endgültig: Was am Ende gültig ist

Kurt Michel @ pixelio.de

Das ist wohl der Albtraum jedes Blogbetreibers: den eigenen Weblog endgültig zu crashen, den Zugang zu verlieren und nur noch vor einem weißen Bildschirm zu sitzen. Und dieser Albtraum wurde bei mir vor drei Tagen beinahe zur Realität.

Das ging ganz einfach. Gerade noch bastelte ich an einigen Verbesserungen herum – und im nächsten Augenblick ging nichts mehr. Njet, nada, niente … Aus und vorbei …

Ich kann euch gerne das Rezept zu solch einer Software-Katastrophe nennen: Installiert einfach (jegliche Warnung ignorierend) ein Plug-in, das mit dem System nicht übereinstimmt. Und schon habt ihr das gefürchtete Ergebnis. Die Software stürzt ab und der Server erkennt euer Passwort nicht mehr an. Er macht quasi die Tür zu und lässt euch ohne Schlüssel draußen stehen.

Wie ihr seht, bin ich aber wieder „drinnen“, und zwar so, als ob nichts passiert wäre. Das habe ich unserem jüngsten Sohn zu verdanken. Bei dem wohne ich homepagemäßig sozusagen zur Untermiete. Das heißt, mein Blog erscheint in seiner Domain, auf einer eigenen Seite. Und er konnte mir wieder den Zugang verschaffen und den Schaden beheben.

Nun wäre das alles ja eigentlich kaum eine Notiz wert, wenn es nicht beispielhaft auf eine endgültige Katastrophe hinweisen würde:

Gott hatte uns Menschen in der damals gerade neu erschaffenen Welt Lebensraum zur Verfügung gestellt, in dem wir wirken und kreativ sein durften.

Gabi Eder @ pixelio.de

Doch trotz der eindringlichen Warnung, haben wir uns für ein Plug-in entschieden, das das ganze Leben endgültig in den Sand setzte – und die Umwelt gleich mit. Statt auf Gott zu schauen und in seiner Liebe zu leben, wollten wir „Gut und Böse“ kennenlernen. Wir aßen von der Frucht, die uns das versprach – und das war der Anfang vom Ende. Das Plug-in „Böse“ ruinierte das ganze System. Und wir stehen seitdem draußen vor dem Paradies und haben weder einen Schlüssel noch sonst eine Möglichkeit, wieder hinein zu kommen.

Wäre da nicht der Sohn …

In diesem Fall der Sohn des Herstellers, des Schöpfers. Durch eigenen Einsatz hat Jesus uns den Schlüssel beschafft. Dazu musste er das Böse erst einmal besiegen, was ihm selbst Schmerzen und eigenes Sterben einbrachte. Aber er hat es geschafft, indem er wieder ins Leben zurückkam. Nun hält er uns den Schlüssel hin, damit wir ihn nehmen. Dieser Schlüssel ist das Vertrauen darauf, dass er für uns das Plug-in, die Sünde, besiegt hat und dass er allein die Lösung ist.

Jesus sagt: „Ĭch bin die Auferstehung und das Leben. Wer an mich glaubt, wird leben, auch wenn er stirbt. Und wer lebt und an mich glaubt, wird niemals sterben. Glaubst du das?“ (Johannes 11,25+26)

Als unser Sohn mir gestern Abend den Zugang zu meinem Blog wieder öffnete, habe ich innerlich gejubelt und habe sein Angebot dankend angenommen. Ich hätte auch aufgeben können und mich nicht mehr um meinen Blog kümmern können. Das wäre zwar dumm, aber für mich nicht weiter gefährlich gewesen. Doch Jesu Angebot nicht anzunehmen, sondern zu ignorieren: Damit schließen wir uns selbst vom eigentlichen Leben aus. Zeitlich – und für alle Ewigkeit. End – gültig. Und das wäre unendlich tragisch …

Abhängigkeit

In den letzten Wochen habe ich mir oft Gedanken gemacht, was unseren Glauben von dem der Frauen  in afrikanischen Slums unterscheidet (über sie hatte ich einen Bericht gelesen).  Als Kinder unserer Zeit und Welt haben wir es schwer, in der Abhängigkeit von Gott zu leben – jene praktizieren es allein schon aus der Not heraus. Diese Afrikanerinnen sind mir zu einem Vorbild geworden – und gaben mir dadurch den Anstoß zu dem folgenden Gedicht:

Abhängigkeit

Huskyherz@pixelio.de

Freiheitsliebend, wie ich nun mal bin,
fällt mir oft das Folgen schwer.
Welch ein Adler hat so etwas im Sinn,
fliegt hoch am Himmel er daher?
Unterordnung, blindes Vertraun,
gar die Kontrolle verlier‘n?
Das liegt mir nicht, muss selber schau‘n
und alles inspizier‘n.

