütz @ pixelio.de

Aber manchmal entspricht es durchaus der Liebe, einem Kind deutlich zu machen, dass eine heiße Herdplatte oder ein zugefrorener See gefährlich werden können.

Mit dieser Voreinstellung, dass alles, was mich traurig macht oder mich behindert, nicht von Gott kommt, werde ich sein Führen in meinem Leben nicht immer erkennen. Wenn ich Gott nur als denjenigen ansehe, der für mein Glück zuständig ist, werde ich sein Handeln, das auf unser aller Heil abzielt, oft nicht registrieren.

Und kann es nicht sein, dass manch ein Christ deshalb ins Krankenhaus oder in die Psychiatrie muss, weil Gott ihn als seinen Boten dorthin schickt? Denn nur ein Kranker kann glaubhaft anderen Kranken Gottes Frohe Botschaft weitergeben.

So lässt Gott manches in unserem Leben zu, weil er das Beste für alle im Sinn hat. Dieses Denken jedoch passt nicht in unsere Zeit, wo der Einzelne im Fokus steht – oder wo nur das Gesunde, Fitte oder Heile als gut angesehen wird.

Nein, ich sehne mich wirklich nicht nach diesen Erfahrungen. Aber wenn ich sie doch mache, will ich die Brille meiner Tradition oder des Zeitgeistes ablegen. Ich will versuchen, die Augen für Gottes Wahrheit zu öffnen. Vielleicht erkenne ich ihn und kann dann erleichtert „Ja“ zu ihm sagen, obwohl ich mich erst einmal erschrocken habe.

Mut

Hab Mut!

Als ich heute Morgen ins Wohnzimmer kam, sah ich sofort, dass sie den Kopf hängen ließ. Mir war zwar schleierhaft, wieso, denn gestern Abend schien sie noch fit zu sein. Sie war auch die Einzige in der Gesellschaft, die so mitleiderregend aussah. Alle anderen Tulpen in der Vase standen aufrecht und blühten fröhlich vor sich hin.Tulpe schlapp 1

Also nahm ich sie heraus, schnitt ein Stück vom Stängel ab und stellte sie erneut in frisches Wasser. Und das Wunder geschah: Gegen Mittag hatte sie sich vollständig aufgerichtet. Wow, beeindruckend!

Unsere Generation scheint mir wie eine Blumenvase voll durstiger Tulpen zu sein: Aus verschiedenen Anlässen verschließen wir uns der Furchtlosigkeit. Statt den Blick auf Gott und seine Macht zu richten, sehen wir in erster Linie auf unsere eingeschränkten Möglichkeiten. So dauert es gar nicht lange und wir lassen den Kopf mutlos sinken.

Der Anstoß zu dieser unseligen Verhaltensweise kann ein Gespräch mit einer Kollegin sein. Ganz normal beginnt es, bis plötzlich unterschiedliche Sichtweisen auftreten. Wir versuchen, die andere zu überzeugen, doch die Standpunkte verfestigen sich zu Bastionen. Zwar gehen wir noch freundlich auseinander, aber innerlich diskutieren wir weiter: Erst Stunden, dann Tage. Längst geht es nicht mehr um die eigentliche Frage, sondern um unser Rechthaben. Die Kontrahentin wird als Bedrohung der eigenen Überzeugung wahrgenommen. Dadurch wird die Zufuhr zur Unerschrockenheit blockiert. Innerlich vertrocknen wir, sind geknickt und lassen den Kopf mutlos hängen.

Oder uns beschäftigt ein gesundheitliches Problem. Die Idee, dass es gefährlich werden könnte, setzt sich fest. Unsere Gedanken drehen sich wie ein Karussell um diese eine Sache. Wir haben nicht mehr die Muße oder Ruhe, unsere Mutreserven aufzufüllen. Wir lassen den Kopf mutlos sinken.

Terroranschläge, Flüchtlinge in großer Zahl, Rechtsruck in der Gesellschaft: Wir werden bombardiert mit schlechten Nachrichten und lassen uns wie ein Opfer von der Schlange in den Bann ziehen. Statt den Blick zu Gott hoffnungsvoll zu heben, lassen wir den Kopf mutlos sinken.

Eins der schönsten Gebote Gottes steht in Josua 1:
»Habe ich dir nicht geboten, dass du stark und mutig sein sollst? Sei unerschrocken und sei nicht verzagt; denn der Herr, dein Gott, ist mit dir überall, wo du hingehst!« (Vers 9).