Rainer Sturm @ pixelio.de

Ich kauf mir, was ich brauch, im Internet
oder mach mich dort gescheit.
Amazon mit PayPal. Und Pinterest –
Wikipedia ist nie weit.
Zwickt es mich am linken dicken Zeh,
such ich Hilfe für mein Leid:
NetDoktor erklärt mir Ach und Weh,
und die Umschau weiß Bescheid.

Beziehung leb und pflege ich
angepasst an meine Zeit:
In Facebook like und poste ich;
so red ich auch per Skype.
Im Keller ist mein Fitnessraum.
Dort treibe ich den Sport.
Drum brauche ich Bewegung kaum,
fahr mit dem Opel fort.

Das Leben hier in unserer Zeit
sowie in unser‘m Weltenteil
macht frei uns von Abhängigkeit,
von Menschen, Gott und Heil.
In Armutsvierteln, Ghettos, Slums:
Da sieht das anders aus.
So mancher hat hier Gott erkannt,
und fand aus inn‘rer Not heraus.

Wo finde ich das Lebensglück – und wie?
Gekoppelt ist’s mit Gottes Hand!
‚Abhängigkeit’ heißt doch der Menschheits-Key,
und Passwort ist der tiefe Dank.
So fehlt das Lachen in der Reichenwelt,
den weisen Armen gehört es wohl.
Sie sind vermögend hier auch ohne Geld,
doch wir sind arm und seltsam hohl.

sokaeiko@pixelio.de

Drum wend‘ ich meinen Sinn zu dir,
mein Gott, und geb‘ dir ab:
Kontroll‘ gehört nicht länger mir,
die werf‘ ich gern ins Grab.
Führe du mich deinen Weg zum Ziel,
und gib mir, was ich brauch.
Ich bin zufrieden, ob karg ob viel –
um and’re kümmer ich mich auch.

Als Adler schwebt‘ ich einst daher,
so stolz und unabhängig.
Ich suchte Glück und auch viel Ehr –
doch: Leben ist vergänglich.
Heut‘ werde ich gern getragen
von Gottes starken Schwingen.
Ewig möcht‘ ich davon sagen
und Jubel-Lieder singen.

Eleonore Schmitt

Warum eigentlich?

Glaubens-Fragen

Ihr glaubt an Fortschritt und an Wahlversprechen,
ihr glaubt der Werbung jedes Wort,
ihr glaubt dem Börsenkurs
trotz aller Wirtschafts-Schwächen,
ihr glaubt, das Glück wohnt nur am fremden Ort,
ihr glaubt an das vorausgesagte schöne Wetter,
obwohl es regnet fort und fort,

Rudis Fotoseite.de / pixelio.de

glaubt, was die Morgen- und die Abendblätter
in ihren schrecklichen Geschichten
euch aus der ganzen Welt berichten,
und in der Kunst,
da glaubt ihr an den größten Schrott.

Warum nur, sagt mir,
glaubt ihr nicht an Gott?

(Elli Michler)

Jeder Mensch glaubt an etwas. Und unser Glaube ist – ob wir das wollen oder nicht – die Basis unseres Seins und unseres Handelns:

• Kaum erwähnt der Nachrichtensprecher die heranrollende Grippewelle, da ziehen wir den Kopf ein und kaufen Vitamine, deren Wirkungsweise höchst umstritten ist. Wir starren auf die Viren und verlieren uns in der Sorge um unsere Gesundheit. Wir glauben den Panikmachern – und vertrauen ihnen unsere Vorsorge an.

Thommy-Weiss_pixelio.de

• Da verkünden uns Ideologen, dass Kinder klug werden, wenn sie möglichst früh in die Krippe oder die Kita kommen. Dass frühkindliche Bindung an die Eltern aber nicht nur Bildung, sondern auch seelische Gesundheit fördert, wird abgetan als mittelalterliches Märchen. Wir glauben den Meinungsmachern – und vertrauen ihnen unsere Familie an.

• Schon die staunende Antwort entlarvt den Karriereglauben: „Was, du arbeitest nicht?“ Sind denn die Betreuung der eigenen Kinder oder unserer Eltern und das Ehrenamt keine Tätigkeiten, die zwar Mühe machen, jedoch großen Wert haben? Wir glauben den sozialen Trendsettern – und vertrauen ihnen unsere Gesellschaft an.

Wir begeben uns durch unseren Glauben in Abhängigkeiten

und verlieren wie echte Sklaven unsere Freiheit. Wie werde ich aber immun gegen alle diese Stimmen, die mein Leben regeln wollen? Nur durch einen Glauben an jemanden, der es ausnahmslos gut mit mir meint: an Jesus Christus, der selbstlos liebt. Seine Worte (s. Bibel) ermutigen, fördern und stärken. Wer sich an sie hält, wird frei und unabhängig.

Da passt die Losung (bzw. der Lehrtext) für heute:

„Wenn ihr bei dem bleibt, was ich euch gesagt habe, seid ihr wirklich meine Jünger. Dann werdet ihr die Wahrheit erkennen, und die Wahrheit wird euch frei machen.“
Johannes 8,31 + 32

Die Frage von Elli Michler bleibt: „Warum nur glaubt ihr nicht an Gott?“
Ja, warum vertrauen wir uns nicht mit Haut und Haar, mit Geist und Seele ihm an und erleben, dass die Abhängigkeit von ihm unser eigentliches Glück bedeutet?

Elli Michler wäre heute 95 Jahre geworden

Wie kommt es, dass wir vor etwa 2 Jahrzehnten genau in die Stadt zogen, wo zwei meiner Lieblingsschriftstellerinnen geboren wurden?

• Agnes Sapper: Schon als Kind liebte ich ihr Buch „Die Familie Pfäffling“. Der Folgeband „Werden und Wachsen“ faszinierte mich nicht weniger. Als ich erwachsen war und ihre Biographie über ihre Mutter „Frau Pauline Brater“ las, entdeckte ich, dass so manch eine Idee ihrer Romane aus ihrem eigenen Leben stammte. Interessant war auch, dass ihr Vater die „Süddeutsche Zeitung“ gründete.

• Elli Michler: Sie wurde im selben Jahr wie mein Vater und Schwiegervater geboren: 1923. Meine Mutter kam ein Jahr später auf die Welt. Wundert es da, dass sich ihre Jugendjahre glichen? Denn die damalige Zeit hatte nicht viel übrig für individuelle Wünsche und Lebensführungen. Viele junge Frauen mussten ihre Ausbildung oder die Schule ohne Abschluss beenden und fanden sich für Jahre in „kriegswichtigen“ Fabriken wieder. Oft wechselten sich die Langeweile der äußerst eintönigen Arbeit mit furchtbarer Angst vor Bombenangriffen ab. Ob in Wuppertal oder Würzburg: Die Jugendlichen erlebten hautnah die Bombardierung ihrer Geburtsstadt, die völlige Zerstörung ihrer Heimat. Feuerwalzen rollten durch die Innenstädte, der dadurch kochende Teer verhinderte vielfach die Flucht und bot Tage danach den Menschen, die ihre Angehörigen in den Ruinen suchten, ein grausiges Bild. Es war deutsche Schuld, die da auf unsere Eltern zurückfiel.

Aber die jungen Frauen gaben nicht auf. Zusammen mit anderen baute Elli Michler die Würzburger Universität wieder auf. Dabei lernte sie ihren späteren Ehemann kennen und lieben. Sie schlossen ihr Studium ab, heirateten und bekamen eine Tochter. Aus beruflichen Gründen verließen sie Unterfranken in Richtung Hessen. Dort pflegte Elli Michler später ihre Eltern bis zu deren Tod.

Erst mit 55 Jahren veröffentlichte sie ihre Gedanken in Gedichtform. Lebenserfahrung spiegelt sich in ihnen wider: Werte, die sie getragen und ihr geholfen haben. So handeln ihre Gedichte oft von Vertrauen, Hoffnung und Mut und weisen hin auf die Liebe, die reiches Leben erst möglich macht.

Im Jahr 2010 erhielt Elli Michler das Bundesverdienstkreuz für ihre lyrische Arbeit. Am 18. November 2014 starb sie im gesegneten Alter von 91 Jahren. Doch wenn ich ihre Gedichte richtig verstehe, dann ist das Sterben für sie ein Heimgehen zu der Liebe gewesen, von der sie im Leben getragen wurde und die ihr Sinn und Hoffnung gegeben hat.

Alles wandelt die Zeit.
Was am Gewesenen wesentlich war, entfernt sich nicht weit,
weil der Wind nur das Leichte und Flüchtige treibt.
Das Gewichtige widersteht ihm und bleibt.
Elli Michler

Wie entsteht Frieden?

Dieter Schütz @ pixelio.de

„Geschichte“ ist für viele Schüler ein Synonym für Langeweile. Ich weiß noch, dass dieses Fach lange Zeit keinerlei Relevanz für mein Leben hatte. Ob nun „7-5-3: Rom schlüpft aus dem Ei“ oder „3-3-3: bei Issos Keilerei“ – das alles waren für mich tote Fakten und deshalb uninteressant.