Tulpe 2Gott gebietet nicht nur Josua damals, sondern genauso auch uns heute: »Sei zuversichtlich! Sei beherzt! Du stehst zwar vor einem unüberwindlichen Problem, aber ich befinde mich direkt neben dir. Sage mir deine Befürchtungen. Bitte mich darum, dass ich die Sache in Ordnung bringe.«

Freilich mussten die führenden Israeliten seinerzeit den ersten Schritt im Vertrauen auf Gott tun und bekamen dabei nasse Füße. Doch er ließ sich nicht lumpen und schaffte den Weg durch den Fluss.

Diese Erfahrung mache ich durchgängig: Erst erstarre ich vor einer Nachricht. Oder mein Herz verkrampft sich wegen einer Kontroverse. Dann allerdings erinnere ich mich an meinen mächtigen und gütigen Gott. Sobald meine Augen ihn in den Blick genommen haben, strömen Zuversicht und Mut in mein Herz. Es lässt sich augenblicklich gelassener und froher leben. Und dann gehe ich die Schritte, die Gott mir zeigt und für mich bahnt.

 

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Freiheit!

Wilhelmine Wulff @ pixelio.de
Wilhelmine Wulff @ pixelio.de

Hoffentlich klappte das. Die Patientin war schwierig und penetrant in ihren Forderungen nach einer Schlaftablette. Ich befand mich allein auf der Station und der Arzt hatte unmissverständlich klar gemacht: kein weiteres Schlafmittel!
Sie aber nörgelte herum, glaubte mir nicht, was der Arzt gesagt hatte, und bezichtigte mich der Faulheit und Sturheit. Ich sah keine andere Möglichkeit mehr, ging in die Stationsküche, nahm von unserem Pfefferminztee 10 abgezählte Tropfen und verdünnte sie in einem Messbecherchen mit Wasser. Dann kehrte ich in ihr Zimmer zurück und gab sie ihr mit der Erklärung, dass das genau 10 Tropfen eines bewährten, hilfreichen Mittels seien. Erst war sie skeptisch, aber ich versicherte ihr, dass es nicht nur Wasser war.
Am nächsten Mittag, als ich wieder auf Station erschien, wurde mir mitgeteilt, dass die Patientin voll des Lobes für mich war: Ich hätte ihr endlich Mal eine Arznei gegeben, die geholfen hat. Sie habe bestens geschlafen!
Das ist nun etwa 40 Jahre her. War diese Frau psychisch gestört? Nein, ihr Verhalten war und ist typisch für die meisten Menschen: Was wir glauben, beeinflusst unser Leben.
Da kommt einem als Christ schnell die Frage:

Jens Roth @ pixelio.de
Jens Roth @ pixelio.de

Ja, warum bin ich dann nicht fröhlicher, gelassener und hoffnungsvoller? Ich glaube doch an die Frohe Botschaft von Jesus!
Jain, habe ich festgestellt, viele von uns glauben zwar an Jesus und folgen ihm von ganzem Herzen nach – aber wir glauben nicht wirklich das, was im Neuen Testament steht. Wir sind so in unserer westlichen, christlichen Kultur verwurzelt, dass wir manchmal kaum merken, wie knapp am Evangelium vorbei wir glauben.
Eine Testfrage dazu:
Ist uns klar, dass wir »gesetzlos« sind? Dass wir keinem Gesetz unterstehen? Dass Gott uns einmal am Ende der Zeit nicht fragen wird, ob wir moralisch gut gelebt haben? Sein einziges Thema wird die Liebe sein, ob wir sie geübt haben. Ob wir ihn geliebt haben, indem wir den Menschen Gutes getan haben.

Jesus sagte von sich, dass er das Gesetz erfüllt hat. Paulus sah sich als jemanden, der nicht mehr unter dem Gesetz steht.
Jesus setzte ein neues Gebot ein: Liebt einander, wie ich euch geliebt habe.

IMAG0068Welch eine Freiheit! Ich muss nicht verkrampft schauen, ob ich etwas nicht darf oder gerade doch tun sollte. Meine Triebfeder ist nicht ein schlechtes Gewissen. Alleiniger Maßstab ist die Liebe: Worüber freut sich mein Mann? Was hilft dem Nachbarn? Womit kann ich dem Flüchtling drüben in der Unterkunft dienen? Macht das Gott Freude? Und genau das gibt meinem Leben einen tiefen Sinn und Reichtum.
Aber wo ich die Liebe schuldig geblieben bin, springt Jesu Erbarmen für mich ein und vergibt mir das. Darum ist es erledigt und braucht mich nie mehr zu beschäftigen. Und ein Fegefeuer wird es für mich nicht geben!