Geschichte wurde für mich bedeutsam, als sie mir näher rückte. Plötzlich lernten wir eine Zeit kennen, die meine Großeltern und meine Eltern erlebt hatten. Und ich hörte deren eigenen Schilderungen. „Geschichte“ stellte quasi das Skelett dar, während die Erzählungen es zum lebendigen Wesen machte. Und dieses Wesen ist es, das uns und unser Volk nachhaltig prägt. Deshalb ist es entscheidend, die persönlichen Erlebnisse immer wieder zu Wort kommen zu lassen, damit unsere Nachkommen ebenfalls die Chance haben, ihre Gesellschaft weise und gut zu gestalten.

Eine solche Erfahrung möchte ich hier weitergeben. Sie begann während des Zweiten Weltkrieges. Es war unser Volk, das Holland besetzte und dort grauenvolles Leid anrichtete. Da, wo wir heute Urlaub genießen, haben unsere Vorfahren ihre teuflische Ideologie ausgelebt: Juden wurden zusammengetrieben und vernichtet.

Und wehe den Niederländern, die ihnen halfen. Sie wurden rücksichtslos hingerichtet wie der Vater der kleinen A.: Einfach durch einen Genickschuss getötet. Urplötzlich war eine junge Frau Witwe und das Mädchen, das noch ein Baby war, lernte ihren Vater nie kennen.

Ich bin A. erst später begegnet. Sie hatte einen langen Lebensweg hinter sich, voller Hass gegen uns Deutsche. Auch als sie Christin wurde, hat sich das nicht so schnell geändert. Langsam, im Laufe der Zeit, erkannte sie, dass Jesus sie innerlich nur dann von diesem Leid heilen konnte, wenn sie den Deutschen vergab. Heute reist sie durch Deutschland und hilft, dass unserem Volk Gottes Güte bekannt gemacht wird.

Ähnlich wie sie haben andere holländische Christen bereits direkt nach dem Krieg ihren Groll auf uns beiseitegelegt. Sie richteten für deutsche Kinder ein Freizeitheim her, damit diese in den Ferien von Gott hörten.

Sabine Meyer @ pixelio.de

Dadurch erlebte ich in den 60-ger Jahren jeden Sommer drei herrliche Wochen – und fand dort Jesus Christus als meinen Erlöser. Vielen anderen Kindern erging es ähnlich. Und eine ganze Anzahl von ihnen wurde Pastor oder MissionarIn – oder wie ich eine „nichtamtliche“ Christin, die genauso an Gottes Reich baute.

Warum erzähle ich das? Damit wir aus der Geschichte lernen. Denn immer, wenn ein Volk gütig zu seinen Feinden ist, wächst daraus etwas Gutes. Auch die Amerikaner haben uns nach dem Krieg mit Care-Paketen geholfen. Während viele von ihren jungen Männern ermordet in der europäischen Erde lagen oder körperlich und seelisch behindert zurück in ihre Heimat kehrten, schickten sie uns Seife, Waschmittel, Mehl oder anderes, was wir zum Leben brauchten.

Im Jahr 2015 hat unsere Bundeskanzlerin ähnlich gehandelt: Sie entschied, dass zehntausende Flüchtlinge in unserem Land Asyl finden durften. Dafür ist Frau Merkel oft gescholten worden. Ein Argument lautet nach wie vor: Wir haben nicht genug für uns alle. Sonderbar ist allerdings, dass ausgerechnet Deutschland heute wirtschaftlich besser dasteht, als es uns prognostiziert wurde – und besser als unsere europäischen Nachbarn. Und wie viele arabische Mitbürger haben bereits Jesus als ihren Erlöser gefunden!

Wir sollten nicht ohne Gott rechnen, weder in unserem persönlichen Leben, in der Familie noch in unserer Gesellschaft. Lernen wir von den mutigen Christen überall auf der Welt, indem wir ohne Wenn und Aber Gottes Liebe verschenken – an Freund und Feind. Das ist der sicherste Weg, dass auch die nächsten Generationen Frieden erleben werden.

Das Jahr spiegelt das Leben

Ziemlich unbemerkt von den meisten Menschen ist das alte Jahr zu Ende gegangen. Ohne Feiern und ohne Feuerwerk hat es sich verabschiedet und ist leise dem neuen gewichen.

Auch ich hätte den Wechsel kaum wahrgenommen, hätte ich nicht heute Morgen meine Losungs-App geöffnet und gelesen: „Beginn des neuen Kirchenjahres“.

RainerSturm@pixelio.de

Das hat mich zum Nachdenken gebracht. Was ist mir eigentlich wichtig im Jahresreigen? Die einzelnen Monate, die Anzahl der Tage? Ist das Jahr – wie auch das Leben selbst – nur eine Addition von Wochen? Oder steht nicht eher die christliche Botschaft sinngebend hinter dem einen wie dem anderen?

Unsere Feiertage bringen diese Botschaft jeweils auf den Punkt: die Wartezeit auf unseren Erlöser, Jesu Geburt, meine Rettung durch sein Sterben und seine Auferstehung, das Geschenk seines Geistes? Auch der Dank für eine gute Ernte, für unsere Versorgung mit allem Nötigen durch Gott? Die Besinnung auf die Ewigkeit am Ende des jährlichen Kreises?

Bei alledem gefällt mir das Motto, das stets am ersten Sonntag des Kirchenjahres (dem ersten Advent) mit Sacharja 9,9 verkündet wird: „Siehe, dein König kommt zu dir, ein Gerechter und ein Helfer.“

Georg Weissel führt diesen Vers erklärend aus:

Er ist gerecht, ein Helfer wert;
Sanftmütigkeit ist sein Gefährt,
sein Königskron ist Heiligkeit,
sein Zepter ist Barmherzigkeit;
all unsre Not zu End er bringt,
derhalben jauchzt, mit Freuden singt:
„Gelobet sei mein Gott, mein Heiland groß von Tat.“

Interessant ist, dass selbst die meteorologischen Jahreszeiten exakt zum christlichen Jahresrund passen:

Den Auftakt bildet der Advent, der in den Winter fällt, in dem alles abgestorben zu sein scheint. Da warten wir Menschen auf neues Leben, sehnen uns nach Licht. Wir wünschen uns Wärme im Angesicht der Kälte, die uns mal mehr, mal weniger auch im eigenen Leben umgibt.
Da tröstet die Losung: „Siehe, dein König kommt zu dir, ein Gerechter und ein Helfer.“

Der Frühling besiegt die letzten Hinweise auf Sterben und Tod: Gelbe Krokusse schieben sich durch vertrocknetes Laub. Über die Erde legt sich eine grüne Decke und das Morgenkonzert der Amseln und Meisen löst die bisherige Stille des Winters ab. Karfreitag – Ostern – Himmelfahrt und Pfingsten: Wir feiern die Erlösung, die vom Tod zum überfließenden Leben führt.
Das Motto stimmt: „Siehe, dein König kommt zu dir, ein Gerechter und ein Helfer.“

Der Sommer gibt Raum zum Genießen. Alles reift, die Tage sind lang und hell, die Begegnungen zwischen uns Menschen ergeben sich wie von selbst: Wir verbringen unsere Zeit gerne draußen, sehen und hören einander. Aber in allen Vorteilen stecken auch leicht die zu hohen Erwartungen mit ihren zwangsläufigen Enttäuschungen: Regen, Hitze, Gewitter – genauso wie im schon reifer werdenden Leben.
Doch auch jetzt gilt: „Siehe, dein König kommt zu dir, ein Gerechter und ein Helfer.“

VolkerMühlenbruch@pixelio.de

Und endlich meldet sich der Herbst an. Mit der Ernte krönt Gott das Jahr mit seiner Güte (so formulierte es einst ein biblischer Liedermacher) – und wir danken es unserem Schöpfer! Und wie nun die Bäume das Chlorophyll der Blätter in die Wurzeln verlagern, um diese für den Winter zu stärken, so tun auch wir Menschen gut daran, unsere Energie in unsere Wurzeln zu stecken und nicht zu sehr für unser jugendliches Erscheinen zu verwenden.
In dieser Jahres- wie Lebenszeit wird die Umgebung langsam trister, doch im Angesicht der Ewigkeit greift die Losung ganz neu:
„Siehe, dein König kommt zu dir, ein Gerechter und ein Helfer.“

 

Macht hoch die Tür, die Tür macht weit, 

es kommt der Herr der Herrlichkeit,
ein König aller Königreich,
ein Heiland aller Welt zugleich,
der Heil und Leben mit sich bringt;
derhalben jauchzt, mit Freuden singt:
Gelobet sei mein Gott,
mein Schöpfer reich von Rat.

Er ist gerecht, ein Helfer wert;
Sanftmütigkeit ist sein Gefährt,
sein Königskron ist Heiligkeit,
sein Zepter ist Barmherzigkeit;
all unsre Not zum End er bringt,
derhalben jauchzt, mit Freuden singt:
Gelobet sei mein Gott,
mein Heiland groß von Tat.

O wohl dem Land, o wohl der Stadt,
so diesen König bei sich hat.
Wohl allen Herzen insgemein,
da dieser König ziehet ein.
Er ist die rechte Freudensonn,
bringt mit sich lauter Freud und Wonn.
Gelobet sei mein Gott,
mein Tröster früh und spat.