Glaube ich das wirklich? Nehme ich von dieser Freiheit jeden Morgen neu einige Tropfen und setze mich ihrer Wirkung aus? Das ist wahre Medizin im doppelten Sinn des Wortes!

angieconscious @ pixelio.de

Ansteckungsgefahr!

In meiner Brust schlagen zwei Herzen, die sich manchmal gar nicht leiden können: Das eine ist das vor etwa 40 Jahren herangezüchtete Krankenschwesterherz, das andere wurde kurz danach geboren: Das Mutterherz. Und seit diese beiden in mir leben, bekomme ich besonders im Winter innere Diskussionen. Mit der Geburt unseres ersten Enkelkindes fing die ganze Debatte neu an. Aber es gibt immer einen klaren Gewinner.

Zur Verdeutlichung: Ich besuche sehr gerne meine Enkel. Und offensichtlich freuen sie sich auch und zeigen das, indem sie – je nach Alter – auf meinen Schoß klettern oder mit mir spielen oder Quatsch machen.

Simone Hainz @ pixelio.de
Simone Hainz @ pixelio.de

Doch im Herbst suche ich damit gleichzeitig ihre Viren und Bakterien auf. Dann schmiegen sich diese kleinen, süßen Menschen Trost suchend an mich und beglücken mich mit Rotznasen, Niesen und Anhusten. Die Krankenschwester in mir ruft entsetzt: »Rette sich wer kann!« Aber die (Groß)mutter trotzt und sagt: »Jetzt erst recht! Jetzt brauchen sie deine Wärme und Nähe mehr als je zuvor!«

Natürlich weiß ich als Oma, dass das kaum folgenlos sein wird. Am besten kaufe ich schon mal Tempos und Isländisch Moos. Und ja, irgendwann werde ich mir mal eine Auszeit nehmen, um meinen Husten auszukurieren.

Doch das ist nicht nur unsere Mutterart. Gott handelt ja nicht klüger. Obwohl er wusste, dass ihm sein Aufenthalt als Mensch auf dieser Erde schlecht bekommen würde, besuchte er uns. Er suchte Kontakt, er identifizierte sich nicht nur mit unserem Wesen, sondern bewusst auch mit unserer Sünde. Ja, er steckte sich absichtlich an und nahm unsere Schuld auf sich. Das kostete ihm das Leben – und wir werden frei von dem ansteckenden Bazillus »Sünde«. Wir werden heil, wenn wir wie die Kleinen uns vertrauensvoll an ihn wenden und uns von ihm lieben lassen. Denn welches kranke Kind verschmäht schon die Zuwendung seiner Mama?

angieconscious @ pixelio.de
angieconscious @ pixelio.de

»Gott spricht: Ich will euch trösten, wie einen seine Mutter tröstet.« (Jahreslosung 2016 – Jesaja 66,13)

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Was die Zukunft uns bringt

Weihnachten ist vorbei und die Gesellschaft legt den Schalter um auf Silvester. Das Leben geht weiter und die Jahresuhr tickt unaufhörlich. Zum Abschluss genießen wir noch das Feuerwerk – und dann?

Rainer Sturm @ pixelio.de
Rainer Sturm @ pixelio.de

Oft habe ich den Wechsel vom stimmungsvollen Jahresende zum normalen Alltag als kalte Dusche empfunden. Vor allem verunsicherte mich die offensichtliche Vergängligkeit des Lebens: Ein Jahr geht zu Ende, die Natur scheint tot zu sein, während die Zukunft völlig ungewiss vor mir liegt .

Was wird auf uns zukommen? Werde ich mit dem fertigwerden, was wir erleben? Solche Fragen waren für mich am Jahresanfang normal. Doch es gab vor Jahren ein Erlebnis, das in mir die Zukunftsangst weitgehend geheilt hat:

Es war in den ersten Monaten eines Jahres: Wir hatten einen Bekannten aufgenommen. Er war in Not geraten und wohnte einige Zeit bei uns. Im Frühjahr fand er eine andere Bleibe und wir kehrten zu unserem gewohnten Leben zurück.

Kurz vor Weihnachten kam ein Gruß von ihm, zusammen mit einem Geschenk. Wie toll! Ich las den Brief und es traf mich wie ein Schlag ins Gesicht: Ich war Luft für ihn. Der Brief richtete sich ausschließlich an meinen Mann: Gesegnete Weihnachten für ihn, ein gutes Neues Jahr für ihn, ein Geschenk für ihn. Nicht einmal ein Gruß an mich oder unsere Kinder …

Drei Monate lang hatte ich mich auf ihn eingelassen, mit ihm geredet, für ihn gehofft und mit ihm gebangt. Mein Mann hatte dafür gar nicht so viel Zeit, denn er musste sich um seinen Beruf kümmern. Die ganze Zeit über hatte ich auf mein Zimmer verzichtet, keine Rückzugsmöglichkeit gehabt. Und nun nicht ein einziges Wörtchen an mich. Das haute mich um!