Macht hoch die Tür, die Tor macht weit,
eu’r Herz zum Tempel zubereit’.
Die Zweiglein der Gottseligkeit
steckt auf mit Andacht, Lust und Freud;
so kommt der König auch zu euch,
ja, Heil und Leben mit zugleich.
Gelobet sei mein Gott,
voll Rat, voll Tat, voll Gnad.

Komm, o mein Heiland Jesu Christ,
meins Herzens Tür dir offen ist.
Ach zieh mit deiner Gnade ein;
dein Freundlichkeit auch uns erschein.
Dein Heilger Geist uns führ und leit
den Weg zur ewgen Seligkeit.
Dem Namen dein, o Herr,
sei ewig Preis und Ehr.

(Georg Weissel)

 

 

Ich bin eine Blumenvase

Etwa einmal in der Woche gehe ich mit einer Freundin spazieren. Ja, man könnte es auch eine 1½-stündige Wanderung nennen: Vorbei an einem idyllischen Bachlauf, durch Wiesen und Felder bis auf eine Anhöhe, von der aus wir über ganz Würzburg schauen können. Herrlich!

Alles dabei tut mir gut: die Natur in ihrem stetigen Wandel zu erleben wie auch unsere tiefgehenden Gespräche. Es gibt da nur einen Wermutstropfen, der aber auch sonst mein Leben ein bisschen beschwert: freilaufende Hunde.

Karl Dichtler @ pixelio.de

Seit ich denken kann, sind mir diese Vierbeiner nicht geheuer. Das hat verschiedene Gründe, und es gab auch schon viele gute Ratschläge, wie ich diese Angst überwinden kann. Nur: Nichts davon hilft. Manches ist sogar kontraproduktiv, genauso wie die gut gemeinte Aussage des Hundebesitzers: „Der tut nichts!“, während mich das kalbsgroße Tier schwanzwedelnd anspringt. Nein, der Hund selbst tut mir nichts, denn für den Beinahe-Herzinfarkt ist ja meine eigene Panik verantwortlich …

Während unserer Wanderungen treffen wir dann und wann auch auf solche vierbeinigen Geschöpfe. Meine Freundin rastet dann beinahe vor Freude aus, krault sie und unterhält sich liebevoll mit ihnen, während ich zusehe, dass genug Abstand zwischen uns entsteht und sich vielleicht eine Fluchtmöglichkeit auftut.

Irgendwann einmal

hat mich meine Wandergenossin in das Geheimnis einer entspannten Beziehung zwischen Mensch und Hund eingeführt. Wenn ich keinen Kontakt mit Hunden haben möchte, müsse ich mit ihnen umgehen wie mit einer Blumenvase: einfach nicht weiter beachten. Dann würden die mich auch in Ruhe lassen.

Ich versuchte es eine Woche lang. Aber das half mir nicht wirklich. Bei unserem nächsten Gespräch gab ich ihr zu bedenken: Schön und gut, dass die Hunde für mich eine Blumenvase sein sollen. Aber was hilft es, wenn die Hunde sich selbst nicht als solche sehen und mich anfallen?
Ihre Antwort: „Eleonore, du bist für die doch auch nicht mehr als eine Blumenvase – völlig uninteressant, so lange du sie nicht beachtest!“

Rainer Sturm @ pixelio.de

Das war mein Durchbruch in Sachen Hundeangst! Wenn mir heute ein freilaufender Hund entgegenkommt, schaue ich weg und denke: Ich bin nur eine Blumenvase für ihn. Und was soll ich sagen? Kein Hund interessiert sich mehr für mich 🙂

Heute Morgen las ich in der Bibel eine ähnliche Geschichte. Und zwar im Römerbrief. Dort geht es nicht um Hunde, sondern um die Sünde, die uns tatsächlich anspringen und verschlingen will. Paulus gibt uns den Rat: Du bist für sie langweilig wie eine Blumenvase … Er nennt es: „Für die Sünde sind wir tot“.

Es ist eine Frage meiner Identität.

Wer bin ich? Zugegeben, bei den Hunden tue ich nur so, als sei ich eine wandelnde Blumenvase. Aber was die geistliche Realität angeht, so bin ich tatsächlich der Sünde gestorben. Paulus erklärt das mit unserer Taufe: Wie wir im Wasser untergetaucht wurden – quasi ins Grab gelegt wurden – so sind wir der Sünde gestorben. Durch das Auftauchen sind wir mit Jesus wieder lebendig geworden und leben seitdem für ihn. Tot für die Sünde, lebendig für Gott.

Praktisch kann das so aussehen: Da klopft das Lästermaul bei mir an, aber ich bin nicht da. Denn ich lebe dort, wo man Förderndes sagt. Da will das Selbstmitleid mir die Tür einrennen, aber es gibt gar keine Tür mehr, da ich neu gebaut habe und in einem Haus der Versöhnung lebe. Da will der Zorn über unfähige Verkehrsteilnehmer über mich herfallen. Aber auf dem Fahrersitz sitzt nicht mehr die cholerische Eleonore, sondern eine segnende Fahrerin.

Für die Hunde bin ich eine langweilige Blumenvase, für die Sünde bin ich mausetot und für Gott lebe ich pumperlebendig. Ich gebe zu, dass ich mich immer noch in der Übungsphase befinde. Doch sie macht schon einen echten Unterschied!

Siehe Römer 6,1-11

 

Neue alte Software

Wie eine durch Viren umgestaltete Software, so hatte sich der christliche Glaube in den Jahrhunderten nach Christus verändert und verformt.

Dieter Schütz @ pixelio.de

Luther hatte – um im modernen Bild zu bleiben – die originale Software wiederentdeckt, die der christlichen Welt neu den Weg zu Gott wies. Seine Formatierung der kirchlichen Lehre, seine Re-Formation, war nötig, um die ursprünglichen Informationen wieder zu installieren: Solus Christus – Sola Gratia – Sola Scriptura – Sola Fide.

Das sind die Metadaten. In den anschließenden 500 Jahren musste die Festplatte des Glaubens wiederholt aufgeräumt und von Datenmüll befreit werden. Das gilt heute noch genauso in unseren Kirchen und Gemeinden wie auch mir persönlich. Sonst werden wir lahm und unbrauchbar.

Solus Christus – Sola Gratia – Sola Scriptura – Sola Fide. Keine noch so fromme Tradition oder kirchliches Regelwerk kann diese Fakten ersetzen. Auch wenn uns aus allen Richtungen fortschrittliche Anwendungen angeboten werden, so führen sie doch immer zu Verfälschungen und enden in der Wirkungslosigkeit.

Lassen wir es dabei: allein Jesus, der Erlöser – allein die Gnade – allein die Heilige Schrift – allein der Glaube.

Dieter Schütz @ pixelio.de

KISS & GO

Unsere Grundschule befindet sich im sogenannten ‚Altort‘ von Höchberg, mitten zwischen schmalen Straßen und Gässchen, die teilweise ohne Bürgersteig sind. Jeden Morgen findet hier ein spannender Wettkampf statt: Wem gehören die Verkehrswege? Müttern, die ihre Sprösslinge zur Schule bringen? Lehrern, die dringend einen der Parkplätze benötigen? Oder Kindern, die es tatsächlich wagen, zu Fuß in den Unterricht zu marschieren?

Nun gibt es bei uns seit dem neuen Schuljahr ungewöhnliche Schilder, und zwar an drei ausgesuchten Orten. Ich finde sie einfach genial. Sie zeigen, dass unsere Stadtplaner nicht nur Verstand haben, sondern auch das Herz auf dem rechten Fleck:

KISS & GO! Ab hier schaffen wir das alleine!

Alle Grundschuleltern bekamen einen Flyer, der das Konzept erklärte: Grundsätzlich soll kein Fahrzeug mehr auf den unmittelbaren Wegen vor der Schule verkehren. Kinder, die per Auto gebracht werden, verabschieden sich an den „Kiss & go“- Punkten von ihren Eltern. Denn sie haben ab da einen sicheren Weg bis in ihre Klasse.

Wen wollen diese Schilder eigentlich ansprechen? Die Mama, die ihre Sorgen-Sophie lieber bis zur Schulpforte kutschiert? Oder den Papa, der dem Morgenmuffel-Matthis, der einfach nicht fertig wird, das Zuspätkommen ersparen will? Oder sollen die Kinder ermutigt werden: Ab hier könnt ihr es selbst?

Ich glaube, alle sind gemeint. Und die Botschaft ist nicht nur verkehrstechnisch relevant. „Kiss!“ Und danach erst „Go!“ Nehmt euch Zeit, um euch freundlich in den Tag zu verabschieden!
Jeder fühlt sich nach einem ermutigenden Zeichen und guten Wort besser. Eine innere Sicherheit begleitet das Kind, wenn sein Papa ihm am Morgen signalisiert: „Egal, was ist, ich stehe zu dir!“ Oder wenn seine Mama ihm versichert: „Du bist mir wichtig!“

Ja, auch uns Eltern, Großeltern, Onkel und Tanten täte solch eine persönliche Vergewisserung gut. Bevor der Tag richtig anfängt, könnten wir einen eigenen „Kiss & go“- Punkt wahrnehmen: Kurz mit unserem himmlischen Vater über die Anforderungen, die an uns gestellt werden, ins Gespräch kommen und uns von ihm zusprechen lassen: „Du bist mir wichtig! Ich stehe zu dir!“

Solch ein „Kiss & go!“- Punkt kann für Papa Paul eine Parkbucht auf dem Weg zur Arbeit sein, in die er morgens steuert, den Motor noch einmal ausstellt und sich auf Gott konzentriert. Für Mama Moni gilt Gleiches – oder es ist die Küchenbank, wenn alle das Haus verlassen haben: Mit Kaffee und den Losungen in der Hand begegnet sie Gott. Und Oma Elli hat einfach schon mehr Zeit und vertraut alle ihre Familienmitglieder der treuen Fürsorge Gottes an.