Wilhelmine Wulff @ pixelio.de
Wilhelmine Wulff @ pixelio.de

Das tat weh. Und mir fielen aus meiner Vergangenheit andere Menschen ein, denen ich nichts bedeutet hatte.
Ich saß in unserem Wohnzimmer vor dem Brief und weinte. Komischerweise hatte ich dort auf dem Sofa ein Buch von Max Lucado liegen mit dem Untertitel: »Es geht nicht um dich!« Na, das passte ja! Zwischen meinen Heulattacken las ich Seite um Seite über Gottes Herrlichkeit. Auch meine Bibel lag da und auch in ihr las ich Kapitel um Kapitel. Gleichzeitig öffnete Gott mir die Augen, wo ich mit ihm genauso umgegangen bin, wie unser Bekannter mit mir. Und später sah ich Menschen, mit denen ich ebenso lieblos verfahren war.

Stück für Stück erkannte ich Gottes Größe und Liebe, gepaart mit innerer Buße. Ich musste unserem Bekannten gar nicht mehr vergeben, das war in mir bereits geschehen.

Drei Stunden nach dem Lesen des Briefes stand ich vom Sofa auf: Innerlich voll von einem Frieden, der über alle Vernunft ging. Eine tiefe Wunde, von der ich nichts gewusst hatte, war geheilt worden. Und: Ich war geheilt von mir selbst! Was für eine Befreiung!

Dass die Zukunftsängste, die mich besonders zum Jahreswechsel befallen konnten, heute kaum noch eine Rolle in meinem Leben spielen, hat viel mit dieser Erfahrung zu tun. Ich muss mich nicht mehr um unser Glück, unser Wohlergehen und unsere Unversehrtheit sorgen. Es geht in allem um Gott, um Jesus Christus. »Dein Name werde geheiligt, dein Reich komme, dein Wille geschehe …« Und dies soll in meinem Leben so geschehen, durch Freude und auch durch Leid.

Mit allem, was mir Angst machen will, kann ich vertrauensvoll zu Gott gehen. Ich weiß, er kümmert sich darum – und ich kümmere mich weiter um seine Angelegenheiten: Dass Liebe in diese Welt kommt. Ein Wechsel, der sich vor allem für mich lohnt!DSC03602

»Was die Zukunft uns bringt, wir wissen es nicht. Doch es gibt ein Zuhause beim Vater des Lichts. Dort sind wir willkommen, was auch geschieht – willkommen beim Vater des Lichts!« (Edeltraut Reeb/Jochen Rieger)

Weihnachten – Gottes verrücktes Weltbild

Athanasius Pernath @ pixelio.de
Athanasius Pernath @ pixelio.de

Gottes Sohn wurde Mensch.
Nun wird der Mensch Gottes Kind.

Jesus nahm eine menschliche Identität an.
Der Mensch bekommt eine göttliche.

Jesus wird Mensch durch die Neu-Schöpfung des Heiligen Geistes.
So wird auch der Mensch Gottes Kind: durch eine neue Schöpfung des Heiligen Geistes.

Jesus verließ den Himmel der Liebe Gottes, um »unter dem Gesetz zu leben«.
Der Mensch verlässt die Gesetzlichkeit, um in der Liebe zu leben.

Jesus starb für den Menschen, indem er sich für ihn zum Sündenbock machte.
Der Mensch lebt mit Gott, weil er nun keine Strafe mehr befürchten muss.

Jesus war der Letzte, der gottlos sterben musste.
Der Mensch stirbt nicht mehr.

Jesus kam zu den Menschen auf die Welt und wurde heimatlos.
Der Mensch geht am Ende zu ihm und bekommt eine Heimat.

Jesus kam freiwillig zu den Menschen.
Freiwillig kommt der Mensch zu ihm.

Kommt der Mensch? Komme ich?

Dann habe ich neues Leben, eine neue Identität:
Ich bin gesetz – los und lebe die Liebe.
Ich lebe, denn Jesus lebt in mir.
Ich werde nie sterben, sondern lediglich einen Schritt weiter gehen – in meine Heimat bei Gott.

Freiwillig. Ohne Zwang. Es ist Gottes Geschenk. Weihnachten.

Ich feiere Jesu Geburtstag am 24. Dezember.
Und Gott feiert meinen Geburtstag als sein Kind: Der war im August 1967.

Weihnachten – Gott verrückt das Weltbild.