„Kiss & go!“ Zum Schluss kommt das „Go!“ Da wir in dem einen Augen-Blick tatsächlich Gottes Freundlichkeit angeschaut haben, können wir mutig in den Tag starten.

Heinrich Linse @ pixelio.de

Die Seele baumeln lassen

Rainer Sturm / pixelio.de
Rainer Sturm / pixelio.de

Sommer, Sonne, Seele baumeln lassen. Das ist meine Hoffnung für diese Jahreszeit. Sie gleicht einer geheimen Wunschliste, die ich Jahr für Jahr neu schreibe, obwohl die Vergangenheit da Vorsicht gelehrt hat.

Voll Vorfreude auf den Urlaub tippe ich in meine Wetter-App unseren Ferienort ein und sehe gespannt auf die Symbole. Sofort stellt sich die Ernüchterung ein: Graue Wolken und Regentropfen (nicht nur einer, sondern drei!) erscheinen auf dem Display.

O. k., die Sonne streiche ich von meiner Liste. Bleiben Sommer und Seele-baumeln-lassen. Denn auch warmer Regen hat ja was. Mein Blick gleitet zur Temperaturvorhersage: 18° – 20°C Höchsttemperatur …

Ist jetzt unser Urlaub schon vorbei,

bevor er begonnen hat? Nein, das lasse ich nicht zu. Das wichtigste Element bleibt uns ja noch: Die Seele baumeln lassen.

Und dazu gibt es eine Reihe Angebote: Wellness, Tee bei Kerzenschein, Käseplatte mit Rotwein, ein gutes Buch, durch den regennassen Wald streifen oder ins Kino gehen.

Tragisch ist nur, dass mir das Seele-baumeln-lassen trotz aller Hilfsangebote oft nicht gelingt. Selbst wenn die Sonne vom wolkenlosen Himmel scheint und leichter Wind mir Erfrischung bietet: Mir fehlt die innere Fähigkeit, meine Seele baumeln zu lassen. Stattdessen tummeln und streiten sich in meinem Geist Träume, Ideale und Befürchtungen. Wie um alles in der Welt soll meine Seele da befreit schaukeln wie ein Kind, das selbstvergessen auf- und abschwingt?!

Simone Hainz / pixelio.de
Simone Hainz / pixelio.de

Alles, was baumelt, hängt frei, das ist bei der Seele nicht anders. Und da fangen bereits meine Schwierigkeiten an. Ich müsste ja meine Seele loslassen und nicht an mich binden, damit sie schwingen kann! Und schlimmer noch: Ich brauche einen Fixpunkt außerhalb von mir, an den ich meine Seele aufhänge. Und dann einfach loslassen … Zugegeben, die Vorstellung ist skurril. Doch entspricht sie nicht trotzdem der Wahrheit?

Ich brauche einen absolut sicheren Halt, bei dem ich weiß, dass er trägt. Denn meine Seele vertraue ich keiner fragwürdigen Macht an. Es muss eine Macht sein, die es ganz und gar gut mit mir meint und stärker als alles andere ist. Und diese gütige wie gewaltige Macht habe ich gefunden: Gott – in Jesus Christus.

Das ist meine Lebenserfahrung nach all den Jahrzehnten,

die ich nun auf diesem Erdball lebe: Da, wo ich mich Jesus anvertraut habe und meine eigenen Vorstellungen in seinen Willen legte, da bekam ich Frieden. Da kam ich zur Ruhe. Die Seele fing an zu baumeln … Was für eine Erholung im Sommer wie im Winter. Welche Freude im Angesicht von Unsicherheiten. Zu wissen, dass er es schon richtig – und gut – machen wird, selbst wenn meine Hände gebunden sind, lässt mich zufrieden in die Zukunft schauen.

So sagt nun der Herr: »Weil er mit ganzer Liebe an mir hängt, will ich ihn befreien; ich hole ihn heraus aus der Gefahr, denn er kennt meinen Namen. Wenn er zu mir ruft, werde ich ihm antworten. In Zeiten der Not stehe ich ihm bei, ja, ich reiße ihn heraus und bringe ihn zu Ehren. Ich schenke ihm ein erfülltes und langes Leben und zeige ihm, wie ich Rettung schaffe.« (Ps. 91,14-16; NGÜ)